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International Kiew wirft Moskau militärische Provokation vor

Die ukrainische Regierung fühlt sich durch Militärbewegungen Russlands an seiner Grenze provoziert. Auch die USA warnen Moskau vor einem Eindringen in ukrainisches Gebiet. Derweil gehen die Gefechte in den Städten Donezk und Lugansk in der Ostukraine unvermindert weiter.

Legende: Video «Maidan-Räumung kommt nicht voran» abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.08.2014.

Die Führung in Kiew liess einen vermeintlichen Hilfskonvoi aus Russland an der Grenze stoppen. Es bestehe «Grund zur Annahme, dass der Konvoi dazu hätte genutzt werden können, die Spannungen weiter zu verschärfen», erklärte das ukrainische Aussenministerium.

Das Büro von Präsident Petro Poroschenko hatte am Vorabend mitgeteilt, der Konvoi sei «von russischen Truppen und Militärausrüstung» begleitet worden und «sollte offenbar die Grenze überqueren, um einen ausgewachsenen Konflikt zu provozieren».

Wegen der «russischen Aggression» habe Präsident Petro Poroschenko die Militärführung zu Beratungen einberufen. «Die Gefahr scheint aber vorerst gebannt», sagte der Vizechef der Präsidialverwaltung in Kiew, Waleri Tschaly.

USA erheben den Warnfinger

Angesichts der Truppenkonzentration nahe der Grenze war in den vergangenen Tagen im Westen die Furcht von einem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine gestiegen.

Die USA warnen Russland vor einem solchen Schritt. Humanitäre Hilfen als Vorwand zu nutzen, wäre «vollkommen inakzeptabel». Zuvor hatte die russische Regierung die Einrichtung humanitärer Korridore im Osten der Ukraine vorgeschlagen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon signalisierte die Bereitschaft der Vereinten Nationen, ihre Unterstützung zu verstärken, falls sich die humanitäre Lage weiter verschlechtern oder die Bemühungen Kiews nicht ausreichen sollten.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe einer militärischen Provokation zurück. «Es gab keine Versuche russischer Truppen, auf ukrainisches Territorium zu gelangen», sagte er.

Soldaten stehen vor einem Grenzposten, am Boden liegen Waffen-Bruchstücke
Legende: Ukrainische Grenzbeamte geben an, diese Bruchstücke von Raketenwerfen in der Region eingesammelt zu haben. Reuters

Wieder viele Tote

Derweil gehen die Gefechte Nahe der Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk zwischen Regierungseinheiten und Aufständischen in unverminderter Härte weiter. Die Aufständischen teilten mit, sie seien zu einer Feuerpause bereit. Während einer befristeten Waffenruhe sollten Zivilisten das Konfliktgebiet verlassen, zudem könnten Verwundete versorgt werden. Die Regierung in Kiew reagierte zunächst nicht auf das Angebot.

Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine sprach von 13 getöteten Soldaten innerhalb von 24 Stunden. Granatsplitter töteten in Lugansk ein sechsjähriges Mädchen, wie die Behörden mitteilten. Sechs weitere Zivilisten wurden verletzt. Hunderttausende seien weiter ohne Strom und Wasser. «Die Lage bleibt kritisch», sagte ein Stadtsprecher. In Donezk starb bei Schiessereien ein Mann, der zwischen die Fronten geraten war.

Wegen der Kämpfe ruht auch die Arbeit am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17. «Die Front führt direkt über das Trümmerfeld. Die Situation ist wie Treibsand – die Lage ändert sich stündlich», sagte der Vizechef des OSZE-Einsatzes, Alexander Hug.

Maidan wird geräumt

Auf dem von proeuropäischen Demonstranten seit Monaten besetzten Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew entfernten Reinigungskräfte weitere Barrikaden. «Es ist jetzt an der Zeit dazu», sagte Bürgermeister Vitali Klitschko.

Immer mehr Bewohner der Millionenmetropole würden sich über das Zeltlager beschweren. Zahlreiche Demonstranten widersprachen lautstark und entzündeten zum Protest Autoreifen. Bei Zusammenstössen wurden drei Männer verletzt.

USA bohren in Russland nach Öl

Trotz der Sanktonen hat der US-Ölkonzern ExxonMobil in der russischen Arktis eine Ölbohrung begonnen. Russlands Präsident Putin lobte das Vorhaben als erfolgreiche internationale Kooperation. Die Wirtschaft lasse «trotz gewisser aktueller politischer Schwierigkeiten» Pragmatismus und gesunden Menschenverstand walten.

87 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Lt. "Sonntagsumfrage" sind 80 % der Deutschen der Überzeugung, dass die Ukrainekrise von Putin und seinem Generalstab in Szene gesetzt und am Laufen gehalten wird. Logisch, denn nur Putin hat ein Ziel mit seiner asymetrischen Kriegsführung. Die Ukraine verteidigt auf eigenem Territorium ihre Souveränität. Putins Propaganda und seine Klabautermänner versuchen einem ein "x" für und "u" vorzumachen, was jedoch bei einigermaßen Intelligenz nicht verfängt, ausweislich obiger "Sonntagsumfrage".
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Sicher sind sie "überzeugt", wenn schon lange gegen Putin und gegen Russland Propaganda die Hirne wäscht. Viele Zombies herum laufen... Aber zum Glück auch in Deutschland gibt es intelligente Menschen.
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    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Aha, N.Belg, eine interessante "Gleichung": Leute, die Putins Politik kritisieren, sind "Zombies", seine Fans hingegen "intelligente Menschen". So mag man in Putins Reich mit den Leuten umspringen, aber wissen Sie: Wir sind hier immer noch im Westen!
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    3. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Chauvet: Weiss zwar nicht wo sie diese Umfrageergebnisse her haben. Glaubhaft oder repräsentativ können die nie und nimmer sein. Nicht einmal die Deutschen laufen im Jahr 2014 blind der Regierungspropaganda hinterher.
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    4. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Nicht wahr, Herr Christmann: Nur das, was ins Weltbild passt, darf wahr sein :-) Und sollte es eben doch zutreffen, hat ja N.Belg ja schon eine wohlfeile Erklärung bereit: alles nur "Gehirnwäsche", überall "Zombies" :-) Wissen Sie: Schon zu Sowjetzeiten wurde versucht, eine "Gegenrealität" zu schaffen, alles war "ganz anders". Dieses Experiment ist bekanntermassen kläglich gescheitert. Auch jetzt wird sich der gesunde Menschenverstand nicht ausschalten lassen!
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    ICH WILL ENDLICH,DASS DIE AUSWERTUNSRESULTATE der Blackbox des Flugs MH17 endlich,endlich,endlich veröffentlicht werden ---- Herr Putin???;((-------äh Herr Obama,Frau Merkel,etc. Dies ist eine ernstzunehmende Revolver-Blatt-Leser-Forderung!
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      A.Käser: Da können sie noch lange warten. Die Auswertung liegt leider in westlicher Hand. Aber je länger Resultate auf sich warten lassen umso mehr muss man damit rechnen, dass die Auswertung zu Ungunsten der Anklagenden ausfallen wird.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Ganz an Anfang hat es geheissen, es wären auch Experten aus Russland & aus der Schweiz bei der Auswertung dabei. Wurden diese wieder ausgeladen? Um den wahren Tatbestand zu vertuschen?
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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Die Aussagen der zwei Spanier in Donetzk : Anhel Davilla-Rivas, 29, and Rafa Munez, 28, arrived in Donetsk two weeks ago to offer their assistance to the residents of eastern Ukraine.“What we see in these weeks that we are here is only bombing of the people and the assault of all the fronts from Kiev. They are trying to separate the cities, they are sending mercenaries to kill the journalists and to demoralize any person that can tell the truth about what’s happening here,” Gott helfe der UA
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