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Krisengebiet Pariser Banlieue Kriege zwischen Jugendbanden fordern Tote

Legende: Video Jugendbanden in Paris abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.10.2018.

Dass sich Jugendliche dann und wann verhauen, das gab es schon immer. Doch die ultragewalttätigen Jugendlichen, die sich in Paris und der Banlieue aus nichtigen Anlässen regelrechte Bandenkriege liefern, haben mit den Halbstarken der 1950er-Jahre gar nichts mehr gemein. Geprügelt wird fast jeden Abend.

In der Nacht auf Mittwoch, Boulevard Mortier im Osten von Paris, prügeln gut 30 Jugendliche aufeinander ein. Am Ende bleibt ein 16-Jähriger mit Stichverletzungen im Bauch liegen und stirbt.

Am Samstag zuvor war es ein 13-Jähriger, der auf der anderen Seite der Ringautobahn von einer verfeindeten Bande mit Eisenstangen totgeschlagen wurde.

Immer jünger, immer gewalttätiger

In den prekären Aussenquartieren häufen sich die Auseinandersetzungen mit immer jüngeren und immer gewalttätigeren Jugendlichen. Die Regierung ist alarmiert. Innenminister Christophe Castaner spricht von einer unerträglichen Situation: «Der Platz der Jungen ist in der Schule, im Gymnasium, an der Uni, nicht auf der Strasse um 2 Uhr früh. Sie sollten nicht solch schrecklichen Gewaltszenen ausgesetzt sein, die hier alltäglich werden.»

Der Platz der Jungen ist in der Schule, im Gymnasium, an der Uni, nicht auf der Strasse um 2 Uhr früh.
Autor: Christophe CastanerFranzösischer Innenminister

Handyfilme, die im Netz kursieren, sind nur schwer zu ertragen. Die Brutalität rivalisierender Banden kennt kaum Grenzen. Junge, die mit Baseballschlägern, Eisenstangen, mit Rasierklingen und Messern aufeinander losgehen. Wie konnte es so weit kommen? Für den Soziologen Michel Fize liegt es an den Eltern, die gesellschaftliche Werte nicht weiterzugeben wissen.

Wenn man mit den Kindern nicht über Respekt und Toleranz spricht, dann können diese sich auch nicht benehmen.
Autor: Michel FizeSoziologe und Spezialist für Jugendbanden

«Wenn man mit den Kindern nicht über Respekt und Toleranz spricht, dann können diese sich auch nicht benehmen. Dazu kommt die wirtschaftliche Krise, die Schulschwäche vieler, die in den armen Aussenquartieren wohnen. Das gibt einen explosiven Cocktail.»

Diesen zu entschärfen, dafür werde nicht genug getan, sind sich Sozialdienste und Elternvereine einig. «Ein Junger, der sich langweilt, macht Dummheiten. Man muss ihn begleiten. In diesem Quartier gibt es nichts für die Jungen», sagt Sadio Mbaye, Mitbegründerin Verein Les Mères en Place.

Der Aktionsplan des Innenministers gegen Bandenkriege setzt indes zuerst auf neue Ansprechpartner in den Polizeiposten und auf die Identifikation der gegen 50 Jugendbanden in und um Paris.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von L. Drack (samSok)
    Weiter unten fliesst der Begriff Willkommenskultur ein, in D geprägt für dt. Verhältnisse (der gl.zeitig übrigens „Anerkennungskultur“ der Ankommenden einfordert). Die geschilderten Auswüchse wachsen v.a. in der Metropole der (ehemaligen) Kolonialmacht F, wo die überall wachsende soziale Ungerechtigkeit eben noch mehr Nährboden findet, und deren Perspektivlosigkeit (nicht einfach Langeweile) von einem Regime zum nächsten weitergereicht wird.
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    1. Antwort von pedro neumann (al pedro)
      Gelingende Integration bedarf eben ganz anderer Anstrengungen. als bloss „Seid willkommen“ in die Welt hinauszuposaunen.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Die Ghettoisierung ist nicht nur ein infrastrukturelles sondern auch ein kulturelles Problem. In Frankreich leben verschiedene Nationen mit französischem Pass aber eben unterschiedlicher nationaler Identität, die sich nicht nur zu den Franzosen, sondern auch untereinander stark abgrenzen. Dieses Problem ist, wenn überhaupt, nicht in einer Generation zu regeln, noch nicht einmal mit der Multikulti - Propaganda von Politik und Wirtschaft .
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Das ist in der Schweiz zwar nicht so prononciert, aber im Prinzip nicht anders. Eigentlich in keinem Land, nicht einmal im klassischen Einwanderungsland USA. Die Probleme werden im Gegenteil erst geschaffen und künftigen Generationen heftig um die Ohren fliegen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Ich akzeptiere nicht, dass Gewalt mit Langeweile begründet wird. In Osteuropa ist meine Generation, insbesondere die auf dem Lande, ohne Freiheiten, ohne organisiertes Entertainment, ohne Besitz aufgewachsen. Hingegen hatten wir Tagesschule, wo bis 17h abends gelernt wurde. Danach gingen wir sofort nach Hause. Trotzdem waren wir respektvoll, gruppenfähig und ohne Gewalt unterwegs. Tendenziell.
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