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Die verlorene Generation in Syrien
Aus Rundschau vom 11.03.2020.
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Krieg in Syrien Die vergessenen Kinder von Idlib

Immer mehr Menschen fliehen aus der syrischen Provinz Idlib. In den letzten Monaten auch eine halbe Million Kinder.

In der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. Auf der Flucht vor dem Krieg im eigenen Land leben dort hunderttausende Syrer und Syrerinnen in Zeltstädten. Sie können weder über die Grenze in die Türkei fliehen noch in ihre Heimatdörfer zurückkehren.

Idlib ist die letzte Hochburg der Opposition. Der syrische Machthaber Assad ist entschlossen, die Region mithilfe russischer Truppen zurückzuerobern. Die Türkei will dies um jeden Preis verhindern. Die Menschen stecken fest. Am schlimmsten trifft die Situation die Kinder.

Flüchtlingslager «Atmeh»

50 Meter von der türkischen Grenze entfernt reihen sich zehntausende Zelte und provisorisch aufgestellte Unterkünfte des Flüchtlingslagers «Atmeh» aneinander. Es ist zum grössten Lager der syrischen Binnenflüchtlinge angewachsen.

Zeltstadt von oben gesehen
Legende: Im Flüchtlingslager «Atmeh» an der türkischen Grenze leben tausende Menschen in notdürftigen Zeltunterkünften. SRF

Die Familie von Mohammad und Layla lebt mitten im Lager, hinter Betonmauern. Seit mehr als einem Jahr sind sie aus dem Süden Idlibs nach Atmeh geflüchtet. Für ihre drei Kinder wäre die Schule gratis, jedoch kann sich die Familie weder den Transport zur Schule noch das Schulmaterial leisten.

Vater Mohammed leidet unter den Folgen eines Giftgas-Angriffs. Er bräuchte medizinische Hilfe. Priorität aber habe die Zukunft seiner Kinder: «Falls es eine Chance gibt, nach Europa zu fliehen, würde ich das für meine Kinder tun, damit sie dort eine richtige Ausbildung bekommen.»

Nicht nur an der Schulbildung mangelt es im Flüchtlingslager. Die Kälte dringt durch die Dach-Planen ins kahle Zimmer. Eine Heizung kann sich die Familie nicht leisten. In kalten Nächten herrschen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Mutter Layla erzählt unter Tränen: «Als ich morgens um sechs Uhr aufwachte und zum Kind schaute, sah ich, dass etwas nicht in Ordnung war. Die Hand des Kindes war eiskalt. Wir fuhren ins Spital. Doch das Kind war schon erfroren.»

Bildung und ein Lachen für Kinder

15 Kilometer entfernt von diesem Elend, in den Bergen bei Tal Adeh, befindet sich ein weiteres Zeltlager. Scharen von kleinen Kindern rennen durch die Felder auf denen weisse und blaue Zelte stehen. Sie haben den Frieden in Syrien nie gekannt. Und trotzdem: Sie haben Glück im Unglück.

Eines der Zelte ist eine Schule. Dem Lehrer ist es wichtig, dass die Kinder weiterhin unterrichtet werden. Das ist auch für Aziz al-Asmar das Wichtigste: «Lernen ist ein Menschenrecht. Ein Recht für diese Kinder.»

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Aziz al-Asmar, Lehrer: «Das Lächeln der Kinder ist wertvoll»
Aus Rundschau vom 11.03.2020.
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Der syrische Strassenkünstler besucht das Lager immer wieder als Freiwilliger. Er bemalt mit den Kindern deren Zelte und lässt sie für einen Moment den Krieg vergessen. Ihm und seinen Freunden ist es ein Anliegen, den Kindern wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie schaffen dies mit Rollenspielen und Puppentheatern.

Für Aziz al-Asmar, der sich in seiner Kunst auch kritisch gegenüber dem Regime von Machthaber Assad äussert, ist eines klar: «Dieses Regime kann Häuser zerbomben und das Land dem Erdboden gleichmachen, aber die Träume der Kinder kann es nicht zerstören.»

«Rundschau» 11.03.2020, 20:00 Uhr; srf/kurn

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Jundt  (M. Jundt)
    Dass Erdogan in Idlib jetzt seinen privaten NATO-Krieg weiterführt, ist aus seiner Sicht verständlich.
    Washington hatte im ein Stück vom Kuchen versprochen und daraus wird jetzt nichts, denn der NATO-Krieg in Syrien wurde verloren, als Moskau der Bitte von Damaskus folgte und die IS-Söldner der NATO unter Feuer nahm.
    Seither herrscht großes Chaos vor allem in Idlib, mit den allerlei "moderaten Rebellen" und jede Menge Zivilisten, die seit Jahren zwischen alle Fronten geraten sind.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Die vergessenen Kinder von Idlib". Falsch! Die sind nicht vergessen. Jedoch hat niemand den Mut und die Türken, Russen und Syrern zu stoppen, damit dieser Wahnsinn aufhört. Wo ist die UNO?? Und die EU predigt zusammen mit Erdogan Wasser und trinken abschliessend feinen Wein. Schwächlinge!
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Weder die Russen noch die Syrer sind für dieses Elend verantwortlich. Es sind die Rebellen / Terroristen und ihre Unterstützer und Bewaffner die die Verantwortung tragen müssen.
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    2. Antwort von Ida Fischer  (Ida Fiischer)
      @B Häberli Zur Info die Türkei ist in Syrien eingefallen. Syrien ist ein autonomer Staat und verteidigt sich offenbar gegen Terroristen die von der USA und weiteren Natostaaten unterstütz werden. 2019 wurden offebar 35,5 Millionen Euro bereitgestellt um Syrien zu stabilisieren Das Geld fließt hauptsächlich an die syrische Opposition. Solange der Westen offenbar die Rebellen sprich Terroristen finanziert um Assad zu stürzen wird es keinen Frieden geben.Die Flüchtlinge bezahlen diesen Machtpoker
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    3. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Warum hat seit mindestens dem Irakkrieg niemand den Mut, die US-Kriegstreiber zu stoppen? Ausser eben Russland und Assad in Syrien. Ohne diese Aktion, insbesondere Russlands, wäre das ganze Land und nicht nur ein kleiner Teil jetzt in einem Zustand wie Libyen oder Afghanistan.
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    4. Antwort von kurt trionfini  (kt)
      Über die - zu vielen - Verantwortlichen in diesem Konflikt lässt sich endlos debattieren. Die Verantwortung für die tragischen Folgen der wochenlangen Bombenabwürfe über die Städte in Idlib liegt bei der Syrischen und Russischen Luftwaffe. Das Gerede über das, was war ändert nichts an dem, was jetzt ist.
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    5. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Bernoulli: Was ist in Syrien besser als in Libyen und Afghanistan?
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    6. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @Trionfini/Häberli, schön (einfach) in so einer simplen Welt zu leben! Nur dumm das wenn man lediglich Symptombekämfung macht, wie sie es vorschlagen Trionfini, und nicht die Ursachen angeht, man damit nicht nur billigend in Kauf nimmt das ständig neue Opfer produziert werden sondern dieses noch aktiv fördert. Verstehen sie dass?
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    7. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      In Syrien ist eine sekuläre Regierung an die Macht und islamistische Terroristen haben in den von der Regierung kontrollierten Gebieten nichts zu suchen.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Kann mir bitte jemand erklären, wieso all diese Flüchtlinge in Atmeh nicht irgendwo im Rest des Landes unterkommen können? Das Land ist doch 4.5x grösser als die CH und hat etwa 20Mio Einwohner. Darunter müsste es doch Familien geben, welche diese Menschen aufnehmen würden.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Niemand will die Rebellen und ihre Unterstützer. Wenn die im Land bleiben entstehen Zustände wie in Afghanistan.
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    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Danke, Konrad Schläpfer, freue mich, dass meine Frage beim 4. Versuch angekommen ist! Wenn das stimmt, wären das dann also 100'000e Syrer und Syrerinnen und 1/2Mio Kinder, alles Rebellen, die niemand will, weil sonst Zustände wie in Afghanistan herrschen? Fast unvorstellbar, und doch, irgendwohin müssen sie ja. Einfach einmal ausser Land und dann nach Europa, um uns afghanische Zustände zu bescheren?
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    3. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Beppie Hermann, es sind längst nicht alles Syrer die nach Europa wollen. Allerdings bin ich bin der Meinung, dass die arabischen Glaubensbrüder hier Verantwortung übernehmen sollten, statt alle nur zu den Ungläubigen nach Europa abzuschieben. Warum wollen die Leute nicht in die - vor Geld strotzenden - Golfstaaten?
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    4. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Konrad Schläpfer, nun ja, da oben steht: "Auf der Flucht vor dem Krieg im eigenen Land leben dort hunderttausende Syrer und Syrerinnen in Zeltstädten, auch eine halbe Million Kinder." Es müssten laut diesem Artikel also Syrer sein. Glauben Sie, dies seien alles Rebellen? Vielleicht sind es Menschen, die von Rebellen unterdrückt werden? Sie sollten dann aber im eigenen Land aufgenommen werden können.
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