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International Korruption ist auch in Europa verbreitet

«Bestechung gibt es nur in Drittweltländern.» Wer so denkt, liegt falsch. Denn auch in Europa ist Korruption eine Realität. Der Schaden in der Europäischen Union beträgt pro Jahr um die 120 Milliarden Euro. Doch was will die EU dagegen tun?

Legende: Video « EU will Kampf gegen Korruption intensivieren» abspielen. Laufzeit 3:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.02.2014.

Der erstmals veröffentlichte Korruptionsbericht der EU-Kommission lässt aufhorchen: Bestechungen schädigen die Wirtschaft in der Europäischen Union pro Jahr um 120 Milliarden Euro. Das ist ein ganzes Jahresbudget der EU.

Die Summe schätzt SRF EU-Korrespondent Urs Bruderer als nicht allzu hoch ein: «Das klingt erschreckend hoch, aber es entspricht nur einem Prozent der jährlichen Leistung der Wirtschaft in der EU. Weltweit schätzt man zum Beispiel, dass 5 Prozent der jährlichen Leistung der Wirtschaft wegen der Korruption verschwinden.» So gesehen stünde die EU nicht schlecht da, falls die Zahlen stimmten, meint er.

Schätzung zu tief

«Korruption untergräbt das Vertrauen der Bürger in demokratische Institutionen und Rechtsstaatlichkeit, sie schädigt die europäische Wirtschaft. Und sie entzieht Staaten dringend benötigte Steuereinnahmen», sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Weiter habe sie gesagt, sie vermute, dass die Schätzung zu tief sei. Das wahre Ausmass sei viel grösser, sagt Urs Bruderer, EU-Korrespondent von SRF.

«Die Schätzungen wurden von Organisationen wie Transparency International oder der UNO schlicht übernommen. Die EU hat nicht selber eine Rechnung angestellt», sagt Bruderer.

Die Mitgliedsländer hätten zwar schon viel im Kampf gegen Korruption unternommen, aber das sei bei weitem noch nicht genug, hielt die Kommissarin fest. «Die meisten betroffenen Länder haben Antikorruptionsbehörden geschaffen, Gesetze erlassen und Bussen eingeführt», sagt Bruderer. Allerdings habe es bisher bei der Umsetzung gehapert.

Malmström präsentierte deshalb einen Massnahmenkatalog. Damit will die Kommission die Länder im Kampf gegen Schmiergeldzahlungen unterstützen. Dazu gehören Vorschläge, wie die Transparenz erhöht und interne Kontrollmechanismen verbessert werden können.

EU-Bürger fühlen sich von Korruption betroffen

Eine Umfrage im Auftrag der Brüsseler Behörde bringt es an den Tag: Mehr als die Hälfte der befragten EU-Bürger ist überzeugt, dass Bestechung während der Verschärfung der Euro-Schuldenkrise zugenommen habe. Drei Viertel glauben, Korruption sei in ihrem jeweiligen Heimatland weit verbreitet.

Von den Befragten in Griechenland sind 99 Prozent dieser Meinung, gefolgt von denjenigen in Italien (97 Prozent), Litauen, Spanien und Tschechien (jeweils 95 Prozent).

Am wenigsten glauben die Schweden (54 Prozent), dass in ihrem Land das Verteilen oder die Annahme von Schmiergeld weit verbreitet ist. Eine ähnliche Verteilung findet sich bei den befragten Firmen in den jeweiligen Ländern.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    In der Schweiz nennt man das nicht Bestechung, sondern einen Dienst unter Freunden! Vetternwirtschaft, Absprachen und künstlich den Preis hoch halten. All dies geschieht absolut legal und täglich! Es ist ein Teil der schweizer Mentalität. Und hätten wir keine Reporter oder ausländische Freunde die genauer hinsehen, würde das auch noch in 100 Jahren "normal" sein. Denn die schweizer Bevölkerung sieht weg! Apropos, die EU jagt kleine Steuersünder, schützt aber korrupte Beamte, Politiker und Bosse
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  • Kommentar von Heinrich Gretler, Seldwyla
    Das Kapitel über EU-Institutionen in einem von der Europäischen Kommission beauftragten Korruptionsbericht bleibt unter Verschluss. Aufgrund mangelnder externer Bewertung, sei eine Einschätzung nicht möglich, sagt die EU-Kommissarin für Inneres, C. Malmström. Ihren ersten 2-Jahresbericht präsentiert sie mit einem halben Jahr verspätung. Deutlicher darfs in diesem Forum nicht gesagt werden. Alles klar!?
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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Weißenstadt
    Das hier ist eine Erhebung auf EU-Ebene und die EU-Kommission hat lediglich einen Korruptionsbericht erstellt.Verantwortlich für die Bekämpfung von Korruption ist jedoch jedes einzelne der 28 Mitgliedsländer selbst. Allerdings sind, wie hier wieder mal nachzulesen, gewisse übereifrige Kommentatoren unfähig oder nicht willens diesen feinen Unterschied zu erkennen. Egal wie die Sache liegt, man liest EU und schon wird kräftig auf sie eingeprügelt.
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