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Eine Verbrecherkarriere so spektakulär, dass sie Steven Spielberg verfilmen will
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.07.2019.
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Lebenslange Haft für Holleeder Er ist Hollands berüchtigtster Schwerverbrecher

Nach einem spektakulären Prozess rund um Mord, Verrat und Intrigen befand das Amsterdamer Gericht Holleeder des fünffachen Mordes für schuldig.

Radprofi hätte er werden sollen. Aber das Leben von Willem Holleeder nahm eine völlig andere Wendung. Der heute 61-Jährige wächst als ältestes von vier Kindern in einem Amsterdamer Arbeiterviertel auf. Der Vater, der beim Bierbrauer Heineken arbeitet, ist ein Säufer, der seinen Ältesten jahrelang windelweich prügelt. «Mein Vater war ein schrecklicher Mann», erzählt Holleeder vor sieben Jahren in einem Fernsehprogramm. Mit 15 verlässt der junge Willelm das elterliche Haus. Jetzt lebt er für den Sport, trainiert sich Muskeln an. Niemand soll ihn mehr schlagen könnnen.

Heineken-Entführung und Auftragsmorde

Abends in der Kneipe freundet er sich mit der Amsterdamer Unterwelt an und träumt vom grossen Geld. Irgendwann beschliesst er mit ein paar Kumpels, Freddy Heineken zu entführen.

Das Urteil: Lebenslänglich wegen fünffachen Mordes

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Das Urteil: Lebenslänglich wegen fünffachen Mordes

Nicht kleiner Gauner, sondern eiskalter Killer. Das Strafgericht in Amsterdam sah am Donnerstag Holleeders Schuld für fünf Auftragsmorde und einen Fall von Totschlag von 2002 bis 2006 als erwiesen an. Als Kronzeugen waren unter anderem die beiden Schwestern des Amsterdamers aufgetreten.

Der 61-jährige hatte dem Urteil zufolge aus Machtgier und finanziellem Interesse gehandelt. Seine Opfer waren ebenfalls führende Kriminelle gewesen. Darunter auch Holleeders früherer Kumpan Cor van Hout, mit dem er 1983 den Biermagnaten Freddy Heineken entführt hatte.

Die Bierbrauer Familie bezahlt 35 Millionen Gulden, respektive 16 Millionen Euro Lösegeld. Aber die Entführer werden geschnappt und zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.Nach seiner Freilassung hätte Holleeder die Chance, auf den rechten Pfad zurückzukehren.

Aber «die Nase», wie er wegen seines riesigen Riechorgans genannt wird, macht jetzt Karriere als Erpresser. Wieder schreitet die Polizei ein. Wieder Gefängnis, diesmal für neun Jahre. In jener Zeit, es sind die Nullerjahre, wird Amsterdam immer wieder durch äusserst brutale Morde aufgeschreckt. Am helllichten Tag werden auf offener Strasse ehemalige Mitstreiter von Holleeder von Maschinenpistolensalven regelrecht durchsiebt.

Auftragsmorde aus dem Gefängnis

Bald ist die Rede von Palermo an der Amstel. Für die halbe Unterwelt scheint klar, dass Holleeder diese Morde aus dem Gefängnis in Auftrag gegeben hat. Nun geht die Angst um.

Wie schon bei der Heineken-Entführung berichten die Medien intensiv über die brutalen Morde. Als Holleeder 2012 auf freien Fuss kommt, ist er ein bekannter Niederländer geworden, mit dem alle ein Selfie machen wollen. Er bekommt eine Kolumne in einer Zeitschrift und wird ins Fernsehen eingeladen.

Meine Schwester hat alles zusammengelogen, das ist einfach so.
Autor: Willelm HolleederSchwerverbrecher

Doch dann packt ein ehemaliger Mitstreiter aus und Holleeder kommt wieder in U-Haft. Noch schlimmer für den Schwerverbrecher: Seine Schwester Astrid beschuldigt ihn schwer. Nicht nur hat die Anwältin zahlreiche Gespräche mit ihm heimlich aufgenommen, sie hat auch ein Buch geschrieben. Es ist ein Bestseller, der inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt wurde und den Hollywood-Regisseur Steven Spielberg verfilmen will. Fünf Jahre dauert der Prozess gegen Holleeder.

Er bezichtigt die Schwester der Lüge

Als der Richter ihm zum Schluss das Wort erteilt, sagt der prominente Angeklagte aus. «Astrid hat alles zusammengelogen, das ist einfach so», sagt Holleeder. Das Gericht glaubt ihm nicht. Dass seine eigene Schwester ihn so hintergehen konnte, darüber wird der berüchtigste Verbrecher der Niederlande wohl nie hinweg kommen.

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