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Spannung in Westafrika Letzte Vermittlung in Gambia: Senegal stoppt seine Panzer

In Gambia spitzt sich die Lage zu: Eine vom Senegal eingeleitete Mlitärintervention wurde für einen letzten Vermittlungsversuch gestoppt.

Legende: Video Erschwerter Regierungswechsel in Gambia abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 20.01.2017.
  • Militärintervention für einen letzten Vermittlungsversuch unterbrochen. Frist läuft Freitagmittag ab.
  • Der gambische Wahlsieger Adama Barrow ist in Senegal als neuer Staatschef vereidigt worden.
  • Der bisherige Amtsinhaber, Yahya Jammeh, weigert sich weiter abzutreten.
  • Militär und Polizei in Gambia haben sich Sicherheitskreisen zufolge von Yahya Jammeh losgesagt. Auch die UNO steht hinter Adama Barrow.
  • An der Grenze zu Gambia steht eine Eingreiftruppe mit hunderten Soldaten aus Nigeria, Senegal und Ghana. Sie sollen den Machtwechsel notfalls erzwingen.
  • Erste Truppen aus Senegal sind in Gambia einmarschiert.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ecowas) hat ihre Militärintervention in Gambia für einen letzten Vermittlungsversuch vorerst unterbrochen.

Letzte Frist: Freitagmittag

Der Präsident von Guinea, Alpha Condé, soll den abgewählten Präsidenten Yahya Jammeh zum Verlassen des Landes bewegen. Für diesen letzten Vermittlungsversuch sei eine Frist bis Freitagmittag (Ortszeit) gesetzt worden, teilte die Ecowas-Kommissionspräsidentschaft am Donnerstagabend mit. Wenn Jammeh bis dann nicht das Land verlassen, werde die Militärintervention weitergeführt.

Kartenausschnitt von Gambia.
Legende: Bis auf einen Zugang zum Meer ist Gambia umschlossen vom Senegal. SRF

Senegalesische Truppen hatten am Donnerstag die Grenze zu Gambia überschritten, um Jammeh zur Machtübergabe an dessen gewählten Nachfolger Adama Barrow zu bewegen. Parallel zum Einmarsch Senegals hatte der UNO-Sicherheitsrat einstimmig grünes Licht für ein Eingreifen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) gegeben.

UNO-Generalsekretär António Guterres rief nach Angaben seines Sprechers am Abend den Wahlsieger Barrow an, um ihm die Unterstützung der UNO zuzusichern.

Kampfjets kreisen

An der Grenze Gambias, dessen Staatsgebiet bis auf die Küste komplett von Senegal umschlossen wird, hielten sich auch Soldaten aus Nigeria und Ghana für einen Einmarsch bereit. Die nigerianische Luftwaffe liess Kampfflugzeuge über Gambia kreisen.

Die senegalesischen Truppen hätten die Grenze an mehreren Stellen passiert, sagte Armeesprecher Abdoul Ndiaye am Abend in Dakar. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP an der gambischen Südgrenze berichtete, dass aus grenznahen Dörfern Kampflärm zu hören gewesen sei.

Amtseid in Senegal geleistet

Wenige Stunden vor dem Einmarsch der Senegalesen hatte Wahlsieger Barrow in der gambischen Botschaft in Senegals Hauptstadt Dakar seinen Amtseid als Präsident abgelegt. Er forderte die Streitkräfte seines Landes zur unbedingten «Loyalität» ihm gegenüber als neuem Oberbefehlshaber der Streitkräfte auf.

Generalstabschef Ousman Badgie.
Legende: Er nimmt nur noch Befehle des neu gewählten Präsidenten Adama Barrow entgegen: Der Generalstabschef Ousman Badgie. Keystone

Gambias Armeechef Badjie folgte dieser Aufforderung offenbar. Er schloss sich in Banjul einer Kundgebung von Barrows Anhängern an, die den Einmarsch der Senegalesen feierten. Zuvor hatte Badjie angekündigt, seine Armee werde sich den afrikanischen Eingreiftruppen nicht entgegenstellen.

Der mit harter Hand regierende Jammeh hatte seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl Anfang Dezember zunächst eingestanden. Eine Woche später verlangte er aber plötzlich eine Wiederholung und reichte beim Obersten Gericht eine Klage gegen das Ergebnis ein. Seitdem weigert er sich, seinen Posten zu räumen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Offenbar scheint es den afrikanischen Ländern nicht möglich, diese hirnrissigen Despoten zu beseitigen und so etwas wie Demokratie zu etablieren. Stattdessen führt jeder Amtswechsel zu Bürgerkriegen, Gemetzel, Grausamkeit und Flucht....
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Y. Jammeh ist ein typischer afrikanischer Despot. Während Gambia eines der ärmsten Länder Afrikas ist, füllt der sich die Taschen und behält die Kontrolle über das ganze Land im Stile eines Diktators. Das der jetzt nicht abtreten wird war klar. Der wird sich bis zum bitteren Ende an der Macht halten wollen. Die Afrikaner müssten solche Despoten selbst beseitigen und die Clan- und Sippenmentalität überwinden, wenn es bergauf gehen soll. Fortschritte sieht man da leider nicht wirklich.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Die Ursachen der afrikanischen Probleme liegt vor allem bei den dortigen Regierungen. Solange Typen wie dieser Y. Jammeh in Afrika regieren, ändert sich dort nichts zum Besseren, niemals.
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    2. Antwort von Aurel Specker (Auspec)
      Ich stimme Ihnen zu dass diese korrupten Systeme von Afrikanern selber gelöst werden müssen. Aber wenn Sie sagen Sie sähen keine Fortschritte, dann bin ich mir nicht mehr sicher ob Sie die letzten 15 Jahre nicht verschlafen haben... In Afrika schafft es ein Land nach dem andern einen friedlichen Machtwechsel (auch zur Opposition) zu vollziehen. Es ist ein stetiges Wirtschaftswachstum zu verzeichnen (ausser Ebolaregion) etc. Man sollte endlich das Bild vom feststeckenden Afrika vergessen!
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    3. Antwort von Simon Merkle (Auch vom Volk)
      Es ist richtig, dass Afrika viele seiner Probleme selbst lösen muss, solange aber unsere Regierungungen Deals mit korrupten Regimes absegnet wird das schwer! An Ressourcen und Manpower ist uns der Kontinent überlegen, leider fehlt es aber an Bildung und politischer Stabilität. Viva Afrika!
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  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Stell dir vor, es gibt einen Krieg und niemand geht für Ex-Präsidenten Yahya Jammeh hin. Könnte, wenn alles gut geht, ein kurzer Krieg werden. Wenn es noch besser geht, wird es einfach nur eine Verhaftung.
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