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Missbrauchsskandal erschüttert Mallorca
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.01.2020.
abspielen. Laufzeit 07:35 Minuten.
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Kindesmissbrauch auf Mallorca Die wahre Hölle vor der Partyhölle

Drinnen Komasaufen, draussen Kinderstrich: Ein Vergewaltigungsfall wirft ein düsteres Licht auf die Partyinsel.

«Abstieg zur Hölle» betitelt die Madrider Zeitung «El Mundo», was ein 13-jähriges Mädchen in der Partyhochburg Mallorca erlebte. An Heiligabend wurde die ausgerissene Heimbewohnerin in Palma von sechs Jugendlichen vergewaltigt.

Von einem schockierenden Fall spricht der Journalist Tom Gebhardt, der aus Mallorca berichtet. Das Opfer sagte bei der Polizei aus, es habe vor der Vergewaltigung mehrere Angebote erhalten, sich zu prostituieren – ein Schicksal, das viele andere Heimkinder teilen, wie jetzt ans Licht kommt.

Der Strand von Palma
Legende: Auch am berühmt-berüchtigten Ballermann, wo sich vornehmlich deutsche Sauftouristen bespassen lassen, werden immer wieder minderjährige Prostituierte aufgegriffen. imago images

«Das Ungewöhnliche ist, dass so etwas normalerweise gar nicht in die in Medien gerät», gibt Gebhardt zu bedenken. Missbrauchsfälle würden auch in Spanien nicht medial ausgeschlachtet. «Zudem haben Kinder und Jugendliche aus Heimen auch keine Lobby und finden kein Gehör.»

Die Behörden blieben tatenlos

Nach der Vergewaltigung des Mädchens reichte es aber vielen Sozialarbeitern, die tagtäglich mit der sexuellen Ausbeutung konfrontiert sind – sie gingen von sich aus an die Öffentlichkeit. «Seit mehr als drei Jahren zeigen wir diese Zustände an. Aber die mallorquinische Sozialbehörde hat keine Massnahmen ergriffen», sagte einer der Sozialarbeiter im «Diario de Mallorca».

In manchen Heimen würden nahezu alle minderjährigen Heimbewohnerinnen zur Prostitution verleitet, berichtet das Lokalblatt. Obwohl offenbar viele Heimkinder auf der Partyinsel jahrelang zum Sex überredet wurden, sollen Verantwortliche bei den Behörden oft die Augen zugedrückt haben.

Oft sind Waisen oder Kinder betroffen, die schon in ihren Familien geschlagen oder Opfer sexueller Gewalt wurden.
Autor: Tom GebhardtJournalist

Betroffen seien vorwiegend 13- bis 17-Jährige. Sie alle haben keine Eltern oder stammen aus sehr schwierigen Verhältnissen – und sind deshalb für Ausbeutung und Manipulation besonders anfällig. «Oft sind es Waisen oder Kinder, die schon in ihren Familien geschlagen oder Opfer sexueller Gewalt wurden», so Gebhardt.

Gefährliche Spirale von Drogen und Sex

Häufig betätigten sich andere minderjährige Mitbewohner als «Kuppler», um an kleine Geldbeträge oder an Drogen zu kommen. Aber auch Erwachsene sollen nicht nur als Kunden, sondern als Organisatoren in den Skandal verwickelt sein.

Es kursierten Berichte über entsprechende Fälle, so Gebhardt. Etwa über einen Mann aus Deutschland, der regelmässig auf die Insel komme und Heimkinder für Sex bezahlt haben soll. «Inwieweit es sich um organisiertes Verbrechen handelt, soll nun eine Kommission herausfinden.»

Sozialbehörden räumen Prostitution ein

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die schlimmen Zustände in den 30 Kinder- und Jugendheimen auf der Ferieninsel sind lange bekannt. Doch erst die mutmassliche Vergewaltigung löste eine breite Debatte aus. Die zuständige mallorquinische Sozialbehörde Imas hatte letzte Woche eingeräumt, man habe von mehreren Fällen Kenntnis.

16 Heimbewohner – 15 Mädchen und ein Junge – seien den Erkenntnissen zufolge zur Prostitution verleitet worden. Sozialarbeiter bezeichneten diese Zahl in der Lokalpresse als stark untertrieben.

Die seit 2015 in Palma regierende sozialistische Regionalpräsidentin Francina Armengol sprach von einem Missstand, den man schon seit Beginn ihrer Amtszeit zu bekämpfen versuche.

Kritik kommt aber nicht nur von Sozialarbeitern. Auch Anwälte, die mit Missbrauchsfällen in Heimen zu tun hatten, sagten «El Mundo», die Einrichtungen würden «miserabel verwaltet». Die Verantwortlichen schauten oft weg, wenn etwa eine 13- oder eine 14-Jährige tagelang aus einem Heim verschwinde.

«Mitarbeiter von Heimen sagen, es sei Alltag, dass die Mädchen dann mit neuen Schuhen oder Handys zurückkommen», berichtet Gebhardt. Woher das Geld komme, sei kein Geheimnis.

Palma in Mallorca
Legende: Dass Mädchen nicht nur zur Prostitution verführt, sondern auch unter Androhung von Gewalt gezwungen wurden, wird nicht ausgeschlossen. imago images

Der Journalist will sich abschliessend kein Urteil darüber anmassen, ob die Behörden und Heimleitungen Hinweise auf sexuelle Ausbeutung systematisch übergangen haben. Oder ob es sogar Mitarbeiter in den Heimen gegeben habe, die das Ganze begünstigt hätten – das müssten nun die weiteren Ermittlungen zeigen.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Wieso reduziert man Mallorca auf Ballermann und Co. Eine wunderschöne Insel ab von
    dieser kleinen Ecke. Immer alles sofort in einen Topf werfen. Es gibt ein Mallorca der
    Ruhe und von wunderschöne Wanderwegen.
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  • Kommentar von Janette Keller  (Janette Keller)
    Danke, Herr Strub, dür Ihre Worte!
    Eine typisch journalistische „Meisterleistung“ einmal mehr!
    Mallorca als Partyinsel zu betiteln ist inakzeptabel und schlicht „fake news“! Die Problemzone ist verschwindend klein. Der Rest der Insel pflegt ein sehr gediegenes, zT überaus hochstehendes Tourismusverhalten. Wer nur Arenal etc. kennt, ist nicht befugt, über die ganze Insel zu urteilen, geschweige zu schreiben!
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  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    Sehr anmaßend Frau Studer, Mallorca als eine heruntergekommenen Insel zu titulieren. Die idiotischen Saufgelage und deren abartige Auswüchse beschränken sich fast ausschließlich auf Magaluf (Engländer) und El Arenal (Deutsche).
    Vielleicht ist es Ihnen entgangen, dass jährlich zigtausend Wanderer, Biker, Golfer, Kletterer Tennisspieler und Wassersportler auf der wunderschönen Insel trainieren und sich an der Natur, am sehr feinen Essen und den exzellenten malloquinischen Weinen erfreuen.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      "Deutschen" oder "deutschen Sauftouristen" hier die Alleinschuld zuzuschieben ist schäbig und indifferent. Zutreffend wäre hier "Deutschsprachige" oder Touristen "deutscher Zunge".
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    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Vergessen Sie mal die Engländer nicht Herr Chauvet !
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