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Nach dem Brexit: Flüchtlingsfrage ungelöst
Aus Rendez-vous vom 29.01.2020.
abspielen. Laufzeit 04:51 Minuten.
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Kampf gegen Windmühlen Brexit verschärft die Flüchtlingssituation

Grossbritannien verlässt die EU. Leidtragende seien vor allem auch die Flüchtlinge, so ein Europaparlamentarier.

Als würde er eine alte Musik-Kassette einschieben und Play drücken. Damien Carême erinnert sich ohne Zögern an seine erste Reise nach London. «Mit Freunden, Fähre ab Dünkirchen, dann Zug; in einem Tag hin und zurück.»

Niemand verlässt freiwillig seine Wurzeln, seine Heimat, um in ein fremdes Land abzuhauen.
Autor: Damien CarêmeGrüner Europarlamentarier

Ein Thema, das wegen des Brexits nun alles auf den Kopf stellt, ist die Flüchtlingsfrage. Carême war viele Jahre Bürgermeister von Grande-Synthe, gleich neben Dünkirchen. Hunderte Migranten, jeden Monat, Afghanen, Irakerinnen, Kurden, stranden dort, weil sie nach Grossbritannien gelangen wollen.

«Kein Interesse, so weiter zu machen»

In den letzten Monaten hat sich deren ohnehin prekäre Situation verschlimmert. Verzweiflung mache sich breit, so Carême. «800 Personen wurden allein in den letzten sechs Monaten im Ärmelkanal aus Gummibooten gerettet.» Die Küstenwachen von Frankreich und Belgien kämpfen gegen Windmühlen, aus Solidarität, noch.

Weil das Vereinigte Königreich Mitglied der EU war, fanden die Ausreisekontrollen auf dem Festland statt. Carême, heute Grüner Parlamentarier im Europaparlament, sitzt immer noch im Gemeinderat von Grande-Synthe. Wie es nach dem Brexit weiter geht, wisse niemand. «Wir haben kein Interesse, so weiterzumachen. Nach dem Brexit sollen die Briten die Einreise auf ihrer Insel kontrollieren.»

Auffanglager finanziert

Aus den Augen, aus dem Sinn. Das ist nicht die Art von Carême. Eher umgekehrt. Er hat als Bürgermeister einen administrativen Kleinkrieg mit den französische Asylbehörden geführt.

Er hat ein Auffanglager finanziert, den Migranten garantiert, dass sie dort nicht kontrolliert und zurückgeschafft werden. Er hat aus ganz Europa Freiwillige zusammengetrommelt, die ihn unterstützten.

Mann im Europaparlament.
Legende: Carême kämpft für bessere Bedingungen der Flüchtlinge. Europaparlament

Das hat ihm viel Ärger mit der französischen Regierung beschert, aber auch viel Anerkennung von Bürgern: Dass er versuchte, eine würdige Unterkunft für Migranten zu organisieren, während andere sich hinter juristischen und administrativen Argumenten verstecken, um nichts zu tun. «Ich denke einfach an diese Menschen. Wir müssen eine Lösung finden für jene, die um jeden Preis nach Grossbritannien gelangen wollen.»

«Brexit bringt nur Ungewissheit»

Seit Jahren ist allerdings keine Lösung in Sicht. Das weiss auch Carême. Nachvollziehen kann er das nicht. «Niemand verlässt freiwillig seine Wurzeln, seine Heimat, um in ein fremdes Land abzuhauen.»

Der Brexit eröffne keine Lösungen. Sicher nicht in der Flüchtlingsfrage. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite des Ärmelkanals. «Der Brexit bringt nur Ungewissheit für Bürger, Politiker, die öffentliche Hand.»

Rendez-Vous, 29.1.2020, 12:30 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    "Niemand verlässt freiwillig seine Wurzeln, seine Heimat, um in ein fremdes Land abzuhauen." So ein dummer Spruch, jedes Jahr verlassen SchweizerInnen das Land, es gibt sogar eine SRF-Sendung darüber: "Auf und Davon" und 2019 sind EU- und EFTA-Staaten 97'556 Personen eingewandert.
    Herr Damien Carême soll sich mal über die Machenschaften der EU / Brüssel informieren: "Die Flüchtlings-Macher". Die EU mit ihren Exportsubventionen ist massgeblich Mitverantwortlich für Preisdumping in Afrika.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Mia auf Erden wünschen sich ein besseres Leben, u.wohl die meisten verlassen ihre Heimat freiwillig, ausser Flüchtlingen, aber das sind die wenigsten. Auch wir haben damals die CH freiwillig u.ganz legal nach AUS verlassen, ein Land, das unbedingte Anpassung in jeder Hinsicht forderte, wo wir vorab minutiös über Sprachkenntnisse, Leumund, Beruf/Jobnachweis, Konti usf durchleuchtet wurden. Hier aber wird jeder erst einmal bedingungslos ins Asylwesen aufgenommen und verlässt idR Europa nie wieder.
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Der Austritt Grossbritanniens schwächt den EU-Zentralismus und stärkt das Eigengewicht der Mitgliedstaaten. Vielfalt vor Einfalt. Das ist gut für die Schweiz, die wie Grossbritannien auf Augenhöhe mit der EU zusammenarbeiten will, aber eben ohne Bevormundung und Diktate aus Brüssel.
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