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Macron will die Sahel-Zone befrieden
Aus Tagesschau vom 13.01.2020.
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Koalition für die Sahelländer Macron und Sahelstaaten verstärken gemeinsamen Kampf gegen Terror

Die fünf Länder der Sahelregion billigen ausdrücklich Frankreichs militärisches Engagement gegen Islamisten in der Region.

Darum geht es: Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat die Staatschefs von Mali, Niger, Burkina Faso, Mauretanien und Tschad in die Stadt Pau in den Pyrenäen eingeladen. Thema des Treffens ist der Kampf gegen islamistische Extremistengruppen wie dem Islamischen Staat (IS) oder Al-Kaida. Die Zahl der Angriffe durch Extremisten in der Sahelzone hat sich laut der Denkfabrik «Africa Center for Strategic Studies» jedes Jahr verdoppelt. 2019 waren es rund 700.

Bekenntnis zur französischen Militärpräsenz: «Präsident Macron ist der Meinung, dass der französische Einsatz in gewissen Sahelstaaten nicht genügend geschätzt wird», sagt Rudolf Balmer, SRF-Mitarbeiter für Frankreich. Seit 2014 hat Frankreich rund 4500 Soldaten in den Sahelländern stationiert; dabei sind bereits 34 Soldaten ums Leben gekommen. Die Aufforderung Macrons, sich hinter das französische Engagement zu stellen und dazu die Einladung nach Pau in Frankreich sei von manchen Staaten fast als Vorladung aufgefasst worden, sagt Balmer.

Politischer Kurswechsel: In Pau haben sich nun Frankreich und die verbündeten afrikanische Länder darauf geeinigt, gemeinsam den Kampf auf das besonders gefährdete Grenzgebiet zwischen Mali, Burkina Faso und Niger zu konzentriert. Die fünf Länder der Region billigten ausdrücklich, dass Frankreich militärisch dort weiter engagiert bleibt. Bei der Anti-Terror-Mission «Barkhane» stehen rund 4500 französische Soldaten im Einsatz. «Wir haben keine Wahl. Wir brauchen Resultate», sagte Macron nach dem Treffen. Er will weitere 220 Soldaten entsenden. Die neue «Koalition für das Sahelgebiet» bildet eine neue gemeinsame Kommandostruktur, um dschihadistische Angriffe in der unsicheren Region zu beenden.

Im November 2019 besuchte Emmanuel Macron eine Militärbasis in Mali.
Legende: Im November 2019 besuchte Emmanuel Macron eine Militärbasis in Mali. Keystone

Antikolonialistische Animositäten: Am vergangenen Freitag hat in Bamako, der Hauptstadt von Mali, eine Demonstration stattgefunden. Bei dieser wurde nicht nur der Abzug französischer Truppen, sondern aller internationaler Truppen aus der Sahelzone verlangt. Dies, obwohl – wie Balmer vermutet – es 2014 ohne die Unterstützung französischer Truppen in Mali den Islamisten tatsächlich gelungen wäre, die Hauptstadt Bamako einzunehmen. Trotz der militärischen Hilfe seien die antikolonialistischen Ressentiments gegen Frankreich gross. Dass sich die Extremisten in der Sahelzone ausbreiten können, hat damit zu tun, dass es ihnen gelingt, die regionalen ethnischen Spannungen für sich zu instrumentalisieren.

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Simone Hoffmann: «Das Vorhaben von Macron wird schwierig durchzusetzen sein»
Aus Tagesschau vom 13.01.2020.
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Zusätzliche Partner gefragt: Macron will auch verstärkt andere Staaten zum Kampf gegen den Terrorismus im Sahel auffordern. Deutschland schlug bereits zwei Mal den Einsatz europäischer Spezialeinheiten ab. Mitziehen wollen offenbar lediglich Estland, Belgien, Dänemark und Tschechien. Macron will insbesondere EU-Staaten in die Pflicht nehmen, deshalb waren EU-Ratspräsident Charles Michel und UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zum Dinner in Pau eingeladen. Hingegen erwägen die USA laut der «New York Times», in Westafrika eingesetzte Spezialeinheiten zu vermindern oder abzuziehen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Sebastian Mallmann  (mallmann)
    Die Franzosen sind schon seit einigen Jahren militärisch präsent in der Sahelzone und die Zahl der extremistischen Angriffe hat sich von Jahr zu Jahr verdoppelt? Irgendetwas scheint schiefzulaufen beim Kampf gegen den Terrorismus.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Das Muster von Extremisten jeglicher Couleur und Ausrichtung ist immer dasselbe: Vakua ausnützen und bessere Lebensbedingungen versprechen. Die regionalen ethischen Spannungen, resultierend aus den Tribal Wars der vorherigen JH, kommen brandbeschleunigend dazu. Im vorliegenden Fall unterstütze ich sogar eine Militärpräsenz der Franzosen, sofern sie von den Staaten gestützt wird.
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Präsident Macron wäre gut beraten, alle seine Energie darauf zu verwenden, das Chaos im eigenen Land in den Griff zu bekommen, statt mit aussenpolitischen Aktionen von der chaotischen Innenpolitik abzulenken. Die «Grande Nation» ist so was von auf dem absteigenden Ast, dass es mir als Beobachter von aussen zunehmend angst und bange wird. Die Leader innerhalb der EU (Deutschland und Frankreich) sind angeschlagen, im Falle von Frankreich sogar schwer angeschlagen.
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    1. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      Mit Verlaub, das ist Unsinn... noch jede Regierung beisst sich seit Jahrzehnten die Zähne an der Rentenreform aus... und wäre es Ihnen lieber, dass noch mehr Afrikaner nebst Armut auch noch vermehrt vor Bürgerkriegen nach Europa fliehen müssen? Wohl kaum...
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Müller: Macron ist fähig das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Die französische Innenpolitik ist nicht chaotisch, sondern funktioniert halt anders als in der ruhigen Schweiz. Da es in Frankreich keine Referendumsmöglichkeit gibt, gehen die Leute auf die Strasse wenn ihnen etwas nicht passt. Das ist normal in Frankreich und es wurde auch höchste Zeit, dass Frankreich endlich die Rentenreform angeht. Wenn nicht, wären die Staatsschulden auch in Frankreich bald explodiert.
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