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International Kein Weiterkommen am Budapester Ostbahnhof

Noch immer verharren tausende Migranten vor dem Bahnhof Budapest Keleti. Die Polizei verweigert ihnen den Zugang in das Gebäude. Die hygienischen Zustände verschlechtern sich stündlich. Österreich weigert sich derweil, weitere Sonderzüge einzusetzen.

Legende: Video Flüchtlingsprotest in Budapest abspielen. Laufzeit 01:12 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.09.2015.

Unter schwierigsten Bedingungen haben Tausende Flüchtlinge die Nacht zum Mittwoch in der Umgebung des Budapester Ostbahnhofs verbracht. Hunderte Flüchtlinge protestierten am Morgen vor dem Gebäude, dass man ihnen die Weiterreise nach Österreich und Deutschland gewähre. Rund 2000 Migranten skandierten Rufe wie «Freiheit, Freiheit!».

Die Glückskette ruft zu Spenden für die Flüchtlinge auf., Link öffnet in einem neuen FensterDiese können auf das Konto 10-15000-6 (Vermerk «Flüchtlinge»), auf www.glueckskette.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster oder via App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

Unter den Wartenden waren und sind zahlreiche Familien mit Kindern. Sie dürfen das von der Polizei bewachte Bahnhofsgebäude nicht betreten, obwohl viele Zugbilletts Richtung Deutschland haben.

Zeltlager neben dem Ostbahnhof

Die hygienischen Zustände sind äusserst kritisch: Für die vielen Menschen gibt es nur vier mobile Toiletten. Hilfe leistet nur der Verein «Migration Aid», der Essen und Kleider aus Spenden verteilt und die Menschen notdürftig medizinisch versorgt.

Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll neben dem Budapester Ostbahnhof ein Zeltlager errichtet werden, das vorübergehend 800 bis 1000 Flüchtlinge aufnehmen kann. Das beschloss das Stadtparlament und bewilligte dafür umgerechnet circa eine Million Euro. «Dies ist zwar nicht unsere Aufgabe, aber wir tun es aus Gewissensgründen, wir müssen die Situation zu unserem eigenen Schutz bewältigen», sagte Oberbürgermeister Istvan Tarlos, ein Parteifreund des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Keine Sonderzüge nach Österreich

Österreich hat derweil beschlossen, zunächst keine Sonderzüge für weitere Flüchtlinge aus Ungarn einzusetzen. «Wir haben ganz normal unser Zugangebot», sagte Verkehrsminister Alois Stöger am Rande einer Konferenz in Wien. Er ist in seiner Funktion auch für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zuständig.

Ob und wie viele Asyl-Suchende die Züge in Budapest bestiegen, hänge von den dortigen Behörden ab, sagte Stöger. «Die Koordination an den Bahnhöfen läuft. Die ungarischen Behörden gehen in Budapest in ihrem Aufgabenbereich vor.»

Kaum Neuankömlinge in Bayern

Aufgrund der strikten Polizeikontrollen am Budapester Ostbahnhof sind heute Mittwoch kaum noch Flüchtlinge aus Ungarn und Österreich in Bayern angekommen. Die Bundespolizei am Münchner Hauptbahnhof spricht von lediglich 50 Flüchtlingen; in Rosenheim waren es am Vormittag 60 bis 70. Man rechne damit, dass es den ganzen Tag über ruhig bleibe, sagte ein Sprecher.

Berlin erwartet in den nächsten Tagen dagegen mehrere Hundert Menschen aus der ungarischen Hauptstadt.

Verstärkte Kontrollen am Brenner

Die italienische Polizei hat die Grenzkontrollen am Brennerpass verschärft. Sie erhöhte die Zahl der Polizisten bei Kontrollen auf internationalen Zügen. Auch in den Bahnhöfen von Bozen, Brixen und am Brenner sowie am italienisch-österreichischen Grenzübergang macht die Polizei vermehrte Kontrollen, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Die bayerische Staatsregierung hat zudem Südtirol um die zeitweise Aufnahme von Flüchtlingen gebeten.

Am Dienstag waren allein in München 2400 Flüchtlinge angekommen, nachdem die Polizei in Budapest die Migranten zuvor ungehindert in Züge in Richtung Westen hatte steigen lassen.

100'000 Flüchtlinge im August

Im August sind insgesamt 104'460 Asylsuchende in Deutschland eingetroffen. Dies sagte ein bayrischer Regierungssprecher. Seit Jahresbeginn bis Ende August seien 413.535 Flüchtlinge und Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Etwa jeder Dritte sei in Bayern erstmals registriert worden.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Amsler (sam)
    Ich weiss nicht wie flüchten geht. Ich war noch nie in dieser Situation. Ich wüsste auch nicht was es bräuchte um zu flüchten. Menschen flüchten, das zeigt uns die Weltgeschichte immer wegen gleichen Dingen. Schweizer sind geflohen. Europäer auch, man hat es zwar freundlich "auswandern" genannt. Das Menschen in aussergewöhnlichen Situationen auch aussergewöhnliche Unterstützung brauchen, hat weniger mit Politik und Religion zu tun, als vielmehr mit Menschlichkeit ...
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  • Kommentar von Verena Eberhard (Verena Eberhard)
    Die EU Länder müssen sich auf eine gemeinsame Sozialhilfe Poltik einigen samt der Schweiz, welche ja immer alles macht was die EU will. Das wäre eine Lösung für ein wirklich gerechtes Flüchtlingshilfeprogramm.
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    1. Antwort von Sabine Brun (S. Brun)
      Die Schweiz macht immer, was die EU will? Wie kommen sie denn darauf? Die Schweiz muss sich höchstens an abgeschlossene Verträge halten, welche sie vorher selbst ausgehandelt hat.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    Ist oft schon ein krasses Nebeneinander, wenn man das SRF-Portal öffnet. http://www.srf.ch/sport/mehr-sport/leichtathletik/spektakel-am-zuercher-hauptbahnhof
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