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Legende: Audio Kaum mehr Rückhalt für Nato-Einsatz in Afghanistan abspielen. Laufzeit 03:13 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 26.04.2019.
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Krieg in Afghanistan Die Nato-Mission wird in Frage gestellt

Zahlen aus Afghanistan zeigen, dass Sicherheitskräfte und die Nato mehr Tote auf dem Gewissen haben als die Taliban.

Der Krieg in Afghanistan ist weltweit einer der blutigsten. Bisher wurden die meisten Zivilisten von den Taliban und anderen dschihadistischen Gruppen getötet.

Doch im ersten Vierteljahr 2019 sah es anders aus: Afghanische Sicherheitskräfte und Nato-Truppen haben erstmals mehr Todesopfer auf dem Gewissen. Das wirft neue Fragen auf zum umstrittenen Truppeneinsatz am Hindukusch.

Zahl der Gewalttaten nimmt ab

Die gute Nachricht: Gemäss neuesten Zahlen der UNO war die Zahl der Gewalttaten in Afghanistan in den vergangenen Monaten rückläufig – verglichen mit derselben Periode in den Vorjahren. Vor allem, weil die Taliban weniger Terroranschläge verübt haben.

Weshalb das so ist, lässt sich nur vermuten: Es kann am garstigen Winter liegen, der Kampfhandlungen behinderte. Oder daran, dass die Islamisten immer weitere Teile des Landes ohnehin kontrollieren, also dort keine Sprengsätze mehr zünden. Oder daran, dass die geplanten Friedensverhandlungen zu einer Beruhigung führen.

Steigende Anzahl an zivilen Opfern

Die schlechte Nachricht hingegen lautet: Pro-Regierungskräfte, zu denen auch die Nato-Truppen gehören, haben zwischen Januar und Ende März erstmals mehr Zivilisten getötet als die Dschihadisten. 305 Tote gegenüber 227. Bei der Zahl der Verletzten ist das Verhältnis allerdings umgekehrt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani argumentiert damit, die Kämpfer der Taliban und des sogenannten Islamischen Staat würden sich in Privathäusern, Schulen und Spitälern verschanzen und seien somit die eigentlichen Schuldigen dafür, dass es so viele zivile Tote gebe. Das trifft zu – ist aber kein neues Phänomen. Es entsprach immer schon der menschenverachtenden Taktik der Islamisten.

Die Nato beteuert, sie gebe sich allergrösste Mühe, durch Präzisionsschläge zivile Opfer zu vermeiden. Tatsache aber ist: Offenbar gelingt das allzu oft nicht. Der US-Sonderemissär für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, drückt sein Bedauern über diese von der UNO dokumentierte Entwicklung aus.

«Kollateralschäden» irritierend hoch

Richtig ist: Taliban, IS oder Al-Kaida greifen ganz bewusst Zivilisten an. Die Regierungstruppen und die Nato hingegen versuchen, zivile Opfer zu vermeiden. Doch die Zahl der sogenannten «Kollateralschäden» ist irritierend hoch. Anscheinend sind die afghanischen Sicherheitskräfte ihrer Aufgabe trotz jahrelanger Ausbildung und Beratung durch westliche Militärs nicht gewachsen.

Aber auch auf Nato-Seite mangelt es vor Luftangriffen an hinreichend sorgfältigen Vorabklärungen, um zu verhindern, dass dabei Zivilisten umkommen.

Nato-Mission wird in Frage gestellt

Für die afghanische Regierung und ihren Unterstützer, die Nato, sind die jüngsten Zahlen der UNO-Afghanistanmission Unama verheerend. Sie untergraben die Glaubwürdigkeit der nationalen Sicherheitskräfte. Und sie verringern den Rückhalt für den Einsatz der Nato am Hindukusch gewaltig: Sowohl in der afghanischen Bevölkerung als auch bei den Bürgern all jener westlichen Länder, die in Afghanistan Truppen stellen.

Die Nato-Mission, die in den Augen mancher ohnehin schon viel zu lange dauert und viel zu wenig erfolgreich ist, wird nun erst recht infrage gestellt.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Zur Erinnerung, da offensichtlich viele Kommentareschreiber keine Ahnung von Geschichte haben. Nach den Anschlägen von 9/11 im Jahre 2001 bei welchen gegen 3000 Menschen ums Leben gekommenen sind und sich der Hauptschuldige in Afghanistan versteckte, hat das US Justizministerium einen Rechtshilfeantrag auf Auslieferung gestellt. Dieser wurde von den Taliban abgelehnt. Danach drangen US Sondereinheiten in das Land ein und besiegten zusammen mit afghanischen Clans die Taliban.
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    1. Antwort von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
      Das ist Falsch, es vergingen 3 Wochen von 9/11 bis zum Einsatz in Afghanistan. Es gibt eine UN Resolution die aber keine Stationierung von Truppen erlaubte. Es gab zwar ein Auslieferung Antrag, die Taliban Sagten jedoch sie wissen nicht wo bin Laden sei. Das er in Afghanistan sei, wissen sie nicht. In 2 Wichen kann kein Ausliferungsverfahren durchgeführt werden. Das hat Pugemon gezeigt und wird auch Assange zeigen.Wie lange ust das her das Assange verhaftet wurde?Wird GB gebommt nach 2 wochen?
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    2. Antwort von Paul Graber  (PG)
      Herr Blatter - der angeblich Hauptschuldige. Bei all den Ungereimtheiten welche sich im Fall 9/11 ergeben haben, darf man zumindest Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse anmelden. Zudem, seit wann dringt man in ein fremdes Land mit Armeeeinheiten ein, nur weil ein Rechtshilfegesuch abgelehnt wurde? Das ist ein grober Verstoss gegen jedes Recht. Auch die Hinrichtung Osama bin Ladens in Pakistan. Ein klarer Verstoss gegen die Souveränität eines Landes...
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    3. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @Blatter: Meines Wissens wurde der Rechtshilfeantrag abgelehnt, weil die USA keine Beweise für die Täterschaft bin Ladens vorlegten. Die haben sie zu jenem Zeitpunkt auch ihren Nato-Verbündeten nie präsentiert, nur versprochen.
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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Wie kann es zu mehr Todesopfer aber weniger Verletzten kommen? Dies ist bei einer kriegerischen Auseinandersetzungen schlichtweg unmöglich.
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    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Natürlich ist das möglich. Dabei ist einfach die Frage welche Waffen benutzt werden.

      Während die Taliban "Splitterbomben" und Co benutzen, ist bei den Nato Truppen eher Präzision gefragt, aber nicht minder starke "Bomben". Die ungenauen Talibanwaffen verursachen so mehr Betroffene, sind aber weniger "tödlich". Die Präzisionsangriffe hingegen töten sehr effektiv, machen aber weniger Schaden im Umkreis.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter  (KallePalle)
    Hören Sie doch mit dem Bashing gegen die USA auf. Das sind doch Methoden aus dem Kalten Krieg, Untersuchen Sie mal die Methoden von Putin & Co.
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    1. Antwort von S. Petrovic  (S.Petrovic)
      Wollen Sie sagen das Tötung von Zivilisten nicht stattgefunden hat ?
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    2. Antwort von Stanic Drago  (Putinversteher)
      Was hat das mit Bashing zu tun? USA hat in ihren 250 Jahre alte Geschichte nur 30 Jahre kein Krieg gemacht. Ja machen wir vergleich mit Putin. In Süd Osetien hat Sakaschwili angegriefen, in Ukraine Putsch inszeniert von USa und in Syrien islamische Terroriste unterstüzt von USA, KSA und EU. Inzwischen hat USA Serbien, Irak, Syrien, Jemen, Afghanistan, Somalia, Pakistan, Sudan, Libyen bombardiert. Ich weiss nicht mal ob ich alle gezelt habe.
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    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Stanic Drago: Um fair zu bleiben: Wenn Sie schon 250 Jahre zurückgehen müssen, um soviel Elend, welches die USA offenbar der Welt gebracht hat zusammenzufassen, dann reichen bei der Sowjetunion schon weniger als 100 Jahre um ein mehrfaches an Elend aufzuzeigen. Stalins (übrigens ein Georgier) Regime vielen etwa 6 Millionen Menschen zum Opfer (Hunger, Ermordung, Säuberungen). Übrigens, die sowjetische Armee stand bereits vor der NATO auch schon in Afghanistan und ist dort glorios gescheitert.
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    4. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @tleu: Um solche Vergleiche fair anzustellen, sollte man gleiche Zeitspannen einander gegenüberstellen. Z. B. von 1945 bis heute, oder ab 1990, nach dem Zerfall der SU. In diesen beiden Fällen kann Russland/SU den USA nicht das Wasser reichen, wenn es um Anzahl der geführten Kriege und verursachte zivile Opfer geht. Insbesondere wenn man noch die Langzeitschäden durch Agent Orange in Vietnam und Uranmunition in Irak, Serbien und Syrien (?) mit einkalkuliert.
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    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Sebastian Mallmann: Mit Verlaub! Das ist Geschichtsverklitterung. Der Korea- und der Vietnamkrieg, um nur die schlimmsten zu nennen, wurden von den kommunistischen Staaten Sowjetunion & China angezettelt, die ihre krude Ideologie über die ganze Welt verbreiten wollten. Die USA und ihre Alliierten hätten diese Schlachten nie führen müssen, wären diese Kriege nicht von den beiden UNO-Sicherheitsratsmitgliedern Sowjetunion und China vom Zaun gerissen worden. Die Folgen haben wir immer noch in NK.
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    6. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @tleu: Den Vietnamkrieg haben die USA angefangen und auch gewollt. Der Tonkin-Zwischenfall (eine unverschämte Lüge) wurde als Anlass genommen, die Truppenkontingente in Vietnam aufzustocken. Die amerikanische Einmischung war völkerrechtswidrig, befeuerte den Konflikt massiv und hatte 1-2 Mio. zivile Opfer zur Folge. Die SU spielte nur eine Nebenrolle, die hatten gar keine Kampftruppen im Einsatz (China meines Wissens auch nicht).
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