Lirik Qerimi will schon bald ein Eigenheim kaufen. Der 23-jährige Pilot ist für seinen Traumberuf nach Pristina gezogen und wohnt in einer modernen Mietwohnung.
Der Wunsch nach einem Eigenheim sei im Kosovo kulturell tief verankert, sagt er: «Es gibt wohl kein anderes Land der Welt mit einer höheren Hauseigentümerquote», sagt Qerimi. Tatsächlich liegt der Wert weit über 90 Prozent.
Früher lebten die Menschen im Kosovo oft als Grossfamilie in mehreren Generationen unter einem Dach. Mittlerweile hat sich das Kleinfamilienmodell durchgesetzt. Der Wunsch nach einem Eigenheim ist aber geblieben. Das ist ein Grund für den Bauboom.
Ein weiterer ist die Anziehungskraft der Hauptstadt. Viele ziehen wie Lirik Qerimi für den Job hierher. Das führt zu Wachstumsschmerzen: Die Infrastruktur kann nicht mithalten, ein Verkehrschaos mit langen Staus ist die Folge.
Unternehmer Gani Zymberi führt den interessierten Piloten durch eine grosszügige Wohnung. Sie steht in einem fast fertig gestellten Neubau in New Pristina, einem neuen Stadtquartier. Der junge Pilot ist begeistert.
Allerdings dürfte die Bezahlung bei 1850 Euro pro Quadratmeter schwierig werden, gibt er zu bedenken, und der Preis dürfte weiter steigen. «In den beiden nächsten Gebäuden wird der Quadratmeter mindestens 150 Euro mehr kosten», rechnet Zymberi.
Bei im Kosovo üblichen Monatslöhnen von unter tausend Euro ein stolzer Preis, doch mittlerweile normal in der Hauptstadt. Die Immobilienpreise steigen stetig. Laut Schätzungen hat sich der Quadratmeterpreis in Pristina zwischen 2014 und 2024 verdoppelt.
Ein Treiber ist auch die grosse Diaspora. Das in der Schweiz oder Deutschland verdiente Geld wird in Wohnungen investiert. Etwa ein Drittel seiner Wohnungen habe er an Personen aus der Diaspora verkauft, sagt Zymberi. Die Wohnungen dienen als Zweitwohnungen oder als Anlage für die Zukunft.
Das entstehende Quartier New Pristina soll das verstopfte Zentrum entlasten, erklärt Architekt Bledion Baraliu: «Ministerien und andere Institutionen werden an den Stadtrand verlegt.»
Mit der Erschliessung des neuen Gebiets liessen sich Versäumnisse aus der Vergangenheit korrigieren. Etwa könnte der öffentliche Verkehr mitgedacht werden, der bislang kaum existiert. Lange habe in Pristina Wildwuchs geherrscht. Gebäude seien ohne Planung errichtet worden, oft sogar ohne Baubewilligung. Doch diese Zeiten seien mehrheitlich vorbei.
Der Architekt sieht in der Entwicklung des Landes einen neuen Abschnitt gekommen. In der ersten Zeit nach dem Krieg vor 25 Jahren brauchten die Menschen ein Dach über dem Kopf. Jetzt sei ein gewisser Wohlstand entstanden, der es erlaubt, grossflächiger zu bauen und zu entwickeln. Dies ist ein weiterer Grund für den aktuellen Boom, dessen Ende bislang nicht abzusehen ist.