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Labors in den Niederlanden Riesiger Umsatz mit synthetischen Drogen

19 Milliarden Euro jährlich: Produzenten synthetischer Drogen erwirtschaften den Umsatz eines internationalen Konzerns.

Legende: Audio Viele synthetische Drogen kommen aus den Niederlanden abspielen. Laufzeit 07:30 Minuten.
07:30 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.08.2018.

Darum geht es: Die niederländische Polizei-Akademie hat eine neue Studie zur Produktion von synthetischen Drogen in den Niederlanden veröffentlicht. Die Erkenntnis daraus ist, dass in den Niederlanden im Jahr 2017 für rund 19 Milliarden Euro synthetische Drogen produziert wurden. Es gibt sowohl grosse als auch kleine Labors. Die Grösse der Labors könne aus der Menge der illegal entsorgten Abfälle in Naturschutzgebieten erahnt werden, sagt Elsbeth Gugger, SRF-Korrespondentin in den Niederlanden.

Die Menge: Für rund 19 Milliarden Euro gibt es 1 Milliarde Extasy-Pillen und 600 Millionen Gramm Amphetamine (Speed).

Der Vergleich: Die weltweit viertgrösste Airline, die Airfrance KLM, erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 24 Milliarden. Der Elektromulti Philipps stellte 2017 Geräte im Wert von 18 Milliarden Euro her. Die illegale Produktion von synthetischen Drogen in den Niederlanden entspricht in der Grössenordnung einem multinationalen Konzern.

Die Verlässlichkeit der Zahlen: Die Studienautoren nehmen die Zahlen von den beschlagnahmten Pillen und den beschlagnahmten Grundstoffen im Jahr 2017 als Basis. «In den Niederlanden wird durchschnittlich jeden Tag ein illegales Drogenlabor ausgehoben», sagt Gugger. Die Zahlen seien vorsichtig hochgerechnet. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Die UNO gehen davon aus, dass von den Behörden nur gerade sieben Prozent der gesamten Produktion beschlagnahmt wird.

Der Produktionsstandort: In den Niederlanden sei die Chance, erwischt zu werden, relativ gering, da es an Fahndern mangle. Und das Land sei mit den Häfen in Rotter- und Amsterdam geradezu prädestiniert für internationalen Handel. Und die Niederländer seien logistisch sehr gut und sehr geschäftstüchtig, sagt Gugger. «Sie sind auch sehr anpassungsfähig, pressen Pillen in verschiedenen Farben oder Pillen mit dem Antlitz von Donald Duck», sagt Gugger. In den Niederlanden sind die Strafen für diese Art von Gesetzesverstössen viel geringer als in den USA oder in Australien.

Tradition der Herstellung illegaler Substanzen: Im Süden der Niederlande werden seit den 1970er-Jahren synthetische Drogen produziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort illegal Jenever gebrannt. Jenever ist Wachholderschnaps niederländischer oder belgischer Herkunft.

Der Binnenkonsum: Die Experten gehen von Bandbreiten des inländischen Konsums von zehn bis zwanzig Prozent aus. «In der Dance-Szene ist Extasy hochangesehen. In Rotterdam und in Amsterdam steigen jedes Wochenende riesige Partys», sagt Gugger. Es gehöre unter den jungen Menschen heute dazu, an einer Party eine Pille einzunehmen.

Schätzungen zum Drogenkonsum in der EU

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Stephanie von Walterskirchen (SVW)
    Es soll locken das liebe Geld, was aber kosten Drogen den Staat/Allgemeinheit/Arbeitgeber/Krankenkasseprämien/Unfallversicherungen? Drogen zu verharmlosen oder gar als Finanzquell für einen "besseren" Staat zu nehmen soll intelligent sein? Geht die Rechnung auf? Auf mich wirkt das wie Brandstiftung. Ich bin schockiert. ICh möchte endlich mal wieder Kritische Berichterstattung was die Konsequenzen auf die Zivielgesellschaft und auf das zivile Zusammenleben ist. Etwas mehr Zivielcourage bitte!!
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    1. Antwort von Timothée Mollet (timoll)
      Nun die Drogen Alkohol und Nikotin kosten den Staat auch sehr viel und sind schädlicher als einige der Aufgeführten Stoffe. Gerade psychoaktive Stoffe wie Psilocybin oder LSD liefern bei der Behandlung von diversen psychischen Krankheiten und Abhängigkeiten sehr vielversprechende Resultate. Zur Unterstützung von Psychotherapie für PTSD ist auch MDMA bei ersten Studien eine Droge die Wunder wirkt. Wenn alles gut läuft werden sie in der USA im Jahr 2021 als Arztneimittel zugelassen.
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    2. Antwort von Stephanie von Walterskirchen (SVW)
      Herr Mollet, sie reden wie ein Dealer. Ein Arzt sind sie nicht. Ich bin schockiert dass solche Aussagen nicht als Gemeinsgefährlich deklariert werden.Jungen Menschen in schwierigenLebenssituationen,die sich im Schicksahl alleine gelassen fühlen so etwas zum schlucken zu motivieren sollte bestraft werden können.Zieviellcourage nicht ausbeutende Drogen.Nur sehr viel Überlebenswillen kann einen Menschen aus dem Teufelskreis der falschen Heilsbringer retten. ICh verlange mehr Schutz und Hinschauen.
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  • Kommentar von M. Frey (Freyma)
    Es ist schon krass, wie die Menschen nach Freiheit lechzen, zugleich ihren Körper mit allerlei Suchtmittel vollstopfen. Arme Menschen, die den Sinn vom Leben nicht finden, weil sie am falschen Ort suchen.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Bei 19% MWSt. wären das in legaler Umgebung 3.6 Mrd. Steuereinnahmen für den Staat.
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    1. Antwort von Stephanie von Walterskirchen (SVW)
      Abzüglich Kosten für IV-&Sozialhilfeempfänger, Arbeitslosenkasse, Therapienen viaKrankenkasse, Krankheitsausfälle am Arbeitsplatz, Staatlich finanzierte Kinderbetreuung/Pflegeplätze, Unfälle, immer gefährlichere Gewaltdelikte, Sexualdelikte...Drogen sind weder moralisch vertretbar noch haben sie etwas im Mainstreamumfeld verlohren.Dringend mehr Prävention mehr Information die gegen Drogen sprechen&mehr Drogenfahner. Drogen sind eine Gesellschaftliche Verantwortung nicht jedem selber aufzuhalsen
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    2. Antwort von Ste Brand (Steph Brand)
      Deshalb sollte man legalisieren / Drogen entkriminalisieren und in den legalen Markt einbinden... ist eigentlich ganz logisch. Nur denken die Leute "dann gibts viel mehr Drögeler" - wenn Kokain leaglisiert wird, werdet ihr deshalb automatisch zu Koksern?
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    3. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Frau von Walterskirchen, ich bitte Sie... wie ist das denn bei Tabak und Alkohol? Oder wollen Sie nun auf die Schiene kommen, dass Kokain, Ecxtasy oder Cannabis ja viiiiiel gefährlicher seien? Wissen Sie denn, wovon Sie reden...? Ich glaube nicht.
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