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Klumpenrisiko Importstrom Nicht alle Erdgasleitungen führen nach Rom

Italien ist stark abhängig von ausländischem Gas. Sonnenenergie nutzt das sonnenverwöhnte Land kaum. Das hat Folgen.

Legende: Audio Wenig Solarenergie im sonnenverwöhnten Italien abspielen. Laufzeit 03:01 Minuten.
03:01 min, aus Rendez-vous vom 13.12.2017.

Fast alle in Italien kochen ihre Spaghetti auf einem Gasherd. Aber auch für die Pizza ist das Gas unerlässlich. Denn selbst wenn der Backofen mit Strom funktioniert, wird dieser doch fast zur Hälfte aus Gas gewonnen. Denn Italien erzeugt über 40 Prozent seiner Elektrizität mit Gas, in thermischen Kraftwerken.

Während andere Länder ihre Abhängigkeit von Gas oder Öl vermindern, also in die Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie investieren, passiert in Italien das Gegenteil: In den letzten Jahren sank der Anteil erneuerbarer Energien, während der Gaskonsum weiter stieg. Eine unverständliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass über diesem Land während Monaten fast ausschliesslich die Sonne scheint. Italien nutzt seine Möglichkeiten viel zu wenig.

Grosse Abhängigkeit von Russland

Das Gas, das Italien nutzt, ist zu über 90 Prozent importiert. Russland ist der mit Abstand grösste Zulieferer. Gas von dort fliesst ausschliesslich über jene Pipeline ins Land, die gestern in Österreich durch eine Explosion unterbrochen wurde.

Italien versucht zwar, die Abhängigkeit von Russland und von dieser Pipeline abzuschütteln. So investiert Rom in jenes Projekt, das Gas vom Kaspischen Meer über die Türkei, Griechenland und die Adria nach Italien bringen soll. Doch diese Pipeline ist erst im Bau und wir in Italien von Umweltverbänden heftig bekämpft.

Allerdings sind auch die anderen Gasquellen Italiens alles andere als sicher: Die Gaszufuhr aus Libyen etwa ist wegen der chaotischen Zustände dort in Gefahr.

Die italienische Abhängigkeit vom Gas hängt auch mit einem Entscheid zusammen, den das Land in den 1980er-Jahren fällte: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verzichtete Italien auf eigene Atomkraftwerke. Das Land ersetzte ihn durch Strom, den es mit Gas produziert, oder mit importiertem Strom, der freilich oft aus Atomkraftwerken stammt.

Es war auch ein Unfall, der Italien die Abhängigkeit vom Importstrom schlagartig vor Augen führte: 2003 fiel auf dem Lukmanierpass ein Baum auf die zentrale Hochspannungsleitung Richtung Süden. In Italien gingen die Lichter aus. Die Politik versprach, solche Abhängigkeiten abzubauen. Tatsächlich aber wuchsen sie.

Espressokanne auf Gasherd
Legende: Gestern blieben viele Kochherde und Heizungen in Italien kalt, weil in Österreich eine Gaspipeline explodierte. Imago

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Abwarten, bis feststeht, ob die Explosoin in Oesterreich eine natürliche Ursache hatte, Russland mit Gasprom hat sicher kein Interesse an einem Gas Blackout in Italien, andere schon.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Es ist einfach, festzustellen, was man in Italien alles geschickter machen könnte. Fakt ist, dass Italien finanziell nicht wirklich gut aufgestellt ist. Fotovoltaikanlagen sind nach wie vor ziemlich grosse Investitionen, die nicht in fünf Jahren abgeschrieben sind, auch wenn die Panels mittlerweilen aus China kommen und günstiger geworden sind. Ich zweifle nicht daran, dass die Italiener von Votovoltaik Gebrauch machen würden, wenn sie sich die Investiton leisten könnten!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Es gab längere Zeit eine ungedeckelte Förderung, aber ich weiss halt auch nicht wo dieses Geld versickert ist.
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