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Kuba hat neuen Präsidenten Diaz-Canel verleiht dem Regime ein moderneres Gesicht

Legende: Video Der neue kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.04.2018.

Diaz-Canel verleiht dem kubanischen Regime ein moderneres, weltlicheres Gesicht. Er entstammt nicht der Generation der Revolutionäre, soll die Rolling Stones mögen und einen iPad besitzen.

Ob er tief im Innern demokratische Reformen möchte oder nicht, ist von aussen schwer zu beurteilen. Zu wenig ist im Ausland über ihn bekannt. Seine bisherigen Äusserungen zeigen ihn als linientreuen Parteifunktionär. Anders wäre sein Aufstieg als Castros Protegé auch nicht möglich gewesen.

Castro bleibt an der Macht

Ohnehin ist der Spielraum von Diaz-Canel stark eingeschränkt. Denn Castro bleibt vorläufig Chef der allmächtigen Kommunistischen Partei. Angehörige Castros haben zentrale Funktionen im Innenministerium, in der Armee oder im Tourismus inne. Die alte Generation behält ihren Einfluss. Für grössere Reformen bräuchte Diaz-Canel deren Einverständnis.

Ideale der Revolution auf dem Prüfstand

Als grösste Herausforderung für Diaz-Canel erachte ich die sozialen Ungleichheiten, die in den letzten Jahren entstanden sind. Einem Teil der Kubaner geht es besser als früher.

Manche erhalten von Exil-Kubanern in den USA oder Europa regelmässig Geld zugeschickt – mehr als drei Milliarden Dollar pro Jahr. Auch durch den Tourismus und zaghafte Privatisierungen haben Teile der Gesellschaft mehr Geld zur Verfügung.

Wer hingegen keinen Zugang zu diesen Geldquellen hat, muss mit durchschnittlichen Monats-Einkommen von rund 30 Dollar über die Runden kommen. Diese Ungleichheiten widersprechen eigentlich den Idealen der Revolution und könnten zu sozialen Spannungen führen. Dies dürfte mit ein Grund sein, weshalb Castro die Privatisierungen weitgehend eingefroren hat. Noch ist offen, ob Diaz-Canel den zaghaften Privatisierungskurs reanimieren wird.

Zensur und Überwachungsstaat

In diesen Tagen des Übergangs will das Regime jeden Eindruck von Unsicherheit oder Instabilität verhindern. Kontinuität ist nach aussen hin das Schlagwort. Medien-Zensur und ein Überwachungsstaat, der tief in jede Familie hineinreicht, erschweren ein Aufbegehren der Bevölkerung. Es gilt abzuwarten, ob Diaz-Canel der Opposition und wirtschaftlichen Reformen etwas mehr Freiraum geben wird als seine Vorgänger.

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen

USA-Korrespondent, SRF

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Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Er hat an den Universitäten Bern und Freiburg sowie an der American University in Washington DC Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert und in Freiburg mit einem Master of Arts erfolgreich abgeschlossen. Seit 2006 arbeitet er für SRF.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Was ist eigentlich ein "Regime"? Ist das immer dort, wo einem die Regierung grad nicht passt, weil sie angeblich gar nicht demokratisch ist oder der Präsident angeblich durch eine gefakte Wahl an die Macht gekommen ist oder weil die Journis nicht hofiert werden und man der Überzeugung ist, alle andern haben das auch so zu sehen? Also von nun an: Trump Regime, May Regime, Macron Regime, Merkel Regime??? Oder auch eine andere Auswahl, je nach dem wie's einem beliebt.
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    1. Antwort von Stefan Renevey (weissdassichnichtsweiss)
      Dazu hatte ich mich auch schon geäussert. Ich geh davon aus, dass es nicht nur manipulativ sondern "hinterrücks" manipulativ eingesetzt wird. Es wird überlesen, hat aber eine gewaltige Wirkung Der Begriff ist eindeutig negativ konnotiert und wird auch immer wieder so eingesetzt. >Assad Regime, obwohl er gewählt ist. So läuft heute Journalismus. Wir werden in eine Richtung gedrückt, entwickeln Meinungen und glauben dann wir hätten diese selber so geprägt. Ihre Beispiele gefallen mir!!
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Es ist doch schön, dass es noch ein Land gibt, dass sich dem Kapitalismus entzieht.
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    1. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Herr Halbeisen: Fragen Sie doch mal den einfachen Kubaner im Land im Schutz seiner eigenen vier Wände, ob er es auch so schön findet unter dem Sozialismus à la Castro zu leben....
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    2. Antwort von Sascha Freitag (SF)
      Sozialismus a la Castro hat auch Vorteile. Z.B. Ein vorbildhaftes Sozial- und Gesundheitswesen. Für eine ausgewogene Sichtweise müsste man schon alles betrachten.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Hoffentlich kann der Neue die verhärtete3n Krusten der Aera Castro aufweichen. Täte dem Land gut. Viel Glück.
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