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Kubaner haben genug von den alten Kampfparolen
Aus Rendez-vous vom 12.07.2021.
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Land im Wirtschaftsschock «Die Situation in Kuba ist nicht mehr zum Aushalten»

In Kuba brodelt es. Auf sozialen Medien sieht man Menschen, die gegen Mangelwirtschaft und Unterdrückung protestieren. Der Lateinamerika-Experte Bert Hoffmann sieht darin den Ausdruck wahrer Frustration. Es stecke keine Verschwörung dahinter, wie es die Regierung behauptet.

Bert Hoffmann

Bert Hoffmann

Politologe

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Bert Hoffmann ist Forscher am Institut für Lateinamerika-Studien des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg.

SRF News: Es heisst, es gebe kaum Lebensmittel oder Medikamente, man müsse alles in den Devisenläden kaufen. Was ist da los in Kuba?

Bert Hoffmann: Die Wirtschaftskrise hat sich dramatisch verschärft in den letzten beiden Jahren. Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle des Landes und der ist ja durch Corona über Nacht eingebrochen. Und auch andere Wirtschaftszweige sind fürchterlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Überweisungen aus den USA gibt es nicht mehr.

Es ist im Prinzip ein Hilfeschrei: So geht's nicht weiter.
Autor:

Donald Trump hatte verhindert, dass das Geld, das Familienangehörige schicken, weiter ins Land fliesst. Insofern hat Kuba wirklich einen massiven Wirtschaftsschock erlebt und das hat sich nun in einer sehr prekär gewordenen Versorgungslage ausgedrückt. Und dagegen richten sich die Proteste. Es ist im Prinzip ein Hilfeschrei: So geht's nicht weiter.

Präsident Miguel Díaz-Canel wandte sich in einer TV-Ansprache ans Volk und sagte, die Proteste seien von den USA über Social-Media-Plattformen und von Söldnern orchestriert. Wie plausibel ist das?

Natürlich gibt es Regierungsgegner. Und natürlich nutzen die alles aus, was gegen die Regierung in Havanna geht. Und natürlich stellen die Oppositionskräfte, die es gibt, das auf die Social-Media-Kanäle. Der Auslöser dafür ist aber nicht eine Konspiration. Die Situation ist nicht mehr zum Aushalten. Dazu kommt die Covid-Krise. Es gibt ganz viel aufgestaute Frustration. Diese entlädt sich, und dazu braucht es keine Kräfte aus dem Ausland. Es war absehbar, dass die Kubaner nicht auf Dauer zu Hause sitzen und denken: Ach, das wird schon werden.

Fahrzeuge der Sicherheitskräfte fuhren mit Maschinengewehren bewaffnet durch die Strassen. Der Präsident rief zudem die Kommunisten im Land auf, auf die Strasse zu gehen und die Revolution zu verteidigen. Wie explosiv ist diese Lage?

Zunächst einmal wird die kubanische Regierung versuchen, die Anhängerinnen und Anhänger der Revolution – von den Sicherheitskräften über die Staatsangestellten bis hin zu den Studierenden – zu verpflichten, auf die Strasse zu gehen. Das geht mit Verhaftungen einher, aber bei dem Aufruf geht es im Prinzip darum, den öffentlichen Raum durch pro-Regierungsdemonstrationen zu besetzen.

Es kann gut sein, dass die Strassenproteste zwei Wochen später wieder aufflammen.
Autor:

Ich glaube, kurzfristig wird die Regierung ihre Leute dafür mobilisieren können. Damit wird sie das Versorgungsproblem und die Frustration, die daraus entstanden ist, aber nicht lösen können. Damit kriegt sie vielleicht die aktuellen Strassenproteste wieder eingedämmt. Aber es kann auch gut sein, dass diese zwei Wochen später wieder aufflammen.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Rendez-vous, 12.07.2021, 12:30 Uhr;

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Carlo Quirici  (CQ)
    Die USA versucht Kuba seit 50 Jahren zu destabilisieren und mit einem Embargo in die Knie zu zwingen. Das ist keine Verschwörungstheorie sondern public Realität. Natürlich ist dies ein weiterer Versuch von Kreisen aus der USA (tausende Exilkubaner warten im Miami auf die Öffnung, damit sie Ihre "Schwestern" wieder in Casinos und Bordellen verkaufen und reich werden können) die Krise auszunutzen. Kuba braucht Reformen aber nicht a la USA.
  • Kommentar von Bernhard Meyer  (Bernhard Meyer)
    Ohne die Intervention von USA ginge es dem Land viel besser !!
  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Der Sozialismus verspricht Gleichheit und Wohlstand für Alle.

    Geliefert wird dann Diktatur, Mangelwirtschaft und gleiche Armut für Alle.

    Und immer noch gibt es auch noch bei uns Anhänger von dieser Ideologie. Nichts gelernt von den Irrtümern Anderer.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Stäheli, Können Sie ein Beispiel bringen, wo und wer bei uns Anhänger dieser Ideologie ist? Ich bin noch nie jemandem begegnet, der so denkt.
    2. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Der Grund für die Bruchlandung des Kommunismus, nicht Soziallismus, der Wohlstand versprach, ist, dass er von edlen Menschen ausging.

      Der Grund für die Bruchlandung des Schweizer Bankgeheimnisses mit seinem edlen Gedanken die Privatsphäre des Menschen zu schützen, war die Annahme, dass die Menschen ehrlich sind.

      Zwei Utopien die Buchlandung erlitten.
    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @F.Meyer
      Siehe einen Post unter dem Ihren ...