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Trumpcare Debatte Krebskranker John McCain zurück im Senat

Legende: Video «John McCain will eine Debatte» abspielen. Laufzeit 1:22 Minuten.
Vom 26.07.2017.
  • Der US-Senat hat seinen ersten Schritt zur Abschaffung von «Obamacare» unternommen.
  • Er stimmte am Dienstag mit der knappest möglichen Mehrheit dafür, eine Debatte über ein Alternativgesetz zu eröffnen.
  • Alle 48 Demokraten stimmten mit Nein.
  • Die 50. Stimme kam von Senator John McCain, der trotz einer Gehirnoperation und einer dabei diagnostizierten Krebserkrankung eigens zur Abstimmung nach Washington gekommen war.
  • Es gehe ihm mit seinem Ja lediglich um eine Debatte. Inhaltlich könne er der bislang vorgelegten Gesetzgebung nicht zustimmen.

Bewegende und bemerkenswerte Rede

McCain rief seine Kollegen leidenschaftlich dazu auf, bei allem Streit in der Sache wieder überparteilich zusammenzuarbeiten.

Freunde - wir bekommen überhaupt nichts geregelt.

Dazu warnte der 80-Jährige, gezeichnet von einer langen Narbe über dem Auge, vor Mauscheleien hinter verschlossenen Türen.

Der demokratische Senator Bernie Sanders sagte, das ganze Verfahren sei eine Travestie. Das Gesetz sei hinter geschlossenen Türen geschrieben worden, es habe keine einzige Anhörung gegeben. Mehrere Demokraten protestierten in scharfer Form gegen die Entscheidung.

Die Abstimmung wurde von Protesten und Rufen wie «Schande» oder «Don't kill us, kill that bill» (etwa: «Tötet nicht uns, sondern schafft dieses Gesetz ab») von den Zuschauerrängen des Senats begleitet.

Alles-oder-Nichts-Szenario

Die Führung der Republikaner und Trump selbst hatten über Tage eine Art Alles-oder-Nichts-Szenario aufgebaut: Wer dagegen stimme, die Abschaffung von «Obamacare» in Gang zu setzen, stimme für das Werk von Trumps Amtsvorgänger. Gegen «Obamacare» laufen die Republikaner seit Jahren Sturm: Sie halten das Gesetz für einen Übergriff des Staates und für Sozialismus, ausserdem trägt das Gesetzeswerk Barack Obamas Namen. Eine mehrheitsfähige Alternative zu der von vielen für die USA als historisch bezeichneten Versicherung hatte die Partei gleichwohl nicht entwickelt.

Reformvorschläge gesucht

Trump hatte zuletzt grossen Druck auf die republikanischen Senatoren ausgeübt. Mehrheitsführer Mitch McConnell sagte, nach Jahren der Debatte müsse man nun ein Versprechen einlösen. Für den gewieften Strippenzieher war der Dienstag letztlich ein grosser Schritt, wenn auch noch kein endgültiger.

Erst vergangene Woche waren die vorerst letzten Versuche der Republikaner am Widerstand aus den eigenen Reihen gescheitert, einen mehrheitsfähigen Reformvorschlag zu «Obamacare» vorzulegen. Manchen Republikanern ging er zu weit, anderen nicht weit genug.

Unabhängige Analysen bescheinigten allen bisher diskutierten Vorschlägen der Republikaner gravierende Verschlechterungen für die Gesundheitsvorsorge von mehr als 20 Millionen US-Amerikanern.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Astrid Etter (Raja)
    Warum kann man mit 80 Jahren nicht einfach noch die Zeit mit der Familie und Bekannten geniessen und erst noch wenn man an Krebs erkrankt ist, ist das doch viel wichtiger statt man sich noch mit solchen Themen beschäftigt. Wie ich gelesen habe hat er auch vier Enkel und sollte doch die Zeit einfach noch geniessen können.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Die USA geben für ihren militärindustriellen Komplex über 1000 Mrd. pro Jahr aus. Während Jahrzehnten zetteln sie Kriege an, die ihnen hunderte wenn nicht tausende von Mrd. kosten. Aber sie sind nicht fähig, eine Krankenversicherung für alle zu organisieren und zu finanzieren.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Einfach für McCain über die Abschaffung von Obamacare abzustimmen, denn seine Operationen werden ja von staatlicher Seite übernommen. Dass er sich nicht schämt?!
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    1. Antwort von Steve Rasmussen (rast)
      Ich frag mich nur immer wieder, wie wenig man von der Materie verstehen muss, um zu denken, es geht hier um kostenlose "Health Care" für alle, die durch Obamacare möglich gemacht wurde, und die die Republikaner jetzt abschaffen wollen. Der Grund, dass es überhaupt zur Debatte kommt, ist doch dass Obamacare für eine Mehrheit nicht funktioniert und horrende Kosten verursacht! Ja, McCain hat genug Geld für seine Behandlung, aber es ist lange nicht sein Fehler, dass viele andere es nicht haben!
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    2. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Der müsste sich noch wegen ganz anderer Dinge schämen - und tut es doch nicht. Im Gegenteil: Er ist noch stolz darauf.
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