Kampf gegen Kindersterblichkeit in Niger zeigt erste Erfolge

Über eine Million Kinder in Niger sind zu dünn. Jedes Fünfte stirbt, bevor es fünf Jahre alt ist. Ein Grund ist die schlechte Stellung der Frauen. Viele werden früh verheiratet, wissen kaum wie ein Kind zu versorgen ist. Jetzt will Niger die Probleme angehen – und dabei mit Traditionen brechen.

Beine eines unterernährten Kleinkindes Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Niger geht im Kampf gegen Hunger und Kindersterblichkeit neue Wege. Keystone

Hunger und Kindersterblichkeit sind im Wüstenstaat Niger ganz besonders verbreitet. Eine Ursache dafür ist die schlechte Stellung der Frauen, die ungebildet sind und früh verheiratet werden. 85 Prozent der Frauen in Niger sind Analphabetinnen.

Jungen Müttern fehlt Wissen

Die Kinder von jungen Müttern hätten es besonders schwer, sagt Ärztin Aissa Soumana, die für das Kinderhilfswerk Unicef tätig ist. Eine Jugendliche brauche selber noch die Nährstoffe, die der Fötus nötig hätte. Sie werde Probleme bei der Geburt haben, ihr Kind werde untergewichtig sein und sie werde nicht wissen, wie sie ihr Kind stillen oder mit ihm umgehen solle.

So ist es auch bei Fassouna, einem zarten Mädchen im geschätzten Alter zwischen elf und zwölf Jahren. Ihr Säugling, drei Monate alt, ist im Spital von Kantche dem Tod näher als dem Leben. Sie hat zu wenig Milch und musste dem Kind Wasser mit verdünntem Brei einflössen. In einem Land wie Niger, das kaum sauberes Trinkwasser hat, ist das für Säuglinge ein Todesurteil.

Mütter wie Fassouna, die früh verheiratet und sexuell verstümmelt werden und die nicht zur Schule gehen dürfen, gibt es in Niger viele. Eine gefährliche Tradition, die jetzt aber in einigen Dörfern durchbrochen wurde.

Pilotprojekt mit 60 Jugendlichen

30 Mädchen und 30 Jungen haben sich vor zwei Jahren für ein Pilotprojekt des UNO-Kinderhilfswerks gemeldet, das Beschneidung verbietet, den Schulbesuch für alle vorschreibt und Hochzeiten erst ab 18 Jahren erlaubt.

Nigers Kampf gegen Hunger und Kindersterblichkeit

3:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.09.2015

Es sei schwierig gewesen, die ganze 400-köpfige Gemeinde für diesen Bruch der Tradition zu erwärmen, sagt Daniel Suari Jombo, Lehrer und Leiter des Projektes. Er habe ihnen lange erklären müssen, dass diese Veränderungen wichtig seien für die Gesundheit der Mädchen, und davon würden letztlich alle profitieren.

Positives Echo

Das Resultat ist schon nach zwei Jahren sehr positiv: Die Zahl der Mädchen, die zur Schule gehen, hat sich von 32 auf über 60 Prozent verdoppelt, Kinderheiraten gibt es keine mehr, und Mädchen sind froh, nicht mehr sexuell verstümmelt zu werden.

Inzwischen haben andere Dörfer das Projekt übernommen: 19'000 Mädchen haben bereits davon profitiert. Zudem haben auch andere Regionen im westafrikanischen Niger und das Nachbarland Burkina Faso Interesse an der Teilnahme angemeldet.