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Krieg in Syrien Aushungern als Waffe

Östlich von Damaskus ist ein kleines Rebellengebiet seit vier Jahren abgeriegelt. Die UNO hat kaum Zugang zu Ghuta. Der Hunger greift um sich.

Junge auf einem Esel in einer Strasse mit zerbombten Häusern.
Legende: Am stärksten leiden die Kinder: Ghouta ist seit vier Jahren abgeriegelt und unter Beschuss. Imago

Juliette Touma vom UNO-Kinderhilfswerk Unicef kann die schrecklichen Bilder hungernder Kleinkinder nicht mit letzter Gewissheit zuordnen, die letzten Monat auftauchten. Es gibt keine unabhängige Bestätigung, dass sie aus Gutha stammen.

Hungernde Kinder

Hungernde Kinder

Die Bilder, die letzten Monat aus den östlichen Vororten von Damaskus kamen, sind nur schwer zu ertragen: Sie zeigen bis auf die Knochen ausgemergelte Kleinkinder, denen vor Hunger offensichtlich die Kraft fehlt überhaupt noch zu schreien. Der Ursprung der Fotos ist jedoch nicht bestätigt, unabhängige Berichterstatter gibt es in dem Gebiet keine.

Aber Touma kann bestätigen, dass die Versorgungskrise in dem Gebiet unmittelbar östlich der syrischen Hauptstadt Damaskus gross ist. Die Unterernährung ist die naheliegende Folge.

Nur wenige Hilfskonvois kommen durch

«Vor ein paar Tagen war es erstmals überhaupt seit einem Monat wieder möglich, etwas Hilfe zu bringen», sagt Touma. Ein Konvoi sei in zwei kleine Orte im Gebiet Gouta eingelassen worden. Vor Ort hätten die Kollegen gesehen, dass die Bedürfnisse immens seien.

Trotz des Vormarschs der syrischen Regierungstruppen und ihrer Verbündeten in fast allen Landesteilen ist das kleine Gebiet östlich von Damaskus noch immer Rebellengebiet.

Mehrheitlich islamistische Kämpfer verschiedener Gruppierungen halten sich dort verschanzt. Sie versuchen dem Bombardement der Assad-Truppen zu trotzen, kämpfen aber auch immer wieder gegeneinander.

Keine Rücksicht auf Zivilisten

Das Regime belagert das rund 15 Kilometer lange und breite Gebiet seit vier Jahren. Es schnürt Ghuta von der Versorgung ab, um die Rebellen in die Knie zu zwingen. Es ist dies eine Taktik des Aushungerns, die auch anderswo in Syrien zur Anwendung kam. Rücksicht auf eingeschlossene Zivilisten wird keine genommen.

Fast eine halbe Million Menschen sollen in Ghuta noch ausharren. Seit Jahren bemüht sich die UNO Monat für Monat beim Regime Assad um Bewilligungen für Hilfslieferungen. Doch nur ein Bruchteil davon wird tatsächlich bewilligt.

Vereinbarung ohne Wirkung

Ghuta gehört zu jenen Zonen, in denen die Kämpfe gemäss den Vereinbarungen zwischen Russland, Iran, der Türkei und dem Assad-Regime im Prinzip reduziert werden sollen.

Doch der Beschuss und die Belagerung gehen offensichtlich weiter. Selbst Schulen und Kindergärten seien Ziel der Angriffe, berichtet Unicef. Die Rebellen ihrerseits schiessen zurück. Der UNO bleibt nicht viel mehr, als die Belagerung von Zivilisten und deren Beschuss zu verurteilen.

Kinder leiden ganz besonders

«Noch immer haben wir in Syrien keinen stabilen Zugang zu ungefähr zwei Millionen Kindern», sagt Unicef-Vertreterin Touma. Sie leben in belagerten Gebieten wie Ghuta oder in Gebieten, in denen immer noch gekämpft wird. Auch andernorts werde die Nahrungsmittel-Hilfe erschwert.

«Doch das darf nicht sein», sagt die Unicef-Sprecherin. Einmal mehr appelliert sie an alle Seiten im seit mehr als sechs Jahre dauernden syrischen Konflikt, die Zivilbevölkerung zu schützen. Und ganz besonders die Kinder.

Legende: Das Gebiet Ghouta liegt östlich von Damaskus. Dazu gehört auch die Stadt Duma. Das von den Assad-Truppen belagerte Gebiet hat einen Durchmesser von rund 15 Kilometern. SRF

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15 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    So tragisch es dort für die Menschen ist, hat diese Strategie des Aushungern von Städten schon in ganz frühen Kriegen statt gefunden. Fakt ist, dass in jedem Krieg, egal ob in der Gegenwart & Vergangenheit immer die Zivilbevölkerung die leidtragende war/ist. Solange Kriege geführt werden, sind es immer die "Schwächsten", welche am meisten darunter leiden müssen.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    SAA hat versucht in letzten Monat mehrmals mit einfache Mittel Jobar und Al Teima Bezirke in Ost Ghuta anzunehmen aber nach grössen verlusten müssten sie sich zurückziehen. Absichtlich hat Regierung verzichtet auf schwere Waffen und dadurch Blutzoll erhöht. Immerhin hat SAA geschaft, mehrere Tunels einzunehmen und Versorgung von Islamisten zu kapern. Leider es gibt genug korrupte Beamte und Soldaten so das Islamisten an Waffen nicht fehlt.
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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Man kann zwar einerseits die jahrelange Unterstützung sogenannter Aufständischer in einem souveränen Staat durch die Golfstaaten, die USA und Europa verschweigen. Das ist einfach lückenhafter Journalismus und wird von den meisten Leuten bereits beim Lesen einkalkuliert. Wenn dann aber im Nachhinein Entsetzen geheuchelt wird, wenn diese -gezielte- Unterstützung zu Opfern unter den Schwächsten führt, dann ist das immer wieder aufs Neue widerlich. Dieser Konflikt ist nicht vom Himmel gefallen.
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