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Legende: Video Der Schein einer glänzenden Krim unter russischer Obhut trügt abspielen. Laufzeit 03:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.03.2019.
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Krim-Annexion vor fünf Jahren Ein politischer Coup wird zur wirtschaftlichen Hypothek

Präsident Putin feiert auf der Krim den Jahrestag der Annexion. Politisch und wirtschaftlich ist die Bilanz ernüchternd.

Im Saal des Kremls brach Jubel aus, als Präsident Putin und die Vertreter der lokalen Regierung der Krim vor fünf Jahren jenen Vertrag unterzeichneten, welcher die Krim zu einem Teil Russlands erklärte. Die Umfragewerte von Putin schnellten in ganz Russland in die Höhe. Die Annexion der Krim-Halbinsel wurde selbst von einzelnen Vertretern der russischen Opposition befürwortet.

Karte Krim
Legende: Der Wechsel von der Ukraine zu Russland: Am 18. März 2014 hatten die Krim und Russland nach einem umstrittenen Referendum auf der Halbinsel per Vertrag ihre nicht minder umstrittene Vereinigung besiegelt. SRF

Ein teurer Coup von Putin

Auch ein Jahr nach der Annexion betrachteten 67 Prozent der russischen Bevölkerung die Annexion der Krim als Gewinn für das Land. Doch in der Zwischenzeit hat sich dies geändert. Laut neuesten Umfragen sank der Wert auf 39 Prozent.

Erklären lässt sich diese Entwicklung damit, dass die Russen in der eigenen Tasche zu spüren bekommt, wie teuer der scheinbare geopolitische Coup von Wladimir Putin zu stehen kommt. Seit 2014 investierte Russland umgerechnet 15 Milliarden Franken auf der Krim.

4 Milliarden kostete alleine der Bau einer Brücke zwischen der annektierten Halbinsel und dem südrussischen Festland. Die übrigen Milliarden wurden in Infrastruktur und Sozialversicherungen auf der Krim investiert. Die Halbinsel ist auf die Subventionen angewiesen. 69 Prozent des Budgets stemmt Moskau und damit auch die russischen Steuerzahler.

Drei Männer, darunter Wladimir Putin, geben sich die Hände. Der Mann rechts im Bild streckt die Faust in die Höhe.
Legende: 18. März 2014: Der Vertrag über den Beitritt der Krim zu Russland ist unterzeichnet. Links:Ministerpräsident der Krim, Sergei Aksjonow. Mitte: Vladimir Putin. Rechts: Der Bürgermeister von Sewastopol, Alexei Tschaly. Reuters

Wirtschaftliches Wachstum halbiert

Der ehemalige stellvertretende Finanzminister Russlands, Sergej Alexaschenko, schätzt die Kosten im Interview mit SRF jedoch höher: «Diese Berechnungen sind aus meiner Sicht nicht vollständig: Wegen der Annexion stagniert die russische Wirtschaft heute faktisch. So wächst die Wirtschaft noch zwei statt vier Prozent. Über fünf Jahre gerechnet, verlor Russland deswegen zehn Prozent an Wirtschaftswachstum.»

Neben den Direktzahlungen an die Krim brachten die Sanktionen der USA und der EU aus Sicht des Experten die russische Wirtschaft ins Taumeln. Alexaschenko macht dazu einen Vergleich: «In keinem anderen vom Öl-Markt abhängigen Land gibt es eine solche Stagnation wie in Russland. Die Annexion der Krim und die Situation in der Ostukraine sind die Ursache für die Lage der russischen Wirtschaft.»

Bevölkerung wird zur Kasse gebeten

Das russische Ministerium für Wirtschaftsentwicklung schätzte Ende des vergangenen Jahres den Schaden der Sanktionen auf umgerechnet über 6 Milliarden Franken. Dabei ist der weitaus grösste Schaden für die russische Stahl- und Metallindustrie entstanden.

Auch wenn kurz- bis mittelfristig die politische Bilanz für Präsident Putin positiv gewesen sein mag, zieht der schwere wirtschaftliche Schaden kaum spurlos an ihm vorbei. Die Feiern zum fünften Jahrestag der Annexion fielen im Vergleich zu den Vorjahren in Russland überraschend bescheiden aus.

Ein Ende der Ausgaben ist derweil nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Finanzexperte Alexaschenko rechnet mit steigenden Kosten: «Je länger die aktuelle Situation anhält, umso stärker sind die negativen Auswirkungen für die russische Wirtschaft und umso höher der Preis». Dafür zur Kasse gebeten, werde die Bevölkerung.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
    Interessant wie Meinungen abweichen können. Die New York Times brachte letzte woche einen Artikel der genau das Gegenteil behauptet. Die sanktionen haben die Russische Wirtschaft beflügelt. Es wird wider in Russland Produziert. Der Landwirtschaftsektor hat ein Wachstum von 30% seit den Sanktionen. Auch Higtech firmen blühen auf, startups schiessen wie Pilze aus dem boden. Russland macht sich unabhängig. Das kostet, auf lange Sicht ist es aber ein Vorteil für Russland. So die New York Times
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    1. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @M.Buehler: War vor ca. 4 Mt. in Moskau im Innovationszentrum Skolkowo. Leider harzt es da und dort extrem. Ob es an der Finanzierung allgemein liegt, entzieht sich meinen Kenntnissen. Hier in Ekaterinburg wurde der geplante High-Tech und Innovationspark vorerst gaenzlich auf Eis gelegt. Vermutlich Mangel an Investoren, aber es gibt keine formelle Begruendung. Was die Agrarwirtschaft anbelangt ist jedoch korrekt. Die Wachstumszahlen in %ten varieren allerdings und sind somit nicht verlaesslich.
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    2. Antwort von Werner Christmann  (chrischi1)
      Marc Bühler, in Zürich liest man doch keine New York Times. Da stellt man auf bewährte "Experten" ab, die einem das altbekannte Vorurteil zementieren.
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    3. Antwort von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
      Die Investitions möglichkeiten aus dem Ausland sind sicherlich noch Schwieriger geworden. War letzten Sommer zu besuch in Moskau bei einem befreundeten Koch. Es ist Gewaltig was die Russen durch die Sanktionen im Lebensmittel bereich für eine Inovation an den Tag legen.Ich hatte das glück durch ihn mit einigen der besten Küchenchefs Moskaus zu sprechen.Die Not macht Erfinderisch.Von neuen Rus Käsesorten, Speisefische die hier gänzlich unbekannt sind bis zu Rus Weine in Top Qualität.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Wenn nur die Menschen im Westen, ganz besonders in den USA realisieren würden, wieviel ihnen die völkerrechtswidrige Kriegspoltik des Westen gekostet hat...Alleine der Irakkrieg soll um die 5000 Mrd. gekostet haben.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Wie man an den ukrainischen Wahlen vor 2014 sieht, hat die Krim-Bevölkerung stets zu >80% prorussisch gewählt! Also auch wenn die Abstimmung 2014 zur Zugehörigkeit zu Russland ungültig sein soll, die Mehrheit der Krimbewohner wollen lieber zu Russland als zur russophob gewordenen Ukraine gehören. Seltsam: bezüglich Kossovo hat der Westen genau umgekehrt gehandelt - nämlich ein Gebiet aus etnischen Gründen getrennt. Es geht dem Westen nur, gegen Russland zu sein, nicht um die Menschen!
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