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Legende: Audio Journalistin Silke Diettrich: «Verifikation der Videos ist schwierig» abspielen. Laufzeit 06:38 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.08.2019.
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Konflikt in Kaschmir Schwere Foltervorwürfe gegen die indische Armee

Geschlossene Geschäfte, gekapptes Internet, gefolterte Kaschmiri – und ausländische Journalisten dürfen nicht einreisen.

«Ich habe zu Allah gebetet, sie sollen mich erschiessen. Die Folter war unerträglich.» Das sagt ein Kaschmiri über die indische Armee in einem Video der BBC. Darin werfen mehrere Männer dem Militär in der Konfliktregion Kaschmir brutales Vorgehen gegen Andersdenkende vor. Die indische Armee kontert: Die Vorwürfe seien haltlos, die Menschenrechte würden respektiert.

«Sie haben uns getreten und mit Stangen geschlagen. Wenn wir in Ohnmacht fielen, gaben sie uns Elektroschocks, um uns wieder zurückzuholen», sagt einer. Ein anderer Mann erzählt, ein indischer Soldat hätte ihnen Erde in den Mund gestopft, damit sie aufhören zu schreien. Im Video sieht man blau geschlagene Beine und wunde Rücken. Die Opfer bleiben anonym.

Anfang August hatte Indien der indischen Kaschmir-Region den Autonomiestatus entzogen. Seither gab es mehrere Demonstrationen in der von der Aussenwelt abgeriegelten Region – die Kommunikation über Internet und Telefon ist noch immer blockiert, die Geschäfte sind geschlossen. Laut Medienberichten schränken zudem Zehntausende Soldaten die Bewegungsfreiheit der Bewohner ein.

Karte mit Pakistan, Kaschmir und Indien
Legende: Seit der Unabhängigkeit Indiens und der Gründung des Staats Pakistan 1947 streiten die beiden Länder um die Herrschaft über Kaschmir. Sie führten bereits zwei Kriege um das Himalaya-Tal. SRF

Ausländische Journalisten dürfen nicht in die Region einreisen. Silke Diettrich berichtet aus der indischen Hauptstadt Neu Delhi für die ARD. Sie sagt: «Wir alle arbeiten mit indischen Journalisten zusammen. Diese gehen in die Region, sammeln Töne und Bilder, steigen wieder in den Flieger und bringen das Material nach Delhi. Daraus machen wir, und auch die BBC, unsere Berichte.»

Es gab bereits in der Vergangenheit Foltervorwürfe gegen die indische Armee – diese konnten bisher aber noch nie nachgewiesen werden. «Das ist auch fast ein Ding der Unmöglichkeit», sagt Diettrich. Die BBC zeigt in einem anderen Video Bilder eines Protests, der laut einer ersten Stellungnahme der indischen Regierung nie stattgefunden hat. Darin: Schüsse, Tränengas, aber keine Soldaten.

Feuer und Steine auf den Strassen Kaschmirs
Legende: Explosion einer Tränengasgranate in Srinagar im indischen Kaschmir: Nach der Aufhebung des Sonderstatus für den Teilstaat gab es mehrere Proteste. Reuters

Journalisten bekommen häufig Einladungen oder Whatsapp-Nachrichten des indischen Aussenministeriums, erzählt Diettrich. «Sie präsentieren Videos aus Kaschmir, die einen friedlichen Alltag zeigen; die Menschen spazieren auf der Strasse und kaufen ein. Sie sagen, es habe bislang keinen Einsatz von scharfer Munition und keine Toten gegeben.» Das pakistanische Aussenministerium hingegen zeige Bilder von Blutlachen und Steinen auf der Strasse.

Mann steigt durch Fenster in einen Zug ein
Legende: Fliehen, solange es noch möglich ist: Indische Wanderarbeiter, die im Kaschmir-Tal arbeiteten, nehmen den nächsten Zug zurück in die Heimat. Dies, nachdem Indien den Autonomiestatus Kaschmirs aufgehoben hat. Keystone

«Wir können die Videos und Bilder kaum verifizieren», so Diettrich. «Die Propagandaschlacht zwischen Pakistan und Indien ist momentan riesig.» Und doch seien Medienschaffende wegen der Einreise auf die Bilder angewiesen. Wer hat recht? «Vermutlich beide Seiten. Kaschmir ist ein grosses Gebiet. Wahrscheinlich herrscht der Konflikt nicht überall. Aber durch die grosse Präsenz der Soldaten kann man davon ausgehen, dass vieles unterdrückt wird», so die Journalistin.

Die UNO hat in der Vergangenheit sowohl Indien wie Pakistan mehrfach Menschenrechtsverletzungen im umkämpften Kaschmir vorgeworfen. Gegen Demonstranten werde Schrotmunition eingesetzt, die schon zahlreiche Menschen das Augenlicht gekostet habe. Die Gewalt gegen Andersdenkende sei exzessiv, hielt sie fest.

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