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Kampf gegen Extremismus Die Gesellschaft in die Pflicht nehmen

Legende: Audio Wenn Ausgeschlossene sich radikalisieren abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
04:30 min, aus Echo der Zeit vom 14.10.2018.

Gewalttätiger Extremismus gilt als eines der grossen Probleme unserer Zeit, die Bekämpfung ist eine drängende und ebenso schwierige Aufgabe, wie Extremismusforscher Paul Turner ausführt.

Paul Turner

Paul Turner

Extremismusforscher

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Paul Turner unterrichtet an der American University in Washington das Studienfach «Countering Violent Extremism» - zu Deutsch: sich dem Extremismus entgegenstellen. Zusätzlich arbeitet Paul Turner für eine US-amerikanische Nichtregierungsorganisation, die sich weltweit für Erziehungsprojekte und Gemeindearbeit einsetzt.

Armee, Geheimdienste und Polizei – all das braucht es, um Terroristen und Extremisten in Schach zu halten. Doch Sicherheitskräfte alleine können das Problem nicht lösen, meint der Extremismusforscher Paul Turner. Auch die Zivilgesellschaft müsse Verantwortung übernehmen. Lehrer, Geistliche und Jugendarbeiter sollten frühzeitig erkennen, wenn Jugendliche in extremistische Kreise abzudriften drohen.

Dafür müssten sie aber sensibilisiert werden. Im Auftrag von «Creative Associates International», einer amerikanischen Nichtregierungsorganisation (NGO), organisiert der Extremismusforscher entsprechende Ausbildungsprojekte.

Mütter als der Schlüssel

Eines davon richtet sich gezielt an Mütter. Sie stehen ihren Kindern meist am nächsten, allerdings haben Frauen in vielen Ländern kaum Einflussmöglichkeiten. Darum seien einfach zugängliche Hilfsangebote besonders wichtig.

Doch bevor die Probleme überhaupt angegangen werden können, müssen sie erkannt werden – und das möglichst frühzeitig. In sogenannten «Mother Schools» sollen Mütter lernen, möglicherweise gefährliche Veränderungen im Leben ihrer Kinder zu bemerken.

«Es können einfach Dinge sein wie neue Kleidervorlieben der Kinder», meint Turner. Wenn ein Jugendlicher, der bis anhin immer Jeans und T-Shirt trug, plötzlich traditionelle islamische Gewänder bevorzugt oder wenn Konzerte von rechtsradikalen Bands besucht werden. Solche Anzeichen sind vielleicht harmlos und vorübergehend. Es können aber auch Anzeichen für ernsthaftere Probleme sein, die besprochen werden müssen, sagt der Experte.

Hauptursachen für die mögliche Radikalisierung sind erstens die eigene Gewalterfahrung durch den Staat und zweitens das Gefühl, in der Gesellschaft isoliert zu sein.
Autor: Paul TurnerExtremismusforscher

Bekämpfung der Hauptursachen

Schwieriger wird es, wenn es darum geht, die Hauptursachen zu bekämpfen, die Menschen zu Extremisten machen. Paul Turner nennt zwei davon: Erstens eigene Gewalterfahrung durch den Staat und zweitens das Gefühl, in der Gesellschaft isoliert zu sein.

Traumata durch staatliche Gewalt treffen vor allem Menschen in Kriegsgebieten und in Ländern mit repressiven Regierungen. Die tatsächliche oder auch nur die empfundene Isolation kommt hingegen überall vor.

Eine gesunde Gemeinschaft, die alle integriert und allen Perspektiven bietet, ist die beste Vorbeugung gegen Radikalisierung.
Autor: Paul TurnerExtremismusforscher

Ein hehres Ziel

Für Paul Turner steht fest: Mit gesunden Gemeinschaften, die alle integrieren und allen Perspektiven bieten, könnte einer Radikalisierung am besten vorgebeugt werden. Er ist sich aber auch bewusst, dass dies ein hehres Ziel ist, das wohl nie ganz erreicht werden kann. Aber je näher eine Gesellschaft diesem Ziel komme, desto besser für alle.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
    Wie bekämpft man Rechtsextremismus am wirkungsvollsten, wie bringt man diese Menschen in die Gesellschaft zurück? Ein Hauptgrund für einen Ausstieg ist die Liebe, bzw die Freundin, die keine gewaltverherrlichende und hasserfüllte Ideologie akzeptiert. Wenn man vor die Wahl gestellt wird, Liebe oder Hass, entscheiden die meisten Menschen richtig.
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    1. Antwort von Marti Müller (marchman)
      Sprechen sie da nicht auch von linkextremismus?
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Gute Analyse. Gesunde Gesellschaft: Die meisten Politiker von links bis rechts orientieren sich nach dem, was sich gewisse Kreise (Globalisten, Atlantiker, Neoliberale) und Lobbys (Militärindustrieller Komplex, Pharma, Finanzindustrie) ausdenken und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen. Das Resultat ist entsprechend. Hier ist ein Umdenken gefragt und vermehrt Politiker, welche sich nicht von Ideologien, Lobbys, Machtkreise usw. vereinnahmen lassen.
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  • Kommentar von pedro neumann (al pedro)
    "Eine gesunde Gemeinschaft, die alle integriert und allen Perspektiven bietet, ist die beste Vorbeugung gegen Radikalisierung." Nicht in Betracht gezogen wird, dass Integration nur dann gelingt, wenn sie in verkraftbarem Mass geschieht. Die Zuwanderung in westliche Länder geschieht aber zu schnell und in zu hohem Mass. Die Probleme sind programmiert.
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