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Legende: Audio Gentrifizierung in Washington abspielen. Laufzeit 27:44 Minuten.
Aus International vom 16.03.2019.
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Kampf gegen Gentrifizierung Washington wechselt die Hautfarbe

Washington, D.C., wird immer reicher – und immer weisser. Jetzt wehren sich afroamerikanische Bürgerrechtsaktivisten. Eine Fotoreportage.

Das Phänomen der Gentrifizierung kennt man weltweit. Ob in Schanghai oder in Zürich. Oder in Washington, D.C.

Die Hauptstadt der USA geht durch einen rapiden Wandel. Ganze Quartiere werden abgebrochen und neu aufgebaut.

Noch 2015 war die Mehrheit afroamerikanisch in der «Chocolate City». Nun wehren sich Bürgerrechtsaktivisten gegen die Verdrängung.

Das ehemalige afroamerikanische Viertel «Shaw» ist heute gentrifiziert. Eine 3-Zimmer-Wohnung im Gebäude der «Atlantic Plumbing» ist derzeit für 3900 Dollar pro Monat ausgeschrieben.

Das Gebäude der «Atlantic Plumbing» .
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Das sind übliche Preise in Washington. Das mittlere Einkommen beläuft sich auf 73'000 Dollar – es ist das höchste in den USA. Afroamerikaner verdienen in DC unter 40'000 Dollar.

Die Knelle «Fish of Chesapeake»
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Immer weniger sind sie anzutreffen im ehemaligen Hotspot der Bürgerrechtsbewegung. Gleich um die Ecke der baufälligen Knelle «Fish of Chesapeake» hielt einst Martin Luther King eine Brandrede gegen die Verslummung der US-Innenstädte. Heute ziehen jährlich tausende Hipster in die Hauptstadt.

Achsenbruch auf der 9th Street, Northwest.
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Hier geschah gerade ein kleiner Zügel-Unfall – Achsenbruch auf der 9th Street, Northwest. «Wir lieben die Diversität dieses Quartiers», sagen junge Passanten, «und die vielen Partylokale».

Wer früh eine gute Nase hatte, konnte mit Liegenschaften viel Geld verdienen.

Gail Montclair.
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Gail Montplaisir war eine dieser Pionierinnen. Sie begann in den 1980er-Jahren, einzelne Objekte um- oder neu zu bauen. «Damals nannte man uns Quartier-Verbesserer, heute Gentrifizierer». Für sie sei nach wie vor die nachhaltige Aufwertung eines Quartiers das Ziel, sagt Montplaisir.

Doch heute ist es das globale Grosskapital, das den Liegenschaftsmarkt in DC anheizt. Und dieses Grosskapital hat es nun auf den letzten unentwickelten Stadtteil abgesehen: Anacostia.

Afroamerikanische Aktivisten in Anacostia am Martin-Luther-King-Day.
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Am Martin- Luther-King-Tag marschieren afroamerikanische Aktivisten durch die Hauptstrasse von Anacostia. Gleich nebenan stehen die «Barry Farms». Hier wurden nach dem US-Bürgerkrieg einst befreite Sklaven angesiedelt, in den 1940er-Jahren baute die Stadt auf dem Gelände Sozialwohnungen mit viel Umschwung.

Aristotle Theresa im Gebiet der «Barry Farms»
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

2015 beschloss die Stadt, die vernachlässigten «Barry Farms» zur Überbauung freizugeben.

Der Bürgerrechtsanwalt Aristotle Theresa steht zwischen abbruchbereiten Häusern – die Bäume sind schon gefällt. Rund 450 Familien mussten umziehen, sie hatten zum Teil seit Generationen dort gelebt. Von Theresa ist eine Sammelklage gegen die Stadtbehörden von DC vor dem Bundesgericht hängig – er klagte wegen Diskriminierung und Rechtsmissachtung.

Plakat an einem Bauzaun.
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Hier die Vision der Bauunternehmer: Eine gemischt genutzte, verdichtete Überbauung mit 1400 Wohn- und Geschäftseinheiten. «Die meisten neuen Bewohner werden weiss sein», sagt Anwalt Theresa. Auch wenn laut der Sozialbehörde 350 Familien in subventionierte Wohnungen zurückziehen sollen.

Sprayerei: We not moving.
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

«We not moving» – die Sprayereien auf den Ruinen der «Barry Farms» erzählen eine Geschichte des vergeblichen Widerstands. Aber der Kampf geht weiter.

Paulette Matthews
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Paulette Matthews ist eine der Bewohnerinnen, die umziehen mussten und eine der Sammelklägerinnen. Sie lebt nun im gentrifizierten «Shaw» in einer Sozialwohnung. «Die jungen weissen Hinzuzüger sehen mich an, als ob ich nicht hierher gehöre», sagt sie. Und lacht. Sie ist im «Shaw» aufgewachsen.

Ein Hearing im Stadtparlament.
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Die neue Bürgerbewegung gegen die Gentrifizierung kämpft mit allen legalen Mitteln. An diesem Hearing der Aufsichtskommission des Stadtparlaments sprechen Dutzende von Betroffenen vor. Gegen Bauprojekte gehen sie mit Einsprachen vor. Auch die junge Generation ist mobilisiert.

Eine Aktivistin von C.A.R.E
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Die Aktivistengruppe C.A.R.E trifft sich des Abends, um Protestaktionen zu planen. Es fallen Sätze wie: «Wir sind unter Attacke» oder: «Wir überlebten die Crack-Epidemie, und nun, da es Aufschwung gibt, sollen wir gehen».

Die Wut ist nachvollziehbar: In Anacostia hat die Stadt lange nicht investiert. Die Schulen schneiden am schlechtesten ab, es gibt einen Lebensmittelladen für 80'000 Bewohner.

Graffito in Washington
Legende: SRF/Isabelle Jacobi

Ob die neue Bürgerbewegung die Gentrifizierung aufhalten kann? Den Kampf gegen das Grosskapital und eine wachstumsorientierte Stadtplanung gewinnen? «Auch Martin Luther King brachte Dinge in Bewegung», sagt ein Aktivist. An Entschlossenheit fehlt es nicht.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Die weissen Einwanderer haben die Indianer verdrängt. Die Schwarzen verdrängten die Weissen Einwanderer. Nun wird gejammert, wenn Weisse wieder die Schwarzen verdrängen. Aber aufgepasst: Es geht nicht um Rasse. Hier verdrängen die Reichen die Armen und das hat wenig mit Hautfarbe zu tun.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Jedes noch so scheinbare 'abgehobene' Kapital, will sich irgendwann realisieren. Das heisst in dieser unseren Welt, materialisieren. Was liegt da näher als der Immobilienmarkt. Mindestns 60% vom weltweiten ex Nihilo generierte Finanzkapitals sucht ein zuhause. Land, muss zwingend den Gemeinden gehören und darf nur noch im Nutzngsrecht vergeben werden. Besitz zu Ausbeutungszwecken und Profitgenerierung geht nun wirklich abgeschafft. Wo auch immer.
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Traeume...?! Die Natur wirds richten.. oder der Klimawandel...
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