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Finnland: Grüne unterstützen Atomenergie
Aus Rendez-vous vom 15.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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Klimapolitik Die Grünen in Finnland setzen auf Atomstrom

Bald geht in Finnland ein neues AKW ans Netz. Bemerkenswert dabei: Die Grünen unterstützen den Ausbau der Atomkraft.

Leicht fällt Finnland die Umstellung von fossilen auf nicht-fossile Energieträger nicht. Lange setzte das Land nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Lieferung von Kohle, Öl und Gas aus der benachbarten Sowjetunion. Dann wurden mit Unterstützung Moskaus in den 70er-Jahren vier Atommeiler gebaut. Sie versorgen das nordische Land bis heute mit gut einem Drittel der benötigten Elektrizität.

Neuer Atommeiler
Legende: In Finnland setzen sogar die Grünen als Regierungspartei auf Nuklearstrom. Im Hintergrund: Der neu gebaute Atommeiler in Olkiluoto. imago images/Archiv

Doch während die meisten anderen europäischen Staaten seit der Jahrtausendwende einen Einstieg in den Ausstieg beschlossen, wählte das nördlichste EU-Mitgliedsland mit gut fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern einen anderen Weg: Es beschloss im Jahre 2002 den Bau eines neuen Atomkraftwerks. Und das in einem Land, in dem die grüne Partei – traditionell der Atomenergie wenig positiv gesinnt – als erste in Europa seit 1995 der nationalen Regierung angehört.

Wir befürworten jetzt alle kohlenstoffarmen Energiequellen, dazu gehört auch die Nuklearenergie.
Autor: Atte HarjanneParlamentsabgeordneter der grünen Partei in Finnland

Zweimal haben die Grünen in der Folge wegen umstrittenen Beschlüssen in Sachen Atomenergie die grosse finnische Koalition verlassen – um dann jeweils nach den nächsten Wahlen wieder einzutreten. Unterdessen, so betont der grüne Parlamentsabgeordnete Atte Harjanne, habe sich seine Partei ein pragmatischeres energiepolitisches Programm verpasst: «Wir befürworten jetzt alle kohlenstoffarmen Energiequellen, dazu gehört auch die Nuklearenergie», sagt der Politiker und Klimaforscher.

Erstes Endlager weltweit im Bau

Konkret steht nun Finnland vor zwei grösseren Meilensteinen. Soeben wurde bekannt, dass das erste neugebaute Atomkraftwerk Europas seit 25 Jahren in genau einem Jahr ans Netz gehen darf. Gleichzeitig wird im Untergrund in der Nähe des neuen Atommeilers das erste Endlager weltweit für hoch radioaktive Atomabfälle gebaut.

Damit sind auch aus Sicht der finnischen Grünen die Voraussetzungen dafür geschaffen, mithilfe der Kernenergie die Umstellung auf nicht fossile Energieträger zu schaffen: «Wir sind auf gutem Wege mit unserer Energiepolitik», sagt der grüne Abgeordnete Atte Harjanne.

Atommeiler ist zweitteuerstes Gebäude der Welt

Der finnische Weg zur klimaneutralen Energieproduktion hat aber auch Kosten: Alleine der Bau des neuen Atommeilers in Olkiluoto, der fast 15 Jahre lang gedauert hat, kostete bislang fast zehn Milliarden Franken. Eine finnische Zeitung hat ausgerechnet, dass es damit das zweitteuerste Gebäude der Welt ist – nach dem Abraj al-Bait Hotelkomplex im saudischen Mekka, der zwölf Milliarden gekostet hat.

Rendez-vous, 15.2.2021, 12:30 Uhr

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Passend zum Thema ein Artikel im Tages Anzeiger: "Windränder eingefroren: Millionen in Texas ohne Strom"
  • Kommentar von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
    Wer heute noch Angst vor Atomstrom hat denkt wahrscheinlich an die Reaktoren aus den 60-70ern. Wir gucken Oldtimer an und sagen sie sind nicht zeitgemäss. Wie waren die Autos damals? Neue Reaktorgenerationen erzeugen einen Bruchteil Atommüll, er kann zum grössten Teil wieder angereichert werden. Wir vergleichen hier einen Käfer mit einem Tesla. Fortschritt durch Forschung und Technik, nicht durch Verbote.
  • Kommentar von Elgyn Sulaco  (Elgyn)
    Also ich habe bisher noch keine überzeugende Erklärung von den CH-Grünen oder deren lieben DE-Freunden, wie Sie den Energiebedarf in den nächsten Jahren/Jahrzenten decken wollen. Es wird für E-Autos geworben etc... aber wie um alles in der Welt wollen Sie den steigenden Energiebedarf der Menschen, die immer mehr werden, denn decken? Sollen die Menschen in die Pedale treten und ihren eigenen Strom erzeugen? Oder wir bauen einen Herd mit 2 Watt-Leistung...
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Dazu sehe man auf der Homepage von SMARD.de Stromerzeugung und -verbrauch in Deutschland an, die erneuerbaren Energien reichen nirgendwo aus.