«Wir müssen dringend handeln wegen KI». So steht es in einem Brief von über 200 Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern, darunter auch 16 Nobelpreisträger und die Chefökonomen der KI-Firmen OpenAI und Anthropic. Sie appellieren, etwas zu tun, weil der Einsatz von künstlicher Intelligenz in den nächsten zehn Jahren enorm zunehmen werde. SRF-Digitalredaktorin Tanja Eder sagt, was der Brief bewirken will.
Was fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konkret in dem Brief?
Der Brief ist sehr kurz, nur vier Sätze lang. Darin sagen die Ökonominnen und Ökonomen, die KI-Revolution könnte grösser sein als die industrielle Revolution und vor allem auch viel schneller. Deshalb müsse man mögliche Konsequenzen abfedern. Konkrete Forderungen fehlen aber, denn: Niemand wisse, was wirklich auf uns zukommt. Deswegen müsse man auch erst einmal verstehen, wie sich die KI überhaupt auf die Wirtschaft auswirken wird.
Die Forschenden sagen öffentlich, dass sie nicht wissen, was passieren könnte?
Sie sagen: «Da kommt vielleicht was Grosses auf uns zu, aber wir wissen nicht sicher, ob, und wir wissen nicht, was.» Es ist eigentlich erfrischend, dass die Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler das so zugeben. Viele von den Unterzeichnenden haben wissenschaftliche Arbeiten darüber geschrieben, wie sich die KI wohl auswirken wird. Die einen kamen zum Schluss, dass die positiven Effekte der KI überwiegen, die anderen, dass die negativen Effekte überwiegen und wieder andere, dass gar nichts passieren wird, dass alles nur heisse Luft sei. Aber am Ende müssen sie alle sagen, dass sie es nicht wissen.
Der Brief fordert, dass KI-Risiken abgefedert werden – welche Risiken sind da gemeint?
Es geht um die Auswirkungen auf die Wirtschaft, zum Beispiel darum, was passiert, falls die KI die Produktivität erhöht. Ob dies überhaupt eintrifft, da gehen die Voraussagen weit auseinander: von gar nicht bis zu: «Wir müssen nie mehr arbeiten.» Doch falls es zu diesem Produktivitätsgewinn kommt, dann ist die Frage, was damit passiert. Wird die Hälfte der Bevölkerung arbeitslos, weil die KI ihre Arbeit erledigt, während einige wenige reich werden? Oder müssen alle weniger arbeiten und haben alle mehr Wohlstand? Es kann sehr gut kommen oder sehr schlecht. Und da wäre die Politik gefragt, das zu steuern.
Was beabsichtigen die Ökonominnen und Ökonomen mit diesem Brief?
David Hémous, der Professor für Innovationsökonomie an der Uni Zürich ist und den Brief mitunterzeichnet hat, sagt, dass es in der Politik erst einmal ein Bewusstsein für das Problem brauche. Die KI könnte die Wirtschaft grundlegend verändern und man müsse jetzt darüber sprechen und Massnahmen planen: Wie federt man zum Beispiel die Veränderungen im Arbeitsmarkt ab, wie bildet man Studierende aus, wie lenkt man Innovation und wie kann KI den Menschen helfen, statt sie zu ersetzen. Hémous betont, man könne nicht abwarten, bis die Veränderungen da seien.