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Kritik an Touristenattraktion Die dunkle Seite der Tiger-Selfies in Thailand

In thailändischen Tigerparks posieren Touristen mit Raubkatzen für Selfies. Tierschützer kritisieren die Haltung scharf und warnen vor fatalen Folgen für die Tiere.

Ein kräftiger, tiefer Laut durchbricht die schwüle Luft im Tigerpark in Pattaya. Er kommt von «Nivea», einer einjährigen Tigerin, die schläfrig auf einem Holzpodest liegt. Weil ihre Mutter ein weisser Tiger sei, habe sie diesen Namen erhalten, erklärt ein Wärter. Er bietet an, Fotos zu machen, während Touristen das Tier am Rücken streicheln. Die Szene erinnert an einen Streichelzoo.

Ein Erlebnis mit gemischten Gefühlen

Eine chinesische Familie verlässt gerade ein Gehege. Der Vater wollte seinem Sohn ermöglichen, einen Tiger aus nächster Nähe zu erleben, erzählt er. Während seine Frau und sein Sohn bei einem Tigerbaby waren, besuchte er das Gehege mit einem ausgewachsenen Tier. Einen Tiger anzufassen, sei ein ganz anderes Erlebnis, als ihn nur aus der Ferne zu beobachten. Dennoch hat der Mann gemischte Gefühle: «Eigentlich tun mir die Tiere ein wenig leid. In der Natur würde es ihnen wohl besser gehen als hier.»

Zwei Frauen posieren neben einem ruhenden Tiger auf einem Tisch.
Legende: Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren die Haltung der Tiger stark. Die Tiere seien aufgrund der vielen Besucherinnen Stress ausgesetzt. SRF/Martin Aldrovandi

Die Kritik an solchen Parks ist nicht neu. Vor kurzem verendeten in zwei Anlagen im Norden Thailands 72 Tiger. Bei den Tieren wurden das hochansteckende Staupe-Virus und Bakterien nachgewiesen. Tierschutzorganisationen wie Peta Asien bezeichnen den Tod der Tiger als «vorhersehbare Tragödie».

Wenn sich der Tiger nicht fügt, haben die Trainer einen Metallstab zur Hand.
Autor: Kiaou Tierschützer

Abigail Forsyth von Peta sagt: «Es ist ein System, das den Profit über den Tierschutz stellt.» Die Tiere würden auf engstem Raum gehalten und hätten ständig Kontakt mit unzähligen Besuchern, was von einer artgerechten Haltung weit entfernt sei.

Mit brutalen Methoden gefügig gemacht

Die Tiger in den Parks wirken auffallend zahm. Sie lassen sich von fremden Menschen berühren, ohne gross zu reagieren. Ein Mitarbeiter einer lokalen Tierschutzorganisation, der anonym bleiben möchte und den wir Kiaou nennen, recherchiert undercover in Thailands Wildtier-Industrie. Er berichtet, dass die Tiger von klein auf mit brutalen Methoden gefügig gemacht würden. «Wenn sich der Tiger nicht fügt, haben die Trainer einen Metallstab zur Hand, mit dem sie ihn schlagen können», sagt er. Die Unterwürfigkeit der Tiere sei auf Angst zurückzuführen.

Person fotografiert einen Tiger mit Handy.
Legende: Zahm wirkende Tiger posieren in thailändischen Parks für Fotos – eine umstrittene Fotoattraktion, hinter der laut Tierschützern brutale Dressurmethoden stehen. SRF/Martin Aldrovandi

Tierschützer werfen den Betreibern vor, dass die Parks nur der Unterhaltung von Touristinnen und Touristen dienen und keinen Beitrag zum Artenschutz leisten. Die dort gezüchteten Tiger könnten in der Wildnis nicht überleben, zudem bestehe die Gefahr von Inzucht.

«Babytiger bleiben nicht lange Babytiger, daher gibt es diesen fortwährenden Zuchtzyklus, nur um neue Touristenattraktionen zu schaffen», erklärt Abigail Forsyth.

Tiger in der Wildnis

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Unabhängig von den Tigerparks hat sich die Anzahl der wilden Tiger in Thailand in den vergangenen Jahren wieder erholt. In vielen Teilen Südostasiens gelten Tiger bereits als ausgestorben, in Thailand dagegen steigt die Zahl wieder. Um die 200 Tiger sollen derzeit in Thailand in der Wildnis leben. Dies dank Tierschutzgebieten und konsequenten Patrouillen gegen Wilderer.  

Wohin die vielen Tiger verschwinden, ist unklar, doch es besteht der Verdacht, dass ein Teil in den illegalen Handel mit Tigerprodukten fliesst. Kiaou geht davon aus, dass der illegale Handel weitergeht, und nennt als Beispiel einen kürzlichen Fall, bei dem von fünf geborenen Tigerjungen nur drei bei den Behörden registriert und die anderen beiden verkauft wurden.

Frau streichelt Tiger auf Tisch, bewacht von zwei Männern in Tierpark.
Legende: Nicht alle Tigerbabys tauchen in offiziellen Registern auf. Ein Teil könnte im illegalen Handel verschwinden, vermuten Tierschützer. SRF/Martin Aldrovandi

Obwohl es strenge Gesetze gibt, würden diese oft nicht durchgesetzt – Korruption sei ein grosses Problem. Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer: Laut Tierschützerinnen und Tierschützer meiden immer mehr Touristen, insbesondere aus Europa, Attraktionen wie Elefantenreiten oder Selfies mit Tigern.

Rendez-vous, 27.03.2026, 12:30 Uhr; fann;stal;noes

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