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International Kim Jong Un verschont seine Tante – doch warum?

Vor wenigen Tagen hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seinen Onkel hinrichten lassen. Menschen, die ihm nahe standen, müssen um ihr Leben fürchten. Doch die Frau und Tante des Staatschefs gehört weiter zu den Mächtigen des Landes. War sie gar verantwortlich für die Exekution ihres Mannes?

Trotz der Hinrichtung ihres Mannes bleibt die einflussreiche Tante des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un offenbar in der inneren Führungsriege des Regimes.

Onkel im Eilverfahren hingerichtet

Der Name der 67-jährigen Kim Kyong Hee erschien auf der Liste eines staatlichen Komitees, das der Trauerfeier für einen am Freitag verstorbenen hohen Parteifunktionär beiwohnen wird. Das berichteten die Staatsmedien. Die Besetzung dieses Komitees ist einer der wenigen Hinweise auf die Hierarchie im Machtgefüge des abgeschotteten Staates.

Kims Tante, eine jüngere Schwester von seinem verstorbenem Vater Kim Jong Il, bekleidet eine Reihe hoher Posten. Ihr Mann Jang Song Taek, Mentor von Kim und zuletzt Nummer Zwei des kommunistischen Regimes, war vor wenigen Tagen in einem Blitzverfahren verurteilt und hingerichtet worden. Ihm wurde ein Putschversuch vorgeworfen – ob das wahr ist, weiss niemand, wie Korrespondent Jürgen Hanefeld von der ARD sagt.

Es gehen Gerüchte um, dass Kim Kyong Hee den jungen Kim dazu angestiftet haben soll, den Onkel wegzusäubern.
Autor: Urs MorfSRF Korrespondent

In dem Prozess ging es um eine Reihe von weiteren Vergehen. Jang soll Devisen im Ausland in Spielcasinos verprasst haben, Drogen genommen und Beziehungen zu verschiedenen Frauen unterhalten haben.

Dass die Elite in Pjöngjang in Saus und Braus lebe, sei bekannt, erklärt SRF-Korrespondent Urs Morf. «Ich denke jedoch eher, dass es ein Machtkampf war. Kim wollte seinen Mentor wegsäubern.»

Drahtzieherin, oder nur verschont geblieben?

Menschen, die Jang nahe standen, fürchten nun ebenfalls um ihr Leben. Mehrere seiner Parteigänger wurden bereits hingerichtet. Fraglich bleibt die Rolle von Jangs Frau. Sie war neben Jang Kims zweite Mentorin. Es werde gemunkelt, dass sie enorm verbittert gewesen sein soll über die Seitensprünge ihres Mannes. «Es gehen Gerüchte um, dass sie sogar den jungen Kim dazu angestiftet haben soll, den Onkel wegzusäubern», so Morf weiter.

Andere Stimmen meinen, dass Kim Kyong Hee nur deshalb vom Schicksal ihres Mannes verschont geblieben ist, weil sie als Schwester von Kims Vater eine der wenigen Blutsverwandten des jungen Machthabers ist.

Der hingerichtete Onkel hatte seinerzeit von Kims Vater den Auftrag erhalten, dem Sohn auf dem Weg zur Macht unter die Arme zu greifen. Dass Kim nun seinen Mentor wegsäubere, sei ein bedeutender Schritt, meint Morf. Und: Kim dürfte als Staatschef nun seine Macht gefestigt haben.

Ein zweiter Saddam Hussein?

US-Aussenminister John Kerry verglich Kim am Sonntag mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein. Über die Hinrichtung sagte Kerry, «daran erkennt man die skrupellose, abscheuliche Diktatur.» Er äusserte auch wachsende Sorge darüber, dass der kommunistische Staat unter Kims Ägide an die Atombombe gelangen könnte.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von S.Frehner, Matzingen
    Haben Sie's gewusst? Blocher zeigt in einem Interview auf Tele-Blocher Sympathien für Nordkorea, wo er auch schon auf "Nachtessen" mit dem nordkoreanischen Aussenministerium, Handelsministerium etc. war. O-Ton Blocher: „Ich war über 30 mal in China aus geschäftlichen Gründen. (...) Eine freie Marktwirtschaft funktioniert auch in einer Diktatur.“ www.kewego.de/video/iLyROoafI36p.html - Soviel zur Demokratieliebe unserer SVP.
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    1. Antwort von Wilhelm Schaub, Ecromagny / France
      Frehner; Völlig schleierhaft ist mir, wie Sie das Interview vom Oktober 2009 mit den beschriebenen Hinrichtungen negativ in Verbindung zur SVP bringen können! Christoph Blocher schildert auf sehr differenzierte aber auch kritische Weise wie er das Land auf seiner Reise erlebt hat und erklärt zudem anschaulich die politische und wirtschaftliche Geschichte von Nordkorea. Ihre Bemerkung zur "Demokratieliebe der SVP" ist im Zusammenhang mit obigem Artikel und dem Blocherinterview völlig daneben!
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