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Legende: Audio Ebola und Krieg erschweren Wahlen in Kongo-Kinshasa abspielen. Laufzeit 02:24 Minuten.
02:24 min, aus HeuteMorgen vom 17.12.2018.
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Kongo-Kinshasa vor den Wahlen An die Urnen – während draussen der Tod umgeht

Schwierige Umstände für die Wahlen: Täglich rafft das Ebola-Virus Menschen dahin, und der Bürgerkrieg tobt weiter.

In Kongo-Kinshasa, dem ehemaligen Zaire, sollte am Sonntag eigentlich ein neuer Präsident gewählt werden. Der autokratisch regierende Präsident Joseph Kabila hatte die Wahlen in den vergangenen zwei Jahren immer wieder verschoben. Und trotz Protesten der Opposition wurde der Wahlgang am Freitag kurzfristig um eine Woche verschoben.

Ausgelöst wurde das Problem durch einen Grossbrand in einem Lager der Wahlkommission in der Hauptstadt Kinshasa vergangene Woche, bei dem Wahlunterlagen und tausende Wahlmaschinen zerstört wurden.

Doch auch kommende Woche dürften die Wahlen schwierig werden: Im Osten wütet ein Bürgerkrieg und die Stadt Beni leidet unter dem schlimmsten Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes. Mehr als 300 Menschen sind inzwischen an Ebola gestorben, mehr als 500 am Virus erkrankt.

Not und Elend im Osten des Landes

Das Land kennt sich aus mit Ebola. Es ist bereits die zehnte Epidemie, die im riesigen Land im Herzen Afrikas wütet. Doch diese Epidemie ist anders. Sie ist grösser und viel schwieriger zu kontrollieren.

Denn die betroffene Region ist ein Kriegsgebiet. Das behindert die Arbeit der humanitären Organisationen, wie der Leiter der IKRK-Ebola-Task-Force, Nicolas Lambert, erläutert: «Manchmal drückt die Bevölkerung ihre Wut über den Konflikt damit aus, dass die ganze Stadt die Arbeit niederlegt. ‹Ville morte› nennt man das.»

Gerüchte grassieren. Etwa, dass es Ebola gar nicht gebe oder dass das Virus erfunden wurde, um die Menschen auszulöschen.
Autor: Nicolas LambertIKRK-Mitarbeiter

Doch an diesen Tagen könne der Kampf gegen Ebola nicht weitergeführt werden. Bei einer Epidemie wie Ebola zähle jede Stunde. Kommt dazu, dass die Kriegshandlungen den Zugang zur Bevölkerung erschweren. Und die vielen Vertriebenen verschleppen das Virus.

Nicolas Lambert.
Legende: IKRK-Mitarbeiter Nicolas Lambert kämpft im Kongo gegen die Ebola-Epidemie. Manche sehen in der Seuche das kleinere Übel als in den marodierenden Rebellen im Bürgerkriegsland. SRF | Anna Lemmenmeier

Auch das Misstrauen der Bevölkerung stelle eine grosse Herausforderung dar, so Nicolas Lambert: «Gerüchte grassieren. Etwa, dass es Ebola gar nicht gebe oder dass das Virus erfunden wurde, um die Menschen auszulöschen. Doch von allem, was ich bisher gehört hatte, hat mich am meisten beunruhigt, dass einige Menschen sagten: Lieber sterbe ich an Ebola, als dass wir weiterhin von den Rebellen massakriert werden.»

«Die Bevölkerung muss über Ebola aufgeklärt werden»

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Carole Zen Ruffinen.

Örtliche Gesundheitsbehörden, Hilfsorganisationen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versuchen, den Menschen im Ebola-Gebiet im Osten Kongos zu helfen und die Seuche in den Griff zu bekommen.

Eine äusserst schwierige Aufgabe, bestätigt die Schweizer Apothekerin Carole Zen Ruffinen. Sie war für Médecins sans Frontières Einsatzleiterin in der Region und hat dort unter anderem eine Impfkampagne und das Projekt eines Behandlungszentrums betreut.

Die Leute in der Region hätten Ebola bislang nicht gekannt und Angst, sagt Zen Ruffinen: «Die meisten Gerüchte haben damit zu tun, dass die Bevölkerung nicht über das Virus aufgeklärt wurde.» Dies nachzuholen, sei eine der wichtigsten Aufgaben der Helfer vor Ort: «Wir müssen den Menschen die Gewissheit geben, dass es eine Krankheit ist, gegen die man etwas unternehmen kann und die nicht einfach tödlich verläuft.»

Dafür arbeite man mit Psychologen vor Ort zusammen, aber auch mit Überlebenden: «Diese Menschen gehen in ihre Gemeinden zurück und sollen Hoffnung spenden. Sie können zeigen, dass man Ebola überleben kann, wenn man sich möglichst schnell in Behandlung begibt.»

Ausserdem ist Ebola bei dieser Epidemie in zwei Grossstädten angekommen. Das heisst Hunderttausende Menschen, viel Bewegung, ein ideales Umfeld für ein Virus, so Lambert: «Die Epidemie ist nicht unter Kontrolle. Weil all diese Faktoren, der Konflikt, die vielen Menschen unterwegs in der Stadt nicht kontrollierbar sind.» Nun stehen auch noch die Wahlen an, die eine zusätzliche Belastung darstellen.

Das lange Warten auf Normalität

Doch es stellen sich auch logistische Fragen. Der Kongo setzt dieses Jahr Wahlmaschinen mit Touch-Screens ein. Wie sicher ist das im Ebola-Gebiet, wo das Virus durch reines Berühren übertragen werden kann?

Das kongolesische Gesundheitsministerium verspricht auf jeden Fall, dass die Wahlen durchgeführt werden – auch in der Konflikt- und Ebola-Zone im Osten des Landes. Darauf haben die Kongolesen schliesslich zwei Jahre lang gewartet.

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