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Legende: Video Mülltrennung in Schanghai abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2019.
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Kampf gegen Müllberge Schanghai belohnt Abfallpioniere mit Süssigkeiten

Chinas Städte haben ein Müllproblem. Schanghai setzt deshalb neu auf Abfalltrennung und Recycling.

Gefahrenstoffe kommen in den roten, Küchenabfälle in den braunen Kübel. Alles, was wiederverwertbar ist in den blauen und der Rest in den schwarzen Kübel. Seit dem 1. Juli müssen in Schanghai alle Haushalte und Firmen ihren Abfall sortieren.

Alle zwei Wochen ein Abfallberg wie ein Hochhaus

Die 24-Millionen-Stadt muss handeln. In nur zwei Wochen fällt in Schanghai ein Abfallberg an, der gleich hoch ist, wie ein Gebäude mit 88 Stockwerken. Bislang haben China und Schanghai ihren Müll vor allem im Boden vergraben – und der wird langsam knapp.

Kontainer für Abfalltrennung
Legende: In den neuen Abfallstationen wir der Müll getrennt entsorgt. Die Farben sollen bei der Sortierung helfen. SRF / Claudia Stahel

«Hier in Schanghai reicht der Boden nur noch für zwei Jahre», sagt Zhao Guoqing. Er ist der Direktor des Nachbarschaftskomitees vom Stadtviertel Tianlin 12 und hat für die 6000 Einwohner die neuen Abfallvorschriften umgesetzt. Er setzt dabei auf eine smarte Abfallanlage.

Wer korrekt entsorgt, wird belohnt

Die Bewohner von Tianlin haben alle einen personalisierten Schlüssel erhalten. Nur damit lassen sich die Klappen der Abfallanlage öffnen. Guoqing: «Wäre es ein offener Abfallraum, wüssten wir nicht, wer den Abfall richtig sortiert.»

Beim Entsorgen der Essensresten werden die Bewohner sogar von einer Minikamera gefilmt. Wer korrekt sortiert, wird belohnt. Pro Tag gibt es maximal 20 Punkte. Die Bewohner können die Punkte nach zwei bis drei Monaten in Öl, Süssigkeiten oder Reis umtauschen.

Guoqing hofft, dass das seine Bewohner anspornt. Bei Frau Gu funktioniert das. Sie hat bereits eine Seife und ein Putzmittel für die Küche erhalten. Die Überwachung stört sie nicht: «Das Viertel ist viel sauberer als früher, das ist gut.»

Bussen und Sensibilisierung

Die einzelnen Stadtviertel in Schanghai gehen nicht alle den gleichen Weg. Es gibt Viertel die im Unterschied zu Tianlin keine smarte Abfallkübel und Kameras haben. Freiwillige Helfer machen Abfallsünder auf ihre Fehler aufmerksam.

Wiederholungstätern drohen in ganz Schanghai Bussen zwischen 50 und 200 Yuan (rund 5 bis 25 Franken). Firmen müssen mit Bussen von bis zu 50'000 Yuan (knapp 6900 Franken) rechnen.

Die Umweltexpertin Zhou Chun will noch weiter gehen. Sie berät Stadtviertel, wie sie ihren Abfall besser trennen können und versucht Schanghai den Kompost schmackhaft zu machen: «Die Leute haben einen unmittelbaren Nutzen. Sie können die Erde zum Gärtnern nutzen und lernen dabei auch wie Recycling funktioniert.»

Personen trennen Müll
Legende: Bei den neuen Abfallstationen in Schanghai herrscht viel Betrieb. Beim Einwerfen von Essensresten werden die Bewohner sogar von einer kleinen Kamera gefilmt. SRF

Das Problem Küchenabfälle

Wichtig sei, dass vor allem die Küchenabfälle aussortiert würden, sagt Chun: «Die Küchenabfälle machen den Abfall nass. Das macht es schwieriger ihn nachträglich zu trennen.» Hinzu kommt, wenn der Abfall zu nass ist, ist verbrennen nicht mehr möglich.

Das ist auch der Grund, warum Zhao Guoqing vom Stadtviertel Tianlin 12 die Bewohner beim Einwerfen der Essensreste filmt. Das sei aber kein Problem: «Nur jene, welche die Regeln nicht befolgen, haben einen Nachteil.» Abfallsünder erhalten bei ihm zwar keine Busse, dafür einen Besuch vom Nachbarschaftskomitee und werden ermahnt.

Funktioniert die Abfalltrennung in Schanghai, wird das Konzept in weiteren Grossstädten Chinas eingeführt. In Tianlin scheint die Mischung aus Gesetz, Überwachung und Belohnung zu klappen. 95 Prozent der Bewohner sortieren ihren Abfall korrekt.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Das ist eine ganz gewaltige Leistung, was Shanghai hier vollbringt und in Sozialmedien sind zahlreiche Sketches darüber wie kompliziert die Trennung von “nass“ und “trocken“ im Detail sein kann, was zeigt dass dem Thema weit über Shanghai hinaus Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Müllproblem ist übrigens bei weitem nicht so dramatisch wie z.B. in Rom. Es sind halt mehr Menschen in Shanghai, aber sauber war es schon bisher. Nur als Hinweis für die die nie in China waren.
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  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    Ja, da ist der feine Unterschied. In China werden die Leute belohnt, wenn sie den Müll verantwortungsvoll entsorgen. Bei uns wird man bestraft: Kehrichtsackgebühr, Sackgebühr für PET-Flaschen. Sind wir da wirklich auf dem richtigen Weg, indem man korrektes Verhalten noch mit Gebühren bestraft? Und uns dann noch piesackt, dass die PET Recyclingquote nur 83% ist (der Rest geht dann grösstenteils in die Kehrichtverbrennungsanlage, wo Strom und Wärme daraus gemacht wird).
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    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Herr Frei! Das mit der Belohnung hat aber auch ein nicht zu vernachlässigbares Problem. Wie in der Tagesschau zu sehen war, müssen sich alle mit einer persönlichen Karte beim Kehrichtabgeben anmelden. Beim den Küchenabfällen wird man sogar gefilmt. Ich weiss nicht, ob Sie dies für die Schweiz möchten. Das mit dem strafen mit Gebühren ist etwas anderes. Wenn Sie nicht die Kehrichtsäcke bezahlen würden, müssten die Kosten mittels Steuern bezahlt werden.
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  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Es fehlt leider der zweite Teil des Berichts - was passiert mit dem Müll im Anschluss? Erst wenn diese Frage geklärt ist, kann man den ersten Teil werten.
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    1. Antwort von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
      Bekanntlich hat China eine gigantische Recyclingwirtschaft. Unmengen Abfälle wurden aus der ganzen ersten Welt importiert um die Rohstoffe daraus wieder zu gewinnen. Nun hat China genug eigenen Abfall und hat den Import von z.B. Plastik beendet. Es gibt in jedem Quartier Recycling Sammelpunkte, manche Pensionierte verdienen sich ein paar Cent extra indem sie Plastikflaschen dort abgeben. Mit der Mülltrennung wird das Recycling effizienter und effektiver.
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    2. Antwort von Andreas Wiedler  (infonews)
      @ Buchmann.. leider ist damit meine Frage nicht beantwortet. Es ist unmöglich sämtlichen Abfall wiederzuverwerten. Wenn es tatsächlich so gigantische Mengen sind wie sie schreiben, bleibt auf jeden Fall Dreck zurück. Wie auch immer, in diesem riesigen Land sind einheitliche und umweltschonende Prozesse ein Lippenbekenntnis. Ich zitiere da das Buch "Live aus China"von Babara Lüthi, langjährige SRF China Korrespondentin oder "Die Neuerfindung der Diktatur" von Kai Strittmacher.
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