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Frankreichs Präsidentenwahl Le Pen sagt der EU den Kampf an

Frankreich und Union haben keine gemeinsame Zukunft. Front-National-Chefin Marine Le Pen bekräftigte in Paris ihr Credo.

Legende: Audio «Klare Absage in Richtung Brüssel» abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
1:31 min, aus HeuteMorgen vom 24.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • «Grossbritannien, der Brexit, zeigt uns den Weg zurück in die Freiheit», betonte die Präsidentschaftskandidatin vom Front National, Marine Le Pen, bei einer Rede in Paris.
  • «Europa ist nicht die Lösung, sondern das Problem», erkärte sie weiter.
  • Europa ist für Le Pen im besten Fall ein loser Staatenbund.

In zwei Monaten finden in Frankreich die Präsidentschaftswahlen statt. Marine Le Pen vom Front National wird gemäss Umfragen im ersten Wahlgang am meisten Stimmen erhalten.

«Brexit zeigt uns den Weg in die Freiheit»

Gestern Abend hat sie vor Diplomaten und zahlreichen internationalen Medienvertreten einmal mehr bekräftigt, dass Frankreich und die Europäische Union in ihren Augen keine gemeinsame Zukunft mehr haben.

Ihre Mine war ernst, der Ton ihrer Stimme auch. Nur einmal strahlte Le Pen während ihrer Rede – als sie von Grossbritannien sprach: «Grossbritannien, der Brexit, zeigt uns den Weg zurück in die Freiheit.»

«Europa ist nicht die Lösung, sondern das Problem»

Spricht Marine Le Pen über internationale Politik, dann fehlt nie das Vorbild Grossbitannien. Vorbildlich sind in ihren Augen nicht die britischen Politiker, sondern das Volk, das gegen die Meinung der politischen Eliten stimmte.

Vorbildlich sei das für das französische Volk: «Geht es um unsere Sicherheit, um die Kontrolle der Einwanderung, in Steuerfragen und in der Sozialpolitik – überall gilt: Europa ist nicht die Lösung, sondern das Problem.»

Le Pen mit erhobenem Zeigefinger
Legende: Wir bauen ein anderes Europa, betonte Le Pen bei ihrer gestrigen Rede in Paris. Reuters

Ein anderes Europa bauen

Gewinnt sie die Wahl, will Marine Le Pen alle Verträge mit der EU kündigen und den Euro als Währung abschaffen: «Frau Merkel, Herr Schulz und die EU-Kommission werden akzeptieren müssen, dass wir ein anderes Europa bauen.» Europa ist für Le Pen im besten Fall ein loser Staatenbund.

Wie immer sprach Le Pen nicht davon, welchen Preis die lahmende französische Wirtschaft dafür zahlen müsste. Wahlkampf ist auch in Frankreich die Zeit der grossen Versprechen. Der Realitäts-Check folgt erst nach der Wahl.

80 Kommentare

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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Den EURO abschaffen? Man stelle sich vor, bei den Längenmassen würde die gleiche Situation herrschen wie bei den Währungen - Meter und Inch könnten ihren "Wechselkurs" frei ändern: Heute ist 1 inch = 25.4 mm, morgen 1 inch = 20 mm. Konstrukteurinnen und Ingenieure würden verzweifelt das Handtuch werfen! - Wir brauchen zuverlässige Masseinheiten, auch für das Geld - der EURO war und ist ein erster Schritt dazu. Der nächste wäre nach meiner Vision ein "GLOMON" - GLObal MONetary Unit.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Bei der Einwanderung ist für Frankreich nicht primär die EU das Problem, sondern es sind Folgen des früheren französischen Kolonialismus, Sündenbock ist, wie bei den Ultrarechten für alle selbstgebackenen Probleme üblich, wie immer die EU. Und Le Pen will offensichtlich mit Wiedereinführung des Franc die katastrophale französische Politik der Inflationierung der Währung wieder aufnehmen. Neuer FF bei Einführung zur DM: 1:1, ein paar Jahrzehnte später : 1 DM = 4 FF.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Europa hat ein Problem, nämlich die EU, die glaubt ganz Europa zu sein, es aber sicherlich nicht ist. Warum nur wird das immer wieder übersehen? Europa geht nämlich im Osten bis an den Ural heran, was bedeutet, dass auch Russland dazu gehört.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Sie sprechen hier den geographischen Begriff Europa an. Europa ist geographisch der bis Island reichende westliche Teil der eurasischen Platte. Aber wenn man gemeinhin von Europa spricht, denkt man im allgemeinen an die ideellen humanistischen und zivilisatorischen Errungenschaften Westeuropas, die leider im geographisch Europa zuzuordnenden Russland leider noch nie nachhaltigen Niederschlag gefunden haben, vom weiter östlich gelegenen Riesenreich mal gar nicht zu reden.
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    2. Antwort von Max Blatter (maxblatter)
      Warum ist die EU nicht ganz Europa? Weil es notorische Querulanten gibt, die geografisch unzweifelhaft zu Europa gehören (sogar zu Kontinental-Europa), aber partout nicht der EU beitreten wollen. Das auffälligste "Schwarze Loch" ist dabei die Schweiz, die m.E. für eine massgebliche Führungsrolle innerhalb der EU prädestiniert wäre (gleichsam als das "Washington D.C. Europas"), in geradezu snobistischem Hochmut aber darauf verzichtet.
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