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EU: Neues Label für nachhaltige Anleihen
Aus Echo der Zeit vom 06.07.2021.
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Kampf gegen den Klimawandel EU schafft neues Label für grüne Geldanlagen

Auch Investoren und Anleger sollen im Kampf gegen den Klimawandel ihren Beitrag leisten. Ein Label soll dabei helfen.

Die Europäische Union und ihre 27 Mitgliedsländer brauchen Geld, viel Geld. Die Kassen sind wegen der Corona-Wirtschaftshilfen leer. Gleichzeitig sind enorme Investitionen in den Umbau der Wirtschaft nötig, damit die EU ihr Klimaziel bis 2050 erreicht, nämlich die CO2-Emissionen auf Null zu senken. Alles andere als billig werde dies, meinte Valdis Dombrovskis, Kommissions-Vizepräsident für Wirtschaft.

350 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen benötigt Europa, jedes Jahr während der nächsten zehn Jahren. Es gilt Off-Shore-Windparks zu bauen, Giga-Fabriken für die Produktion von Auto-Batterien zu subventionieren, das europäische Bahnnetz auszubauen, und im grossen Stil Häuser auf Minergie-Standard umzubauen.

Nachfrage übersteigt Angebot

Die EU-Länder wollen darum grüne Staatsanleihen ausgeben, aber auch private Firmen benötigen nachhaltige Direktinvestitionen oder der Finanzsektor will Grüne Bonds anbieten für Anleger. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, das ist die gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht sei, dass der Klimawandel auch den Finanzsektor in seiner Stabilität bedrohe. Darum bestehe Handlungsbedarf, erklärte Mairead McGuinness, die EU-Kommissarin für Finanzstabilität. Der Finanzsektor müsse widerstandsfähiger werden und auch für mehr Stabilität sorgen in der Übergangsphase, während der Anpassung der Wirtschaftssektoren an die Klimaziele der Politik.

Legende: Die EU schafft ein neues europäisches Label, das für grüne Geldanlagen steht, die garantiert nachhaltig seien. Im besten Fall könnte daraus ein neuer globaler Standard für die Finanzbranche werden. Keystone

Der Markt boomt: In den letzten fünf Jahren ist er um 40 Prozent gewachsen. Aber grüne, nachhaltige Geldanlagen machen trotzdem erst zwei bis vier Prozent des Bond-Marktes aus, sind also immer noch ein Nischenprodukt. Darum will die EU einen neuen Standard für nachhaltige Anlagen setzen, um Investoren anzuziehen.

Analog zum Bio-Label bei Lebensmitteln

Bereits vorliegend ist eine Art Regelbuch, die Taxonomie, welche die Kriterien vorschreibt, nach denen Anlagen als nachhaltig gelten. Bis es in einem Jahr in Kraft treten kann, gilt es noch offene Fragen zu klären: etwa ob Investitionen in die Atomkraft oder in Biogas-Kraftwerke tatsächlich nachhaltig wären.

Die EU-Kommission schlägt nun trotzdem schon den nächsten Schritt vor, um keine Zeit zu verlieren. Nämlich, dass Bonds, welche 100 Prozent der Kriterien erfüllen, ein Gütesiegel erhalten, das «European Green Bond»-Label, analog zum Bio-Label auf Lebensmittel. So soll verhindert werden, dass sich Anlegerinnen und Anleger eine grüne Verpackung besorgen können, ohne beim Inhalt nachhaltig zu geschäften.

Ein neuer globaler Standard?

Das Label sei ein Mittel gegen Greenwashing und sorge für das nötige Vertrauen in nachhaltige Anlagen, so Valdis Dombrovskis. Die EU hofft, mit diesem Regelwerk für nachhaltige Anlagen nicht nur für Europa, sondern für die weltweite Finanzbranche einen Standard setzen zu können, wie das schon bei der Definition der Klimaziele gelang.

Denn: Die Europäische Union könne den Klimawandel nicht alleine bekämpfen – trotz Führungsanspruch bei nachhaltigen Anlagen. Weltweit müsse massiv mehr und nachhaltiger investiert werden, so Maired McGuinness.

An der Klimakonferenz in Glasgow im Herbst wird die EU messen können, wie erfolgreich ihr Plan ist. Grüne, nachhaltige Finanzanlagen sollen einen Schwerpunkt der Konferenz bilden, wenn es darum geht, die verbindlichen Pläne vorzulegen, wie alle beteiligten Länder die versprochene Klimaneutralität bis 2050 erreichen können.

Echo der Zeit, 06.07.2021, 18 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    @ Thomas Leu
    Einer der Grundfragen der Verhaltenspsychologie: wie erreicht man am besten ein erwünschtes Verhalten? Belohnung oder Bestrafung ( positive oder negative Verstärkung)?
  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Cool, dann weiss man wenigstens genau, wo man nicht investieren soll.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Offensichtlich kann oder will man den Klimawandel nur bekämpfen wenn dieser Kampf als gewinnbringende Investition presentiert und ausgeführt wird.
    Der Klimawandel als Quelle von mehr Reichtum, ob dass der richtige Weg ist?
    In jedem Fall wird es dem menschlichen Verlangen nach mehr Geld gerecht.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Patrick Janssens: Wichtig ist, dass überhaupt etwa getan wird und nicht weiter auf ein "Umdenken" gehofft wird, das nie kommt. Finanzielle Anreize wirken nun mal nachgewiesenermassen am schnellsten. Sie haben ja an der CO2-Abstimmung gesehen, dass die Nein-Sager finanzielle Anreize fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Zu Recht, denn sie sind äusserst wirksam.
    2. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Wie bei jeder öffentlich inszenierten "Modeströmung" muss man nur dem Geld folgen um rauszufinden, wer dahinter Fäden zieht. Immer sind's diejenigen, die für sich damit Vorteil rausholen, seien's nun NGOs, Umweltämtern, Medien, und nun gefolgt von windigen Finanzprodukt Verkäufern. Berappen tun das immer grosse Massen, denen mit Hilfe von Institutionen das Geld aus Sack stielt. Grad verkündet EU-Brussels, dass sie Regulierungen für "grüne" Fianzen macht,
    3. Antwort von Daniel Müller  (Filter11)
      Herr Leu: Sehr richtig erkannt. Leider läuft alles über den Geldbeutel. Ich finde auch, dass es richtig ist, dass jemand mit dem Klimaschutz Geld verdient. Geld zu verdienen mit CO2-Ausstoss müsste mehr sanktioniert werden. Aber da hätten unsere Banken und andere Konzerne nicht ihre grosse Freude. Diese können auf das bürgerliche Parlament vertrauen, dass soetwas in der Schweiz nie kommen wird. Aber eben, alles ist im Wandel.