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Manche Babys werden gestohlen, andere von ihren Müttern verkauft
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.11.2020.
abspielen. Laufzeit 07:54 Minuten.
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Kind für 400 Franken Babyhandel in Kenia aufgedeckt

Die teils bittere Armut befördert das Babyhandelsgeschäft. Im aktuellen Fall sind auch Spitalangestellte beteiligt.

Darum geht es: Eine Recherche von BBC-Journalisten hat ein kriminelles Netzwerk in Kenia aufgedeckt, das mit Babys handelt. Die teils Neugeborenen werden den Müttern gestohlen oder abgekauft und an kinderlose Paare im Land weiterverkauft – zum Teil für umgerechnet wenige Hundert Franken. Jetzt hat die Regierung eine Untersuchung eingeleitet. Dabei kam es zu ersten Verhaftungen – auch von Personen aus dem Gesundheitsbereich.

So gingen die Täter vor: Die Kinder wurden den Müttern – viele von ihnen sind drogenabhängig, obdachlos oder alkoholabhängig – gestohlen oder für wenig Geld abgekauft. «Auch jene, die den Müttern die Kinder kidnappten, sind häufig obdachlos oder drogenabhängig – sie leben vom Geld, das sie für die Kinder beim Weiterverkauf bekommen», sagt die in Kenia lebende, freie Journalistin Bettina Rühl.

Auch Entbindungsstationen machten mit: Manche Kinder wurden den Müttern direkt nach der Entbindung weggenommen oder sie wurden ihnen von den Geburtshelferinnen für wenige Franken abgekauft. Das sei oftmals in den Wellblechhütten passiert, in denen die obdachlosen Frauen entbinden, so Rühl. Doch auch offizielle Kliniken sind beteiligt: «Manche Kinder werden von den Müttern dort zurückgelassen», sagt die Journalistin. Sie würden dann teils von Angestellten weiterverkauft.

Das sind die Käufer der Babys: Der soziale Druck für Paare in Kenia, Kinder zu haben, sei extrem gross, sagt Rühl. Deshalb gebe es im Land quasi einen natürlichen Nährboden für Kinderhandel. Entsprechend sind in Kenia viele Paare bereit, für ein Baby Geld zu bezahlen. Dabei seien vor allem Jungs gefragt, denn Söhne würden in Kenia als wertvoller angesehen als Töchter.

Bekanntes Problem in Kenia: Es gebe immer wieder Berichte über den Handel mit Kindern oder Babys in Kenia, so Rühl. Allerdings sei der vorliegende Fall durchaus aussergewöhnlich: «Dass auch Personen aus dem Gesundheitswesen beteiligt sind, macht ihn besonders.» Entsprechend sei der Fall auch breit von den kenianischen Medien aufgenommen worden.

Das unternimmt die Regierung: Bislang wurden sieben mutmasslich an dem Babyhandelsring Beteiligte verhaftet, was medienwirksam anlässlich einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde. Dort hätten die Behördenvertreter geschworen, dass die Kinder in Kenia geschützt seien. «Doch warten wir mal ab, ob der Ermittlungseifer anhält – ob die Netzwerke tatsächlich zerschlagen werden und Leute verurteilt werden», sagt die Journalistin Rühl.

SRF 4 News aktuell vom 20.11.2020, 06.50 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Sabine Wirth  (Swt)
    @Sonja Estermann 17.11 Uhr, gestern: zu Ihrem Kolonialismus-Vorwurf: Das kann man durchaus so sehen, natürlich auch bei der KVI.
    Wir stimmen in einer Woche Ja weil wir überzeugt sind, dass man (vor allem in Afrika, aber auch in Südamerika etc.) weder fähig, noch willens noch korruptionsfrei genug ist, um in- und ausländische Umweltsünder und Leuteschinder vor ein funktionierendes Gericht zu bringen.
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    1. Antwort von John Livers  (John Livers)
      @Sabine Wirth, aber die kleine Schweiz soll da intervenieren und es richten? Wieso sollen wir immer und überall für unfähige korrupte Regierungen in die Bresche springen?
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  • Kommentar von Sabine Wirth  (Swt)
    @sonja estermann 15.55 h: Da täuschen Sie sich gewaltig, wie die meisten im Land. Ø Kinderzahl in der Schweiz 1915: 2,4 Kinder pro Frau (Quelle BFS). Nach dem 2. Weltkrieg 2,6; danach sank sie und war lange tiefer als die heutigen 1,5. Das UNO Menschenrecht auf Freiwillige Familienplanung (seit 1968) und dessen Durchsetzung wäre für Afrika ein Segen. Bei Kinderzahlen von über 6 pro Frau (Mali, Niger etc) und kurzen Generationenfolgen (Teenagermütter) kommen sie mit Bildung etc. nicht nach...
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Afrikas Bevölkerung wächst rasant und wird sich bis 2050 verdoppeln. Derzeit leben in Nigeria rund 190 Millionen Menschen. Jede Frau bringt dort durchschnittlich fünf Kinder zur Welt." Kommentar von Alois Keller, 14.11 Uhr. -- Ist ja eine Katastrophe. Da fragt man sich, für was haben wir eine UNO, UNICEF, WHO usw. Da schaut man frisch, fröhlich zu. Eine weltweite Geburtenregelung ist zwingend. Die armen Geschöpfe (Kinder) gebären, Babyhandel, Versklavung oder im schlimmsten verhungern lassen???
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    1. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Teil 1: Wie Sie dem Bericht entnehmen können handelt es sich hier nicht um Versklavung sondern um illegale Adoptionen. Für die Eltern gleich tragisch für die Kinder machts ein Unterschied. Die Kinersterblichkeit konnte seit 1950 um 40% gesenkt werden. Es wird also nicht nur zugeschaut. Zudem möchte ich Sie daran erinnern, dass 5 Kinder auch in der Schweiz im 20. Jh. lang noch die Norm waren. Hiere Haltung mit Geburtenregelung wirkt daher auf mich mit Verlaub sehr Neokolonialistisch.
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    2. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Teil 2:Die Geburtenrate sinkt in der Regel leicht verzögert mit den steigenden Lebensumständen.Z.b Bildungsmöglichkeiten für Frauen, Rentensysteme, Zugung und finanzielle Mittel zu Rentensystemen, stabile Einkünfte.Letzteres verhindert auch Kinderarbeit und damit die notwendigkeit von Kinder als Arbeitskräften wie es auch bei uns vor nichtmal 100 Jahren war.Genau hier setzt auch die Kovi an. Solange europ.Konzerne vor Ort keine fairen Löhne zahlen und Kinder schuften lassen, ändert sich nichts.
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    3. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Estermann: ".wirkt daher auf mich mit Verlaub sehr Neokolonialistisch". Liebe Frau Estermann, das Gegenteil möchte ich erreichen. Die überproportionale Bevölkerungsentwicklung wird Kenia und andere afr. Staaten in weitere Armut und Abhängigkeit des Westens und ,neu, von China Treiben. Dies kann auch nicht mit der CH von früher vergleichen. Die Zeiten haben sich geändert. Die Ressourcen unseres Planeten werden immer schneller geplündert. Eine Geburtenregelung wäre auch im Sinne von Mutter Erde.
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    4. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Wenn Ohnen das Wohlergehen der Menschen am Herzen liegt: Wie gedenken Sie die Geburtenkontrolle human umzusetzen?Ein-Kind-Politik wie in China mit Zwangsabtreibungen im 9 Monat?Zwangsterilisationen wie sie auch in der Schweiz passierten?Zwangsdeplatzierung von Kinder wie in den 70er? Busssysteme für Leute die sich keine Verhütung leisten können? Und nochmal, wie es bei uns auch war, sind Kinder dort durch Arbeit und Altersvorsorge lebensnotwendig. Damit würde sich die Armut noch verschlimmern.
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    5. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Noch dazu fordert eine Geburtenkontrolle Eingriffe nicht nur in die Menschenrechte sondern auch in fremdes nationales Recht. Damit wären wir bei Kolonialstaatlichen Zuständen. Wenn sie Ressourcen schonen möchten, beginnen Sie doch mit eigenem Verzicht, denn ein einziger Schweizer Fussabdruck ist wesentlich höher als der von ganzen afrikanischen Familien. Viele dieser Länder erreichen den Overshootday nichtmal während er bei uns im Mai ist. Wir verbrauchen also deutlich mehr als uns zusteht.
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    6. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Estermann: "Wie gedenken Sie die Geburtenkontrolle human umzusetzen?" Ja, liebe Frau Estermann, Sie haben sich da richtig ins Zeug gelegt. Aus ethischer Sicht haben Sie überall recht. Jedoch: Wenn die Zunahme von 80 Mio. Menschen/Jahr gleich bleibt oder noch zunimmt, wird das Elend immer grösser. Niemand hat im Moment eine Idee wie eine Geburtenregelung aussehen könnte. Von den Weltgewaltigen will sich niemand die Finger verbrennen. Jedoch: Die Menschen müssen dies regeln oder eben die Natur.
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    7. Antwort von John Livers  (John Livers)
      Bendicht Häberli, wie die Geburtenzahlen regulieren? Wie sagte doch ein Afrikaner bei einer diesbezüglichen Diskussion: Wenn eine meiner Frauen verhüten würde, könnte ich mich nicht mehr als Mann fühlen! Die Geburtenregelung müsste durch Kinderzulagen statt Entwicklungshilfe geregelt werden. 1. und 2. Kind grosszügige Zulagen, bei jedem weiteren Kind massiv abnehmend. Dieses Zeichen würde Verstanden und schnell Wirkung zeigen.
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