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Dominikaner wollen vollständigen Zaun zu Haiti bauen
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.03.2021.
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Konflikt auf Insel Hispaniola Dominikanische Republik will Grenzzaun zu Haiti bauen

Die Dominikanische Republik will die Mauer. Die Angst vor Zuwanderung aus Haiti wird just zu Corona-Zeiten geschürt.

Dass der Präsident der Dominikanischen Republik mit seinen Plänen eines vollständigen Zauns gerade jetzt auf Abschottung drängt, hängt mit der aktuellen Krise in Haiti zusammen. Der Nachbarstaat hat enorme Probleme. Die Opposition fordert den Rücktritt des Präsidenten und es gibt Unruhen. Viele Dominikanerinnen und Dominikaner befürchten, dass es wieder eine Massenflucht aus Haiti in ihr Land geben könnte, wie die Journalistin und Lateinamerika-Expertin Sandra Weiss erklärt.

Sandra Weiss

Sandra Weiss

Journalistin in Mexiko

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Die gebürtige Deutsche lebt und arbeitet seit 1999 als Journalistin in Lateinamerika. Sie berichtet von dort aus für diverse deutschsprachige Medien.

Neuer Präsident sucht seinen Platz

Dazu kommen innenpolitische dominikanische Gründe: Der aktuelle Präsident Luis Abinader, wurde erst vor Kurzem mitten in der Pandemie gewählt und hat noch nichts vorzuweisen. Das Land steckt ebenfalls in einer grossen Krise, weil der Tourismus eingebrochen ist. «Es ist populär, mit einer Mauer die populistische Keule zu schwingen unter der Vorgabe, Arbeitsplätze zu schützen», so Weiss.

Abinader schlägt vor, die teils bereits gesicherte 380 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Ländern vollständig zu befestigen. Vorgesehen ist eine hochmoderne Absperrung analog zu den Plänen von Trump gegen Mexiko – teils mit mehreren, Zäunen, Sensoren und Infrarotkameras.

Präsident Luis Abinader.
Legende: Präsident Luis Abinader hat Ende Februar im Kongress in Santo Domingo den Bau eines vollständigen und hochmodernen Grenzzauns zu Haiti für die zweite Jahreshälfte angekündigt. Keystone/Archiv

Das gestörte Verhältnis zu Haiti

Die Idee kommt in der Dominikanischen Republik gut an, welche sich die Insel Hispaniola mit Haiti teilt. Das Verhältnis ist historisch seit jeher sehr angespannt: Haiti erlebte die erste erfolgreiche Sklaven-Rebellion in der westlichen Hemisphäre. 1804 besiegten die Schwarzen die französischen Kolonialherren und übernahmen die Macht. Sie marschierten auch in der Dominikanischen Republik ein und richteten ein Massaker an. Die Franzosen schlugen sie dann zurück.

Das Trauma sei im dominikanischen Bewusstsein weiterhin präsent und werde bei Gelegenheit politisch ausgeschlachtet, erklärt Weiss. Der Alltagsrassismus gegen die haitianische Bevölkerung sei aber auch darauf zurückzuführen, dass zwei Kulturen aufeinandertreffen, die recht wenig gemeinsam haben: Die Menschen aus Haiti sind schwarz, sprechen ein französisches Kreolisch, viele sind Analphabeten und bitterarm. Der haitianische Staat ist disfunktional bis anarchisch.

Blick auf den Strand von Bayahibe
Legende: Blick auf den Strand von Bayahibe in der Dominikanischen Republik. Der Anteil des Tourismus an der gesamten Wirtschaftsleistung beträgt acht Prozent. Entsprechend stark hat die Corona-Pandemie das Land getroffen. imago images

Dominikanische Republik – eine andere Welt

Die Dominikaner auf der anderen Seit sind Mischlinge, eher hellhäutig, sprechen Spanisch und leben in einem Land, das zwar nicht reich ist, aber doch ein funktionierendes Staatswesen hat. Es ist seit den 1980er-Jahren eine Demokratie mit einer einigermassen stabilen, diversifizierten Volkswirtschaft. «Die beiderseitige Grenze ist nicht einfach eine Grenze, sondern sozial und wirtschaftlich ein Abgrund», so Weiss.

Neben Rassismus, wirtschaftlichen Abgründen und politischen Problemen geht es laut Weiss aber auch um Umweltprobleme, was einem beim Flug über die Grenze bewusst werde: Auf die relativ grüne und naturbelassene Seite der Republik folgt unmittelbar die karge Landschaft Haitis, da alle Wälder für Brennholz abgeholzt wurden: «Weil die Umwelt Haitis völlig zerstört ist, funktioniert auch die Landwirtschaft nicht mehr.»

Es ist ein Problem, das laut Weiss nur mit gemeinsamen Anstrengungen gelöst werden kann. Die internationale Gemeinschaft habe zwar viel Geld in Haiti gesteckt, dabei aber immer vernachlässigt, dass die Dominikanische Republik miteinbezogen werden müsste – um auf dieser Insel eine gemeinsame Lösung zu finden.

SRF 4 News, 03.03.2021, 10:20 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Kalt Kalt  (H.J.Kalt)
    Das Thema entspringt nicht der Idee vom jetzigen Präsidenten Luis Abinader. Das Thema war schon aktuell 2013, und durch die Gruppe "Nationales Netzwerk zur Verteidigung der Souveränität“ angestoßen worden. Auch der Ex-Bildungsminister Ing. Pedro Porrello machte sich 2015 für den Mauerbau stark. Auch unter ex Präsident Lic. Danilo Medina war der Mauerbau ein Thema, und fand Zuspruch. Ich hoffe L. Abinader zieht das durch.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Fuer jeden Meter Mauer der in Berlin gefallen ist werden 100 Meter neue gebaut, irgendwo auf der Welt.
  • Kommentar von Eriq Aeschlima  (UbErich)
    Ein Zaun zwischen zwei Länder ist immer eine schlechte Lösung. Aber grüne Dominikanische Republik neben kargem, baumlosen Haiti, Arbeit und Tourismus in der DomRep gegen nichts! Zudem jeder für sich in Haiti, kaum etwas für die andern und kein 'Team Spirit'. Nach 50 Jahren zuschauen frage ich mich ob Haiti es je selbständig aus dieser Misere schafft. Vielleicht sollte die UN Haiti für 20 Verwalten und eine funktionierende Infrastruktur aufbauen, Bäume pflanzen und Tourismus neu starten.