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Kurden bitten Assad um Hilfe «Die Türkei wird den Druck aufrechterhalten»

Der Hilferuf aus der Kurdenmetropole Manbidsch gebe Assad weiteren Auftrieb, sagt Journalistin Inga Rogg in Istanbul.

Legende: Audio Wende im Syrienkrieg? abspielen. Laufzeit 03:14 Minuten.
03:14 min, aus Echo der Zeit vom 28.12.2018.

Im Bürgerkrieg in Syrien deutet seit heute einiges auf eine grundlegende Wende hin. Wenige Tage nach dem angekündigten Truppenabzug der USA und angesichts eines drohenden Angriffs der türkischen Armee sollen syrische Regierungstruppen mit kurdischer Zustimmung in die Kurdenmetropole Manbidsch an die Grenze zur Türkei verlegt worden sein.

Inga Rogg

Inga Rogg

Journalistin

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Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und lebt zeitweise in Irak. Zurzeit ist sie in Istanbul und berichtet von dort aus vor allem über Syrien, auch für Radio SRF.

SRF News: Was ist bisher gesichert in der jüngsten Entwicklung?

Inga Rogg: Es sind zumindest einige Soldaten in Dörfer im Norden nahe der türkischen Grenze verlegt worden. In der Stadt Manbidsch, um die es vor allem geht, sind noch keine syrischen Truppen aufmarschiert. Aus Damaskus heisst es aber, man sei bereit, alle Bürger des Landes zu schützen und auch gegen Invasoren und Besatzer vorzugehen.

Was bedeutet es, wenn die Kurdenmiliz YPG die syrische Armee zur Übernahme der Kontrolle in der Region bittet?

Es zeigt eine gewisse Schwäche der kurdischen Kämpfer der YPG nach dem angekündigten Abzug der US-Truppen. Diese sind zwar im Moment noch da. Aber sobald sie weg sind, droht ein Einmarsch der Türkei. Das hat Ankara immer wieder bekräftigt und in den letzten Tagen die Drohkulisse verstärkt, indem sie Truppen ins Grenzgebiet verlegte.

Gibt es bereits offizielle Reaktionen aus der Türkei?

Erdogan hat gesagt, wenn die Terroristen aus Manbidsch abgezogen seien, gebe es für die Türkei im Grunde nichts mehr zu tun. Aber die Vorbereitungen für die Militäroperation würden trotzdem weitergehen. Die Türkei wird diesen Druck auf jeden Fall aufrechterhalten. Ankara will, dass die YPG die Kontrolle über das grosse Gebiet östlich des Euphrat verliert.

Was bedeutet das für die Kurden, die jahrelang die Kontrolle über diese Gebiete hatten?

Die Kurden waren bis vor einer Woche noch in einer sehr viel stärkeren Position. Das sind sie heute nicht mehr. Im Norden droht die Türkei. Sie müssen sich an Damaskus wenden und an die Russen. Das haben sie wohl auch getan. Es hängt meines Erachtens viel davon ab, wie Moskau sich positioniert. Aber die Kurden sind auf jeden Fall in einer geschwächten Position.

Ist damit der grosse Gewinner einmal mehr der syrischen Machthaber Assad?

Es gibt ihm auf jeden Fall weiter Auftrieb. Denn entweder schliesst die Türkei Frieden mit Assad, oder die Kurden machen Zugeständnisse und verlieren einen Teil ihrer Macht, die sie in den letzten Jahren errungen haben. Insofern profitiert Assad auf jeden Fall davon.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    England u Frankreich nahmen den Kurden mit dem willkürlichen Ziehen der Staatsgrenzen auf der Landkarte und somit der Aufteilung ihrer Machtinteressen nach dem 1. Weltkrieg jegliche Chancen auf einen eigenen Staat. Dies wurde im für 100 Jahre gültigen Vertrag von Lausanne 1923 international abgesegnet. Aufgeteilt auf die Türkei, den Irak, Syrien und den Iran zahlen wir heute die Zeche dafür. Mal schauen, was 2023 los sein wird, wenn der Vertrag endet. Erdogan steht dafür sicher schon bereit..
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    1. Antwort von Esther Baumann (erez)
      @Peter Imber, hoffentlich ist bis 2023 Erdogan endlich Geschichte !!!!!
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  • Kommentar von Peter Amthauer (Peter.A)
    "Es zeigt eine gewisse Schwäche der kurdischen Kämpfer..." Was für eine Erkenntnis. Die Kurden waren die Bodentruppen des US-Militärs. Würde das Völkerrecht durchgesetzt, müssten wir nicht über Erdogans Truppen diskutieren. Völkerrecht nurnoch dann, wenns geostrategisch passt. MfG
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Wie es aussieht, werden Assad mit Russland im Rücken für Ruhe sorgen und das aggressive NATO-Land Türkei in die Schranken weisen. Der Aufschrei über den Truppenabzug der USA war wieder mal für nichts, wie damals als geschrieben wurde, Russland würde mit seinem Einsatz in Syrien den IS unterstützen bzw. den Kampf gegen den IS behindern. Natürlich passt die Entwicklung nicht den westlichen Interessen hinter all den Kriegen (7 Länder in 5 Jahren!).
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Wie der Spiegel in einem Bericht mitteilt, wollen die US Generäle den Kurden die Waffen überlassen.
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    2. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Christa Wüstner alle diese Waffen sind gut bis man Munition hat. Wenn endlich USA abzieht ist Wert diese Waffen sehr begrenzt.
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