Unter dem Motto «Wohlergehen für alle, Glücklichsein für alle» diskutieren 20 Staats- und Regierungschefs in Neu-Delhi fünf Tage lang über die realen Auswirkungen Künstlicher Intelligenz. Geladen zum KI-Gipfel hat Ministerpräsident Narendra Modi. Sein Land kann in den kommenden Jahren mit Milliardeninvestitionen in KI-Center rechnen – mit allen Vor- und Nachteilen, wie Südasien-Korrespondentin Maren Peters erklärt.
Wo steht Indien im KI-Wettlauf?
Indien gehört hinter den USA und China zu den am schnellsten wachsenden Märkten für Daten-Center. Die Kapazität hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und dürfte sich in den nächsten fünf Jahren vervielfachen. US-Tech-Konzerne wie Google, Microsoft und Amazon wollen innert dieser Frist bis zu 95 Milliarden Dollar in neue Daten-Center in Indien stecken. Indien ist mit gut 1,4 Milliarden Menschen ein grosser Markt für ChatGPT und andere KI-Anwendungen. Zugleich sind die Kosten für Bau und Betrieb von Daten-Centern im weltweiten Vergleich sehr niedrig und die Umweltauflagen schwach. Das macht den Standort für globale Konzerne attraktiv. Experten zufolge dürfte Indien erst am Anfang eines grossen Daten-Center-Booms stehen.
Wie will Modi die KI-Forschung fördern und Unternehmen anlocken?
Die indische Regierung hat Google und anderen ausländischen Cloud- und Datencenter-Betreibern im aktuellen Budgetplan Steuerfreiheit bis 2047 versprochen. Diese gilt nur für Einkommen aus Cloud-Diensten, die mit indischer Infrastruktur erzielt werden. So will Modi ausländische Investitionen anlocken und Indien zu einem globalen Zentrum für Cloud- und KI-Anwendungen ausbauen. In der Hoffnung, dass so die Basis für künftiges Wirtschaftswachstum gelegt wird und neue Arbeitsplätze entstehen.
Kann Indien die nötige Ausbildung für die KI-Branche bieten?
Indien mit seiner starken IT-Industrie hat Millionen von Menschen den Aufstieg in den Mittelstand ermöglicht. Aber es gibt Anzeichen, dass der Höhepunkt überschritten ist. So hat im letzten Sommer Tata Consultancy Services, einer der grössten IT-Dienstleister des Landes und weltweit, 12.000 Mitarbeitende entlassen – weil sie durch KI ersetzt würden. Das jagte Schockwellen durch die IT-Welt. Beratungsunternehmen warnen, dass nur ein Bruchteil der indischen IT-Fachleute und Uni-Abgänger die Qualifikationen für die neue KI-Welt mitbringen. Dazu kommt, dass sich viele gut Qualifizierte nach besser bezahlten Arbeitsplätzen im Ausland umsehen könnten. Genügend qualifizierte AI-Fachkräfte in Indien zu finden, gilt als grosse Herausforderung.
Wie ist es mit dem Wasser und Energie für die KI-Zentren?
Wasser und Energie sind in Teilen Indiens schon jetzt Mangelware. Das Problem dürfte sich laut Experten mit dem Daten-Center-Boom deutlich verschärfen. Standard&Poors rechnet mit einer Verdoppelung des Wasserverbrauchs dieser Zentren in den nächsten fünf Jahren. Dies wird den Wasserstress in Städten wie Navi Mumbai, Chennai oder Bangalore, die Hubs für Daten-Center sind, verschärfen. Dort ist Frischwasser in der Trockenzeit bereits rationiert, darunter leiden vor allem die vielen Armen. Wasserknappheit könnte auch anderen Industrien drohen, solange die meisten Daten-Center Frischwasser zum Kühlen verwenden. Wegen des riesigen Energiebedarfs durch Daten-Center könnte Indien noch lange auf fossile Energie angewiesen sein, wenn nicht nachhaltige Energiequellen erschlossen werden. Energie- und Wasserverbrauch sind am KI-Gipfel nur ein Randthema.