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Kushner unter Beschuss Die Luft für Trumps Schwiegersohn wird dünner

Die Liste der entlassenen Mitarbeiter im Weissen Haus wird immer länger. Als einen der nächsten könnte es Jared Kushner treffen.

Als Donald Trump am 8. November 2016 überraschend zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, feierte einer im Hintergrund besonders mit. Jared Kushner war nicht nur der Schwiegersohn des zukünftigen Präsidenten, sondern auch der Verantwortliche des digitalen Wahlkampfes von Donald Trump.

Zeitweise war Kushner sogar Manager der gesamten Kampagne, etwa nach Problemen im Team von Trump. Dieser baute im Wahlkampf grundsätzlich auf enge Vertraute. Dazu gehörte Kushner, der für viele vor allem den Eindruck des stets lächelnden netten Schwiegersohns macht.

Trump auf einer Bühne, hinter ihm Kushner, Ivanka und Ehefrau Melania.
Legende: Im Wahlkampf (New York im Juni 2016) war Kushner mitunter Trumps wichtigster Mann im Team. Reuters

Dieses Konzept wollte Trump auch mit ins Weisse Haus bringen. Der 37-jährige Kushner wurde «Senior Advisor» für den Präsidenten und bekam etliche Aufgaben zugesprochen. Darunter etwa die, einen Friedensvertrag zwischen den Palästinensern und den Israelis auszuhandeln, sich um eine verbesserte Betreuung der Veteranen zu kümmern, die Informationstechnologie in den USA auszubauen oder Lösungen für die wachsende Drogenkrise in den USA zu finden. Das alles ohne politische Vorerfahrungen.

Kusher spircht vor dem Weissen Haus in ein Mikrofon.
Legende: Auf der Höhe der Macht: Kushner spricht im Juli 2017 vor dem Weissen Haus zu den Medienvertretern. Reuters

Doch wer ist Jared Kushner überhaupt? Interviews gibt er so gut wie gar nicht. Noch während seiner Studienzeit in Harvard stieg er ins Immobiliengeschäft ein, hatte Erfolge, doch er verspekulierte sich auch im Vorfeld des Bankencrashs von 2008.

Sicherheitsfreigabe entzogen

Immer mal wieder hiess es, Kushner halte im Hintergrund die Fäden des Weissen Hauses in der Hand. So soll er dafür verantwortlich gewesen sein, dass Gouverneur Chris Christie als Trump-Berater gefeuert wurde. Doch das ist lange her. Der direkte Zugang zum Oval Office, zum Präsidenten und Schwiegervater, ist ihm inzwischen von Stabschef John Kelly verwehrt.

Von Anfang an hatte Kushner nur eine vorläufige «Security Clearance» im Weissen Haus, die ihm den Zugang zu wichtigen und streng geheimen Regierungsunterlagen und -informationen ermöglichte. Dem FBI fiel gleich auf, dass Kushners Geschäftsaktivitäten ihn anfällig für ausländische Interessen machten.

Und tatsächlich: Ende Februar wurde Kushners Sicherheitslevel heruntergestuft. Damit hat er keinen Zugang mehr zu Top-Secret Informationen, die er eigentlich für seine Arbeit als engster Berater des Präsidenten benötigt.

Kushner und Ivanka Trump vor einem Gemälde, das Harry S. Truman zeigt.
Legende: Auf dem absteigenden Ast: Ende Februar wurde Kushner die höchste Sicherheitsfreigabe entzogen. Reuters

Vor allem Geschäftsintressen im Sinn?

Auch wird immer deutlicher, dass Trumps Vetternwirtschaft Kushner in wichtige Positionen gebracht hat, die dieser für seine Firma und die Interessen seiner Frau, Trump-Tochter Ivanka, zu nutzen wusste. So wurde während offiziellen Anlässen in Katar und Japan auch über Geschäftsinteressen der Trumps und Kushners gesprochen.

Jetzt hat Kushner ein grosses Problem. Denn er ist im Zentrum der Russland-Ermittlungen von Robert Mueller gelandet. Der Kauf der Immobilie 666 Fifth Avenue in New York City von 2007 hat dem Kushner-Familienunternehmen Schulden in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar gebracht. Ein hoher Kredit ist im kommenden Januar fällig.

Hochhaus-Tower Fifth Avenue 666 in New York City.
Legende: 1,2 Milliarden Schulden: Das Kushner-Gebäude an bester Lage New Yorks. Reuters

Trumps Schwiegersohn soll daher noch im Dezember 2016, als er schon Teil des Übergangsteams für die neue US-Administration war, mit Investoren aus China, Katar, Israel und auch Russland gesprochen haben. So wollte er die drohende Unternehmenspleite abwenden. Und nicht nur das: Kushner hat diese Kontakte lange verschwiegen, ja Falschaussagen bei seinem Sicherheitscheck durch das FBI gemacht.

Trump überlegt, wie er Kushner los wird

Das holt ihn und Trump nun ein: Kushner, so sind sich Kommentatoren und Beobachter in Washington einig, ist kaum noch für das Weisse Haus zu halten. Die Frage ist nun nicht mehr, ob, sondern wann er – und damit wohl auch seine Frau Ivanka Trump – aus dem Präsidententeam ausscheiden werden.

Zwar preist Trump Kushner nach wie vor in den höchsten Tönen. Doch es heisst, er überlege schon seit Wochen, wie er seinen Schwiegersohn vor die Tür setzen könne.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Kushner wird nie und nimmer kaltgestellt, denn er ist die Verbindungsperson zu einer der massgebendsten Unterstützer von Trump. Es kann sein, dass er mehr und mehr aus dem Rampenlicht verschwindet, was aber nicht heisst, dass er keinen Einfluss mehr hat. Nebenbei bleibt er Trumps Schwiegersohn.
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  • Kommentar von Kurt Wirz (kw)
    Man kann ein Land nicht gleich führen wie eine Firma. Das ist auch schon andern Politiker klar geworden. Trump hat sich hier keine gute Basis geschaffen und in Personalfragen ist er ganz offensichtlich eine Niete.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Schon immer stammten alle Präsidentschafts-Kandidaten der USA aus reichen Familien oder Dynastien! Nur Multimillionäre konnten ein Jahr lang in den amerikanischen Staaten herumreisen und "Werbung" organisieren, ausführen und vorallem bezahlen! Noch nie wurden nach deren Wahlen ein Präsident dermassen einseitig und täglich mit Negativ-Schlagzeilen verunglimpft, wie der gegenwärtige Donald Trump! Familien-Mitglieder, alle ernannten Minister oder hohe CEO's im "Weissen Haus" machen "alles falsch"!
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    1. Antwort von Pascal Ringenbach (stuhlflechter)
      Ach ja, der Arme, er kann ja nichts dafür das man ihn so darstellt. Er ist ja immer so respektvoll, höflich und anständig mit allen anderen. Auch seine Politik ist geprägt von Weitsicht und er hat nur das Wohl der normalen Amerikaner im Sinn. Auch ist er, anders als alle anderen, kein Mitglied der Elite, da er ja ein ganz normaler Bürger ist. Ironie Ende.
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    2. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Geradezu unheimlich fände ich es, wenn einer wie Trump und seine neokonservativen Raubtier-Ökonomen nur auf vorbehaltlose Zustimmung, Jubel und Applaus stossen würden. Ich verstehe nach wie vor nicht, wie es möglich ist, dass Trump so viele des Lesens, Schreibens und Denkens kundige Menschen an der Nase herumführen und über seine Motive täuschen kann.
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    3. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Jeder bisherige USA-Präsident machte Fehler oder hatte "ideologische Erzfeinde"! Was aber gegen den gegenwärtigen Präsidenten, die ganze Administration des "Weissen Hauses" und sogar gegen seine Familie abläuft, überbietet alles Bisherige! Nichts, aber auch wirklich gar nichts, was Trump machte, macht oder nicht macht, wird verunglimpft und weltweit einhellig von den Medien verdammt: Er macht alles "falsch"! Jeder wichtiger Präsident macht gutes und fehlerhaftes, Herr Ringenbach, auch Trump!
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    4. Antwort von Pascal Ringenbach (stuhlflechter)
      Lieber Herr Bolliger, nobody is perfect. Kein Präsident war das, seit Bush sen. habe ich alle mitbekommen. Ich bilde meine Meinung nicht nur Anhand von Artikeln hier auf SRF sondern auch dem Ami-TV (inkl. FOX!) und Twitter (da ihr Kollege gerne zwitschert). Bei Bush jr. habe ich gedacht Schlimmer gehts nimmer, was habe ich mich getäuscht! Jetzt vermisse ich Bush jr.! Und das sollte Ihnen zu denken geben! Und fragen Sie mich nicht was ich an DT nicht mag, ich wüsste nicht wo anfangen...
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