Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat sich am Dienstagabend erstmals öffentlich zu mehreren Deepfake-Bildern geäussert, die derzeit von ihr im Internet kursieren.
Die mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugten Bilder zeigen Meloni in sexualisierten Darstellungen. Auf einem der Bilder sitzt sie in Dessous auf einem Bett. Dies veröffentlichte Meloni selbst online, um auf das Problem von Deepfakes aufmerksam zu machen und zu kritisieren. Dazu schreibt sie: «Zurzeit kursieren mehrere gefälschte Fotos von mir, die mit künstlicher Intelligenz erstellt und von einem übereifrigen Gegner als echt verbreitet werden.»
Ironisch ergänzt sie: «Ich muss zugeben, dass mich derjenige, der die Bilder erstellt hat, zumindest im vorliegenden Fall deutlich verschönert hat.» Doch die Tatsache bleibe bestehen, «dass heute alles genutzt wird, um anzugreifen und Unwahrheiten zu verbreiten».
Gleichzeitig warnte Meloni vor den Gefahren. «Das Ganze geht über meine Person hinaus. Deepfakes sind ein gefährliches Werkzeug, weil sie täuschen, manipulieren und jeden treffen können. Ich kann mich verteidigen. Viele andere können das nicht», schreibt sie.
«Deshalb sollte immer eine Regel gelten: überprüfen, bevor man glaubt, und nachdenken, bevor man etwas teilt. Denn heute trifft es mich, morgen kann es jede andere Person treffen.»
Den Namen und das Profilbild der Person, die die Bilder verbreitet haben soll, verpixelte Meloni in ihrem Beitrag.
Frauen stärker von sexualisierten Deepfakes betroffen
Giorgia Meloni ist nicht die erste europäische Politikerin, die Ziel von KI-generierten Deepfakes wurde. Besonders Frauen in der Öffentlichkeit und in Führungspositionen sind betroffen. Während KI-generierte politische Inhalte weltweit stark zunehmen, richten sich anzügliche oder sexualisierte Fälschungen fast ausschliesslich gegen Frauen. Männer in vergleichbaren Positionen sind deutlich seltener betroffen.
Darauf weist auch ein Bericht von «UN Women» hin, der Anfang Mai veröffentlicht wurde. Demnach sind Frauen im öffentlichen Leben zunehmend digitaler Gewalt ausgesetzt – verstärkt durch den rasanten Fortschritt künstlicher Intelligenz.
Regierungen ringen um Regulierung von KI
Kalliopi Mingerou, Leiterin Abteilung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen der «UN Women», sagte: «KI macht Missbrauch einfacher und schädlicher. Das beschleunigt den Abbau hart erkämpfter Rechte – in einem Umfeld, das von demokratischem Rückschritt und vernetzter Misogynie geprägt ist.» Es sei die Verantwortung von Staaten, Plattformen und Gesetzgebern, mit der nötigen Dringlichkeit auf diese Entwicklung zu reagieren.
Weltweit versuchen Regierungen, gesetzliche Regeln für den Umgang mit künstlicher Intelligenz zu schaffen. Italien war 2025 das erste EU-Land, das ein eigenes Gesetz zur Regulierung von KI verabschiedete. Dieses sieht Freiheitsstrafen von einem bis fünf Jahren für die illegale Verbreitung KI-generierter oder manipulierter Inhalte vor, wenn dadurch Schaden entsteht. Höhere Strafen gelten, wenn KI für Straftaten wie Betrug oder Identitätsdiebstahl eingesetzt wird.
Dem vorausgegangen war der europäische AI Act von 2024 – der weltweit erste umfassende Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Die Umsetzung und Anpassung der neuen Regeln verzögert sich jedoch teilweise, obwohl sie ab August 2026 in Kraft treten sollen.