Die KI-Videoanwendung Sora des US-Unternehmens OpenAI sollte Tiktok und Instagram Konkurrenz machen. Sogar Disney wollte bei Sora mitmischen und eine Milliarde US-Dollar in OpenAI investieren. Die erstmals 2024 vorgestellte Sora-Software wurde damals als zukunftsweisend für das Videogeschäft bezeichnet, da sie täuschend echt aussehende Umgebungen und Personen produziert. Doch nun stellt OpenAI, zu welcher auch ChatGTP gehört, Sora ein.
Wieso hat OpenAI die KI-Video-App Sora eingestellt?
Das war zunächst einmal eine simple Aufwand-Ertrag-Rechnung. Videos zu generieren braucht einfach viel mehr Rechenleistung, als Texte zu generieren. Es ist entsprechend teuer, diese App zu betreiben. Und es gab zwar einen Hype um diese App, aber jede neue Nutzerin, jeder neue Nutzer, der dann wild Videos generierte, hat eben auch mehr Kosten generiert. Für OpenAI war die Video-App ein Experiment. Man kann den Rückzieher auch so interpretieren, dass das ein Nebengleis war und dass man jetzt gelernt hat, was man lernen wollte, genug Daten gesammelt und das Experiment jetzt beendet hat.
Ist dieser Rückzieher nicht zumindest aus Marketingsicht ein Flop?
Es ist schon überraschend, besonders wenn man bedenkt, dass OpenAI die App 2024 gross angekündigt hat. Man muss aber auch sagen, dass die Sora-App schon vorher ständig für schlechte PR gesorgt hat. So haben etwa Leute falsche Videos von Prominenten gemacht ohne deren Erlaubnis. Eine App, die Plagiate, Deepfakes und Müll generierte, die war eh schon schwierig zu verteidigen. Und wenn man dann erst noch kein Geld damit verdient, dann macht es einfach wenig Sinn, damit weiterzumachen.
Disney zieht nun die Investition zurück. Was bedeutet das für OpenAI?
Diese Partnerschaft war nicht so super strategisch, wie sie uns verkauft wurde. Es ging bei diesem Deal schon vor allem darum, Gerichtsverfahren zu vermeiden. OpenAI wollte verhindern, dass Disney das Unternehmen wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Jetzt ist es auch relativ einfach für beide, sich da zurückzuziehen.
Zieht sich OpenAI damit aus dem KI-Video-Business zurück?
Es ist mir noch nicht ganz klar, ob nur die Sora-App eingestellt wird. Es scheint schon so zu sein, dass generell das Generieren von Videos zurückgefahren wird. OpenAI scheint das wirklich der Konkurrenz zu überlassen – zum Beispiel Google.
Wie stellt sich OpenAI in Zukunft gegenüber der Konkurrenz auf?
OpenAI will sich auf zwei Dinge fokussieren. Erstens soll ihr Modell besser werden, was das Erstellen von Programmcode betrifft. Zweitens soll ihre KI autonome Fähigkeiten erhalten und Dinge von allein erledigen können. Diese Ziele verfolgt nicht nur OpenAI, sondern auch die Konkurrenten wie Anthropic und Google. Das Ziel ist eigentlich, ihre KI-Modelle so aufzustellen, dass sie sich irgendwann selbst verbessern können. Wer das zuerst schafft, der hat gewonnen. Dieses Unternehmen wird dann eine KI haben, die sich so schnell selbstständig laufend verbessert, dass alle anderen einfach abgehängt werden und keine Chance mehr haben.
Wie weit ist OpenAI mit der Entwicklung einer selbstständigen KI?
Es ist überhaupt nicht klar, wie nahe KI-Unternehmen an diesem Ziel schon sind und auch, ob das überhaupt möglich ist. Aber OpenAI und andere wie Anthropic haben offenbar das Gefühl, dass sie da irgendwie kurz vor dem Durchbruch stehen. Und deshalb wollen sie sich jetzt einfach keine Ablenkungen mehr leisten.