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Rom: Karfreitag unter Corona-Vorzeichen (unkomm.)
Aus News-Clip vom 11.04.2020.
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Karfreitag-Feier im Vatikan «Pandemie befreit vom Allmachtswahn»

  • Am Karfreitag verliefen die Feierlichkeiten in Rom anders als alle Jahre zuvor.
  • Auch der Vatikan und Papst Franziskus müssen der Corona-Krise Tribut zollen.

Meditationstexte von Häftlingen

Bei der meist emotional bewegenden Kreuzweg-Prozession, die sonst von Tausenden Pilgern begleitet wird, waren diesmal nur das katholische Kirchenoberhaupt und wenige andere Menschen dabei. Die Zeremonie war vom antiken Kolosseum in den abgesperrten Vatikan verlegt worden. Auf den Petersplatz vor dem riesigen Dom wirkten der Papst und die wenigen anderen Beteiligten der abendlichen Prozession fast verloren.

Bei der Feier werden traditionell das Leiden Jesus', sein Weg in den Tod am Kreuz und ins Grab in 14 Stationen nachstellt. Die Meditationstexte, die verlesen wurden, stammten diesmal unter anderem von Häftlingen des Gefängnisses «Due Palazzi» aus dem norditalienischen Padua.

Berichte über schwierige Phasen des Lebens

Auch Eltern, deren Tochter ermordet wurde, die Mutter eines Straftäters und Justizmitarbeiter hatten die Ansprachen in der Ich-Form verfasst. Die Menschen berichteten von schwierigen Phasen ihres Lebens. «Mir war nicht bewusst, dass das Böse in mir langsam immer mehr anwuchs», hiess es zum Beispiel von einem Straftäter an der dritten Station.

Später hiess es von der Tochter eines Häftlings, die ihren Vater vermisst: «Ich habe Italien von Süden nach Norden durchquert, um in seiner Nähe zu sein: Ich kenne die Städte nicht wegen ihrer Sehenswürdigkeiten, sondern wegen der Gefängnisse, die ich besucht habe.»

Weit entfernter Papst

Zwölf Menschen gingen mit vier Fackeln und einem Kreuz über den dunklen Petersplatz, auf dem der ägyptische Obelisk in den dunklen Himmel ragte. Auch in der Gruppe befanden sich Menschen, die im Strafvollzug tätig sind, wie es hiess. Der Platz wurde von Kerzen am Boden beleuchtet.

Der 83 Jahre alte Franziskus sass und stand - ganz in weiss gekleidet - leicht erhöht an den Stufen zum Dom und sprach kurze Gebete. Meist blieb er weit entfernt von den meisten anderen. Doch kurz vor Schluss kam ein Mann zu ihm hoch und übergab ihm das dunkle Kreuz.

Seit Wochen abgesperrt

Das Gotteshaus und der Platz sind seit Wochen wegen der Corona-Krise abgesperrt. Alle Karfreitags- und Osterfestlichkeiten mussten ohne Gläubige stattfinden.

In anderen Jahren kommen die Pilger in Massen zu Ostern nach Rom. Es ist das wichtigste Fest gläubiger Christen. Auch in dieser Nacht hatte der Papst ein historisches Pestkreuz aufstellen lassen.

Predigt: Corona-Krise befreit vom «Allmachtswahn»

Bereits am frühen Abend hatte Papst Franziskus im Petersdom mit den Zeremonien zum Karfreitag begonnen. Er feierte in der riesigen Kirche, die Zehntausende Besucher fasst, mit wenigen Würdenträgern und Gästen die sogenannte Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu Christi.

Die Predigt hielt der Kapuzinermönch und Prediger des päpstlichen Hauses, Raniero Cantalamessa. Dieser sagte, die Corona-Welle habe viele auf der Welt von einem «Allmachtswahn» befreit. Sie habe den Menschen auch mehr Solidarität gebracht. In Gebeten wurde der Opfer der Pandemie gedacht.

Im Wortlaut: Predigt von Raniero Cantalamessa

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Die Predigt bei der Karfreitagsliturgie hielt der Kapuzinermönch und Prediger des päpstlichen Hauses, Raniero Cantalamessa. Den Originaltext finden Sie hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Im Internet übertragen

Der Gottesdienst und die Prozession wurden von der katholischen Medienplattform «Vaticannews» im Internet übertragen. Ab Samstag beginnen im Vatikan die Osterfeierlichkeiten zu Jesus' Auferstehung. Tags drauf steht der traditionelle Segen «Urbi et Orbi» (12.00 Uhr) an.

Italien ist mit bald 19'000 Corona-Toten besonders heftig von der Pandemie getroffen. Überall im Land gelten noch bis 3. Mai strenge Ausgangsbeschränkungen.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Henri Jendly  (Henri Jendly)
    Viele Kommentare hier sind schlicht respektlos und entsprechen der typisch schweizerischen Wohlstandsdekadenz. Es gibt sehr viele Menschen auf Erden, die haben noch nicht mal das Nötigste. Das Einzige was ihnen häufig bleibt ist der Glaube an Gott. Die Kirche(n) tun alles, um wenigstens im seelsorgerischen Bereich ihre Aufgabe zu erfüllen. Das gibt diesen Menschen zumindest etwas Hoffnung, wenn schon die verantwortlichen Regierungen versagen. Man dürfte doch etwas mehr Demut erwarten!
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    1. Antwort von Alex Kramer  (Kaspar)
      "Das Einzige was ihnen häufig bleibt ist der Glaube an Gott."
      Wie wurde der Petersdom erbaut? Mit Geldern aus dem Ablass, im Glauben an Gott. Geraubt von den Bildungsfernen, denn Bildung war damals Sache der Kirche. Die damaligen und heute gelebten Allmachtsfantasien, gepaart mit der Unantastbarkeit bei fleischlichen und anderen Sünden, sowie der Unwille des Papstes, die weltliche Gerichtsbarkeit anzuerkennen, lässt doch tief blicken bez. der Dekadenz u. fehlenden Demut, die Sie anprangern.
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Das Ganze liest sich wie eine gewöhnliche Theaterkritik. Und das ist nicht die Schuld des Autors. Der Vatikan nimmt die Corona-Katastrophe zum Anlass für hohle Choreographie und banale Effekt-Hascherei - als ginge es darum, den Papst als Star zu inszenieren - und als trüge ihr Gott, der doch stets als allmächtig zitiert wird, hier keine Verantwortung. So werden die Rituale zur Show „ein tönend Erz„ , so wie es im 1. Brief an die Korinther heisst.
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  • Kommentar von Walter Schmid  (W. Schmid)
    Sind wir doch froh, die Christen erhalten dann an Ostern wieder kostenlos seinen Segen.
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