Zum Inhalt springen
Inhalt

Lachszucht belastet Umwelt Massentierhaltung im Meer

Dicht zusammengedrängt und voll mit Antibiotika vegetieren Lachse in Käfigen. Doch das Geschäft ist lukrativ.

Legende: Audio Lachszucht: Massentierhaltung im Meer abspielen. Laufzeit 03:28 Minuten.
03:28 min, aus Rendez-vous vom 20.08.2018.

Im Juli sind in Chile 700'000 Lachse aus ihren Zuchtbecken entwischt. Zwei Tonnen Antibiotika sind dabei ins Meer gelangt. Wie geht das? Der Fall ist nur das neuste Beispiel dafür, wie sich mit Lachs Geld verdienen lässt. Auch zu Lasten der Umwelt.

In Chile ist nur Kupfer wirtschaftlich noch wichtiger als Lachs; allein mit dem Fisch verdient die Zuchtindustrie umgerechnet über vier Milliarden Franken pro Jahr. Die wichtigsten Absatzmärkte sind Japan, die Vereinigten Staaten und Brasilien.

Brutale Zuchtmethoden

Nach Europa gelangt chilenischer Zuchtlachs kaum. Die Konsumentinnen dort dürften diese Fische aber kaum vermissen. Die Zuchtmethoden sind so brutal, dass man bei Lachs aus Chile schnell den Appetit verlieren kann. Es ist industrielle Massentierhaltung.

Mann entnimmt einem Lachs die Innereien
Legende: Hinter Kupfer ist die Lachszucht in Chile der lukrativste Wirtschaftszweig. Reuters

Gut beobachten lässt sich das etwa auf der Insel Chiloe, einem Hotspot in der Aufzucht von Lachsen. Es ist schon dunkel, als der Kutter durch die Küstengewässer tuckert. Die Zuchtkäfige gleissen im Licht starker Scheinwerfer. Mit an Bord ist der Gewerkschafter Mauricio. Er beleuchtet zur Nachzeit Käfige: «So täuscht man den Fischen vor, es sei Tag – und sie fressen munter weiter. Damit sind sie schneller schlachtreif.»

Aquakultur nahe einer Insel
Legende: Chiloe ist ein Hotspot der Lachszucht. Imago

Die Lachskäfige im Meer sind derart vollgestopft mit Fischen, dass man die Zucht mit den Bedingungen von Legehennen in Batteriehaltung vergleichen kann. Die Forderung der Fischereiaufsicht, die Zahl der Lachse im Käfig zu halbieren, quittierte die Branche mit einem Aufschrei. Dann sei es kein Geschäft mehr.

In Chile setzen die Konzerne das Dreihundertfache an Antibiotika ein.
Autor: Juan Carlos CardenasUmweltaktivist

Auch im Meer kommt die Massentierhaltung nicht ohne Antibiotika aus – die Fische sind überaus empfindlich für Krankheiten wie Lausbefall oder Viren. Verschiedene Studien weisen auf Antibiotika-Rückstände im Fleisch der chilenischen Lachse hin.

Für den chilenischen Fischereiexperten und Umweltaktivisten Juan Carlos Cardenas ist das keine Überraschung: «Wenn wir einen Blick auf Norwegen werfen, wo Lachs für den europäischen Markt viel nachhaltiger produziert wird, so ist der Unterschied frappant: In Chile setzen die Konzerne das Dreihundertfache an Antibiotika ein.»

Fische künstlich beatmen

Zu jeder Lachszucht in Chile gehören Sauerstofftanks, die regelmässig mit Tankfahrzeugen oder -schiffen gefüllt werden. Meistens während der Fütterung müssen die Lachse künstlich beatmet werden, damit sie nicht eingehen.

Die Ausscheidungen der Lachse und Nahrungsmittel-Rückstände entziehen dem Meerwasser bei der Zersetzung Sauerstoff. Schliesslich fehlt das vitale Element im Bereich der Käfige – und die Lachszüchter halten ihren Fisch mit Sauerstoffduschen am Leben.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

27 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Fischzuchten sollte man verbieten, denn sie belasten nicht nur die Zuchttiere sondern auch die Umwelt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Esther Siefert (E.S. (parteilos))
    Ich kaufe grundsätzlich KEINEN Zucht-Lachs (auch sonst keinen Fisch aus Zucht). Der ist viel zu fett und fällt beim Kochen auseinander. Ausserdem wird auch viel Fisch zum Füttern dieser Zucht-Fische verwendet - total pervers. Und das Futter, das nicht gefressen wird, fällt durch die "Netze" und auf den Meeresboden und verursacht dort wiederum eine riesige Verschmutzung...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Des Geldes wegen werden Hunderttausende durch Antibiotika und Gifte auf längere Sicht hinaus vergiftet. Die Betreiber denken nicht daran, dass es auch sie erwischen kann. Wie Rücksichtslos sind doch die Menschen geworden, nur des Geldes wegen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen