Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Inga Rogg: «Wähler wollten Erdogan Denkzettel verpassen» abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
04:43 min, aus SRF 4 News aktuell vom 01.04.2019.
Inhalt

Kommunalwahlen in der Türkei «Eine wahnsinnige Schlappe für Erdogan»

Mit den Kommunalwahlen in der Türkei wollte Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigen, wie populär er ist. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Erdogan selbst verkündete am späten Abend zwar den Sieg seiner Partei – gleichzeitig schlug er aber einen ungewohnt selbstkritischen Ton an. Denn insbesondere in den Wirtschaftszentren des Landes hat seine Partei schwere Verluste erlitten. Das kratze arg am Image des erfolgsverwöhnten Präsidenten, sagt die Journalistin Inga Rogg. Politisch werde sich aber kaum etwas ändern.

Inga Rogg

Inga Rogg

Journalistin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und lebt zeitweise in Irak. Zurzeit ist sie in Istanbul und berichtet von dort aus vor allem über Syrien, auch für Radio SRF.

SRF News: Was bedeutet die Kommunalwahl für Erdogan?

Er hat diese Wahl im Grunde genommen zu einer Wahl über sich gemacht. Es ist eine wahnsinnige Schlappe für Erdogan. Seine Partei hat ungefähr einen Drittel der Regionen, die sie bisher gehalten hat, verloren. Für den erfolgsverwöhnten Politiker, der in 25 Jahren nur gewonnen hat, hat es zum ersten Mal eine richtig deftige Niederlage abgesetzt.

Wieso dieser Gegenwind für Erdogans AKP?

Die Wirtschaft hat sicher eine Rolle gespielt. Die AKP hat etwa das Touristenzentrum an der Mittelmeerküste Antalya, dann aber auch andere wichtige Wirtschaftszentren wie die Hauptstadt oder die beiden Hafenstädte Mersin und Adana verloren.

Die Frage ist, welche Dynamik die Niederlage innerhalb der AKP auslösen wird.

Darüber hinaus haben aber auch ganz grundsätzliche politische Fragen eine Rolle gespielt. Das sagten mir am Sonntag Wähler, die gegen Erdogan gestimmt haben. Es gehe ihnen um Freiheit und Gerechtigkeit.

Welche Parteien konnten von der Niederlage der AKP profitieren?

Von den 14 Regionen, die die AKP verloren hat, ging die Hälfte an die grösste Oppositionspartei – die CHP. Die andere Hälfte ging an Erdogans Koalitionspartner, die ultrarechte MHP. Aber die CHP hat in den grossen Städten wie Ankara gewonnen und möglicherweise auch in Istanbul.

Im Wahlkampf hat Erdogan damit gedroht, dass er Bürgermeister auch wieder absetzen könnte.

Dort hat der CHP-Kandidat bereits den Sieg erklärt. Aber die AKP behauptet, sie habe knapp gewonnen. Dass Erdogans eigener Koalitionspartner so gut abgeschnitten hat, ist ein Zeichen dafür, dass viele Wähler Erdogan einen Denkzettel verpassen wollten. Auch wenn sie nicht die Opposition wählen wollten, die Erdogan schwerstens diffamiert hat.

Trotzdem bleibt die AKP stärkste Partei im Land. Ändert sich politisch überhaupt etwas?

Eigentlich ändert sich nichts. Durch das Präsidialsystem, das letztes Jahr eingeführt wurde, bleibt Erdogan Präsident bis 2023. Die Macht ist stark zentralisiert. Im Wahlkampf hat Erdogan damit gedroht, dass er Bürgermeister auch wieder absetzen könnte. Die Frage ist aber, welche Dynamik die Niederlage innerhalb der AKP auslösen wird. Da rumort es immer wieder und dies schwächt Erdogan innerhalb der eigenen Partei und auch innerhalb der Koalition. Es lässt sich aber noch nicht abschätzen, wohin das führt.

Dsa Gespräch führte Roger Aebli.

Legende: Video Kommunalwahl-Krimi in der Türkei abspielen. Laufzeit 01:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.03.2019.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

30 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Auch in der Türkei erwachen die Massen - alles was auf Unrecht gebaut wird, kann sich nicht lange halten -das hat die Geschichte schon längst bewiesen, jedoch gibt es immer wieder Narren, die dieses Gesetz nicht kapieren wollen .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Werner Gerber (Emmentaler1)
    irgendwann fängt die macht des alleinherrschers zu bröckeln
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Das Problem ist nur, dass darauf ohne grosse Reform wieder ein anderer Alleinherrscher folgen wird. In vielen Ländern hat eine einzige Person einfach viel zu viel Macht. Da müsste sie schon sehr integer sein, um diese nicht auszunützen. Auch wenn der grösste Teil der Bevölkerung sich einig ist, dass der jetzige Machthaber weg muss, wird es immer schwierig bleiben, sich auf einen neuen zu einigen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Sehr, sehr gut! Hoffentlich verliert Erdogan auch noch in Istanbul definitiv. Ich sage es immer wieder: Die Geschichte lehrt, dass früher oder später jeder Diktator / jede Diktatur gestürzt wird oder von selbst implodiert. Erdogan kann die Wahlen noch leicht manipulieren oder den einen oder andern siegreichen Bürgermeister entfernen lassen. Aber den Beginn seines Endes ist eingeläutet. Leider weden bis dahin wohl noch einige Jahre vergehen. Aber besser spät als nie!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen