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Krise in Venezuela Interimspräsidentin kündigt Amnestie für politische Gefangene an

  • Die Regierung Venezuelas hat eine umfassende Amnestie für politische Gefangene angekündigt.
  • Laut Interimspräsidentin Delcy Rodríguez soll die berüchtigte Haftanstalt El Helicoide im Sitz des Geheimdienstes Sebin in Caracas geschlossen und in ein Gemeindezentrum umgewandelt werden.
  • «Wir haben beschlossen, ein allgemeines Amnestiegesetz voranzutreiben, das den Zeitraum der politischen Gewalt von 1999 bis heute abdeckt», sagte Rodríguez.

In dem südamerikanischen Land regiert seit 1999 die linke Bewegung des ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez, auch «Chavismus» genannt. Seit dem US-Militäreinsatz am 3. Januar zur Gefangennahme des autoritären Machthabers Nicolás Maduro hat Caracas unter Druck aus Washington bereits Hunderte politische Häftlinge freigelassen. 

Delcy Rodríguez.
Legende: Interimspräsidentin Delcy Rodríguez kündigte das Amnestiegesetz zum Auftakt des neuen Gerichtsjahres an. Miraflores Palace/Handout via REUTERS

Rodríguez machte die Ankündigungen während der Eröffnung des neuen Gerichtsjahres des Obersten Gerichtshofs. Die Amnestie soll laut der Präsidentin dazu beitragen, die in Venezuela durch politische Konfrontationen entstandenen Wunden zu heilen. 

Freiheitsrufe und Skepsis

Angehörige politischer Gefangene, die vor El Helicoide seit Wochen Wache halten, reagierten auf die Ankündigungen mit Jubel. Sie riefen «Freiheit, Freiheit!», wie auf Videos zu sehen ist. Aktivisten äusserten sich auch dazu. «Wir begrüssen den Vorschlag für ein Amnestiegesetz mit vorsichtigem Optimismus», schreibt Gonzalo Himiob, der Vizepräsident der Nicht­regierungs­organisation Foro Penal auf der Plattform X. 

El Helicoide
Legende: Der riesige Komplex von El Helicoide in Caracas ist Gefängnis und Hauptquartier des Geheimdienstes Sebin. Keystone/EPA EFE/Ronald Pena R

El Helicoide gilt als Symbol staatlicher Repression. Dort sollen Agenten des Geheimdienstes Sebin Regierungsgegner misshandelt und gefoltert haben. Nun soll die Einrichtung in Caracas den Angaben nach in ein Sozial-, Sport-, Kultur- und Einkaufszentrum umgewandelt werden.

Rodríguez sprach von einem Gemeindezentrum für Polizei und Anwohner. Ursprünglich war der Komplex in den 1950ern als ein Luxus-Einkaufszentrum gebaut worden. Das Projekt hatte jedoch Finanzierungsprobleme und wurde eingestellt. Später wurde es zum Sebin-Hauptquartier. 

Zahl der Freigelassenen unklar

Seit Wochen fordern Angehörige und Menschen­rechts­organisationen die Freilassung aller politischen Häftlinge. Laut der Regierung wurden bereits mehr als 600 Menschen freigelassen. Aktivisten zweifeln diese Zahl an. So sollen der Organisation Foro Penal zufolge nur 300 Menschen entlassen worden sein.

Zwischen 700 und 800 politische Gefangene befinden sich nach unterschiedlichen Angaben von Organisationen noch in Haft.  Die für Venezuela zuständige US-Botschaft mit Sitz im kolumbianischen Bogotá teilte am Freitag mit, dass alle US-Bürger, von denen bekannt war, dass sie in Venezuela inhaftiert waren, bereits freigelassen worden seien. Wie viele es waren, blieb zunächst unklar.

SRF 4 Nachrichten, 31.01.2026, 02:00 Uhr ; 

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