Lateinamerika feiert Annäherung von USA und Kuba

Eine historische Wende – so kommentieren in Lateinamerika die Zeitungen und Spitzenpolitiker die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und Kuba. Ulrich Achermann berichtet über das positive Echo, das auf die überraschende Ankündigung folgte.

Auf der karibischen Insel selbst sind nach den Ankündigungen der Präsidenten Barack Obama und Raul Castro die Studenten auf Strassen gezogen, um den Neuanfang zwischen den beiden Ländern lautstark zu feiern.

Die Kubaner versprechen sich viel vom politischen Tauwetter, auch wenn das grösste Problem, die US-Blockade gegen Kuba, noch nicht gelöst ist. Dass die Vereinigten Staaten ihre Embargopolitik gegen Kuba aufgeben werden, ist jetzt in Sichtweite, meint ein Student in Havanna. Ein anderer bezeichnet die Annäherung zwischen den USA und Kuba als «menschlichen Akt».

Wirklich historisch

Der in kubanisch-amerikanischen Geheimverhandlungen vorbereitete Neuanfang hat in Lateinamerika alle überrascht. Das Echo ist überaus positiv. Die Spitzenpolitiker sprechen von einer historischen Wende, auch die argentinische Staatspräsidentin Cristina Kirchner. Wirklich historisch, formulierte sie am Rande des Mercosur-Gipfels.

Selbst Venezuelas stark US-kritischer Präsident Nicolas Maduro sparte nicht mit Lob an die Adresse von seinem Amtskollegen Obama. Mit der Annäherung an Kuba habe Obama die bedeutendste aussenpolitische Entscheidung seiner Präsidentschaft getroffen, sagte Maduro.

Hoffnung in den USA

Von der Normalisierung der Beziehungen zu Kuba erhoffen sich die Amerikaner, dass der Wandel in Kuba eine Eigendynamik entwickelt und im besten Fall zu politischen Reformen im kommunistischen Regime führt. Für die Kubaner ist interessant, dass sie mit der Lockerung oder der Aufhebung des US-Embargos an eine Reihe von Gütern kommen, die bis jetzt nicht oder nur auf teuren Umwegen zu haben waren.

Wenn der ab Januar mehrheitlich republikanisch dominierte Kongress Obamas Kuba-Pläne unterstützt und die Blockadepolitik aufhören sollte, müssen sich die Gebrüder Castro allerdings neue Argumente einfallen lassen. Denn bis jetzt machen sie das US-Embargo für alles verantwortlich, was in Kuba schief läuft.

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