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Kandidaten gegen Trump In der demokratischen Partei tobt der Klassenkampf

Die US-Demokraten sind unter Druck. Sie müssen eine neue Botschaft finden, um die Midterm-Wahlen zu gewinnen.

Legende: Audio In der demokratischen Partei tobt der Klassenkampf abspielen. Laufzeit 06:31 Minuten.
06:31 min, aus Echo der Zeit vom 11.09.2018.

Der Triumph der jungen Latina aus der Bronx war perfekt. Alexandria Ocasio-Cortez hatte einen gestandenen Parlamentarier aus dem Rennen geworfen, gegen den Parteiwillen. Die Geschichte wiederholte sich letzte Woche in Boston. Diesmal siegte die schwarze Lokalpolitikerin Ayanna Pressley. «Der Wandel kann nicht warten», heisst ihr Slogan.

Ayanna Pressley
Legende: Sprengkandidatin Ayanna Pressley gewann für die Demokraten in Boston. Reuters

Das Establishment gegen junge Sprengkandidaten

In der demokratischen Partei tobe der Klassenkampf. Es sei derselbe Kampf, den Hillary Clinton und Bernie Sanders vor drei Jahren austrugen. «Diesmal sind es aber junge Sprengkandidaten, oftmals Frauen und Vertreterinnen von Minderheiten, die gegen das Partei-Establishment gewinnen», sagt Mike Lux, ein progressiver Polit-Stratege in Washington. Er sieht darin ein Symptom eines fundamentalen Wandels innerhalb der demokratischen Partei.

Diesen Wandel hält Lux für dringend nötig. Er vertrat in der Clinton Regierung den linken Flügel der Partei und war Teil der Übergangsregierung von Barack Obama. Und er sagt: «Wir waren dumm».

In ein altes Muster zurückgefallen

«2009/2010 hatten wir alles in den Händen, das Weisse Haus, den Kongress, und wir haben es vermasselt.» Kaum sei Obama gewählt worden, sei man in alte Muster zurückgefallen, man habe für die Eliten und von Oben herab politisiert. Die regionalen Aktivisten und die Basis, die Obama zum Sieg verholfen hätten, fühlten sich plötzlich von der nationalen Partei abgehängt und entfremdet, sagt Lux.

Und das habe sich 2016 gerächt, Donald Trump sei in die Lücke gesprungen und habe das Vertrauen dieser Wähler gewonnen. Nun müsse die Partei, wenn sie die Wahlen gewinnen wolle, eine packende Botschaft finden. Es müsse eine Botschaft sein, die die demokratische Basis, aber auch die Arbeiterschaft erreiche, Wähler aller Hautfarben, jeden Alters und jeder Gegend. Sie müsse einfach alle ansprechen, die seit einer Generation übers Ohr gehauen würden.

Würde linker Populismus helfen?

Die Ungleichheit in den USA sei ein Thema, das 99 Prozent der Menschen betreffe, Studenten, alleinerziehende Frauen, Schwarze, Latinos und weisse Arbeiter, sagt Lux. «Die Demokraten müssen populistisch werden.» Ihm schwebt ein linker Populismus vor, der auf die Bedürfnisse der Leute ausgerichtet ist, der das Grosskapital attackiert und für die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen kämpft.

Doch Populismus ist für die gemässigten Demokraten ein Reizwort. Lanae Erickson arbeitet für die Mitte-Links Denkfabrik Third Way in Washington. «Die Demokraten gewinnen die Wahlen nicht, indem sie Wut schüren, denn darin sind die Republikaner gut.» Die Demokraten bauten üblicherweise auf Optimismus und auf Zukunftsvisionen, sagt Erickson.

Die Bedeutung der Siege der Progressiven in den Vorwahlen relativiert sie stark, denn sie gewannen in stark demokratischen Bezirken. «Das sind nicht die Sitze, die wir von den Republikanern holen müssen. Man kann nicht mit einer linken Politik in konservativ geprägten Bezirken gewinnen.»

Kandidaten als Anti-Trumps

Ihrer Meinung nach könnten die Demokraten die Mehrheit im Kongress zurückgewinnen, wenn sie gegen Trump kandidieren. «Vor allem in Bezirken, wo die Beliebtheitszahlen für Trump tief sind, kandidieren sie als Gegengewicht zu Trump», sagt Erickson.

Die Denkfabrik Third Way hat eine gross angelegte Studie verfasst, welche Themen bei den Wählern und Wählerinnen im Moment besonders ankommen. Die Kampfslogans «gefährdete Obamacare» und «Steuergeschenke für die Reichen» stehen ganz oben auf der Liste.

Doch es ist auch möglich, dass der Anti-Trump-Effekt nicht ausreicht und dass die Botschaft der Demokraten zu diffus ist. «Es ist die wichtigste Wahl, die ich je erlebt habe, und wenn wir sie nicht gewinnen, dann wird es heftige Diskussionen über die Zukunft der Partei geben», sagt Lanae Erickson.

Angst vor einem «dunklen Ort»

Für den Polit-Berater Lux ist die Zeit für Diskussionen hingegen längst vorüber. Er sagt: «Die Partei muss sich jetzt sofort ändern und eine neue Mission finden.»

Wenn die demokratische Partei so weitermache wie bisher, werde sie scheitern, und damit werde die USA scheitern. «Die USA könnten zu einem sehr dunklen Ort werden, wenn der Trumpismus weiterhin Erfolge feiert und Trump 2020 wiedergewählt wird», sagt der Linke Lux, «dann könnte es trostlos werden in diesem Land».

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Hoffentlich nimmt die Verjüngung in der Politik zu. Dazu müssen die Jungen aber auch in die Gänge kommen. Es darf nicht sein, das Greise auf ihren Sesseln kleben und den jüngeren veraltete Politik aufzwingt. In der Hauptsache geht es um die Zukunft der jüngeren Generationen. Die alten sollen ihren Ruhestand geniessen.Beratung, wenn gefragt ja aber mehr nicht.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Die jüngeren haben kaum Geld, Ob sie gegen die Oligarchen eine Chance haben?
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    2. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Crowdfunding nennt sich das heute. Überzeugt man mit einem schlüssigen Konzept, lässt sich so sehr viel Geld zusammenbringen. Es gibt auch viele Reiche, die an einer besseren Zukunft interessiert sind und sich sozial engagieren. Reiche Pfeffersäcke wie Trump, haben allerdings kein Interesse sich sozial zu engagieren, die nutzen lieber jede Gelegenheit um mit Ihrem Reichtum zu prahlen!
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  • Kommentar von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
    Erfahrungsgemäss werden Wahlen in der Mitte gewonnen. In der Mitte ist die Mehrheit von weissen Arbeitnehmern, die weder ein Transenwc noch irgendwelche Minderheitenrechte brauchen, sondern eine Antwort auf die pragmatische Frage, was tut die Politik für mich! Wenn die demokratische Partei den Steelern aus Pittsburg erklären kann, was sie für ihre Zukunft tut, werden diese auch wieder demokratisch Wählen.
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Problem ist die Stahlarbeiter sind eine Minderheit, daran ändert auch ein Supertrump nichts."Hatten die Thomson-Werke im Jahr 2000 noch 2.600 Beschäftigte, so sind es mittlerweile nur noch sechshundert."
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    2. Antwort von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
      @KIrchhoff Irrtum, der weisse Mittelstand ist keine Minderheit, sondern eben die Majority in den USA! Eine Partei, die nur noch eine Politik für die Minderheiten macht, wird die Wahlen verlieren. Die Demokraten haben in den für sie entscheidend wichtigen Kernsegmenten der US Wählerschaft die Glaubwürdigkeit verloren, weil sie auf die Frage, was sind unsere Perspektiven in dieser Zukunft, keine Antwort hatten und gemäss obigen Bericht noch immer nicht haben!
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    3. Antwort von B. Moser (moser.b)
      Sagen wir mal ich wäre einer der 600 Verbliebenen; dann würde ich Trump wählen weil er etwas gegen den chinesischen Billigstahl tut. Und wenn ich einer der 2000 Entlassenen wäre, die sich evtl. für einen neuen Job umziehen mussten; dann würde ich ihn auch wählen, weil Obama nichts getan hat. Und weil jeder im Schnitt noch Frau und Kind hat sind dies 7800 Stimmen für Trump.
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  • Kommentar von B. Moser (moser.b)
    Ich glaube nicht, dass die Demokraten im November den Umschwung im Kongress schaffen. Gründe sind; der Wirtschaft geht es (noch) gut und die unmöglichen Differenzen innerhalb der Demokraten.
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