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Kampf gegen Covid-19 In der EU fehlt es nicht an Impfstoff, sondern an kühlen Köpfen

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Aus dem Archiv: Deutschland: Ärger über zu langsamen Impfstart
03:44 min, aus Echo der Zeit vom 06.01.2021.
abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.

Die Covid-19-Pandemie drängt sich weiter in unseren Alltag hinein. Das wird noch länger anhalten. Eine dritte Infektionswelle ist absehbar. Gleichzeitig steigt mit jedem Tag die Zahl der Geimpften. Gut so.

Mit stoischer Ruhe, trotz aller Mühen, akzeptieren das Millionen von Bürgerinnen und Bürgern in ganz Europa. Nur Politikerinnen und Politiker scheren aus.

Vorwürfe an «Brüssel»

Vor allem deutsche Gesundheitspolitiker greifen im Einklang mit anderen europäischen Kolleginnen zu einem bewährten Mittel, um von der Realität abzulenken. Sie machen wieder einmal «Brüssel» dafür verantwortlich, dass nicht von heute auf morgen alle Mitbewohnerinnen geimpft sind. Es gebe zu wenig Impfdosen. Die EU habe falsch eingekauft und zu wenig vom Richtigen bestellt.

Es waren allerdings vor ein paar wenigen Wochen die 27 EU- Gesundheitsministerinnen und -minister, welche die Brüsseler Beamten damit beauftragten, genau das umzusetzen, was sie heute beklagen. Denn alle 27 EU-Staaten haben als Auftraggeber beschlossen, gemeinsam Impfdosen bei sechs Pharmaherstellern zu bestellen. Die EU-Kommission war Auftragnehmerin, verhandelte den Preis und kaufte ein.

Zwei Milliarden Dosen für 450 Millionen Einwohner

Die EU-Kommission hatte im Sommer unter 160 potenziellen Impfstoff-Herstellerinnen die vielversprechenden herauszufiltern. Es liegen Lieferverträge vor mit Pfizer/Biontech, Moderna, Johnson&Johnson, CureVac, Sanofi und Astrazeneca. Nach Pfizer/Biontech vor Weihnachten erhielt auch Moderna Anfang 2021 die EU-Zulassung. Dank des Vor-Liefervertrags kann die EU nun die Zahl der bestellten Impfdosen bei Pfizer/Biontech verdoppeln.

Gleichzeitig investierten die EU und die Europäische Investitionsbank mehrere Hundert Millionen Euro in den Ausbau von Produktionskapazitäten für den Impfstoff in Europa. Die EU-Kommission hat objektiv keinen so schlechten Job gemacht.

Den rund 450 Millionen Bürgern in der EU stehen über zwei Milliarden bestellte Impfdosen gegenüber. Es fehlt also nicht an Impfstoff. Es fehlt an Geduld. Bald werden die Produktionskapazitäten der unerhört hohen Nachfrage nach Impfstoffen entsprechen.

Zeit und Geduld sind gefordert

Es fehlt an kühlen Köpfen von maskierten Politikerinnen und Politikern, die nicht schönes Wetter versprechen, wenn immer noch grosse Gewitterwolken am Himmel aufziehen, die ein nächstes Gewitter ankündigen. Es braucht Zeit und Geduld, bis 70 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Europas gegen das Covid-19-Virus geimpft sind. Mit «Brüssel» hat das nichts zu tun.

Charles Liebherr

Charles Liebherr

EU-Korrespondent, SRF

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Charles Liebherr ist EU-Korrespondent von Radio SRF. Liebherr studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig, später als Frankreich-Korrespondent.

SRF 4 News, 06.01.2020, 21 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Die Pandemie wäre schon längst vorüber, wenn man all das umsetzen würde an Therapien und Vorsorgemassnahmen die sich schon bewährt haben. Alles auf die Impfung zu setzen hat Leben gekostet, nebst den ökonomischen und gesellschaftlichen Schäden die hätten vermieden werden können. Nicht das Virus ist das Problem, sondern Korruption und Manipulation.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Die EU-Kommission war Auftragnehmerin, verhandelte den Preis und kaufte ein. Hat von der Leyen ihre Hand im Spiel bzw. verantwortlich für den Einkauf der Impfdosen? Überall auf der Welt fehlt es an genügend Impfstoff.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Nicht nur in der EU auch bei uns fehlen Organisatoren zB die Vorbereitungen für die Impfcentren.
    Monatelang wusste Jedermann dass eine Impfung kommt aber keine Vorbereitung nicht mal genügend
    Impfstoffe bestellt. Nun läuft es langsam an. Wenn die Wirtschaft so
    arbeiten würde, unser Wohlstand wäre schnell weg