Zum Inhalt springen

Header

Audio
Repression gegen Homosexuelle in China
Aus Echo der Zeit vom 20.07.2021.
abspielen. Laufzeit 06:01 Minuten.
Inhalt

LGBT-Repression Chinas Homosexuelle im Visier der Regierung

Die zunehmende Repression bekommen auch Gruppen zu spüren, die sich nicht gegen die Regierung, sondern für einen gesellschaftlichen Wandel einsetzen.

Xiao Hai ist die Frustration sichtlich anzumerken. Er heisst in Wirklichkeit anders, doch vor dem Interview hat er darum gebeten, anonym zu bleiben. 

Zusammen mit anderen Studierenden betrieb er einen Wechat-Kanal; eine Online-Chatgruppe, in der sich Homo- oder Bisexuelle und Transgender beraten lassen konnten. Die Universität habe davon gewusst und habe dies auch erlaubt.

Umso überraschter war er als die Gruppe vor rund zwei Wochen plötzlich gelöscht wurde. Wechat löschte aufs Mal gleich Dutzende solcher Kanäle von studentischen LGBT-Organisationen im ganzen Land.

«Zensur ist unberechenbar»

Immer wieder mit Zensur zu kämpfen hatte auch der schwule chinesische Filmemacher Fan Popo, auch er ist frustriert: «Als Filmemacher bist Du nutzlos, wenn Du Deine Filme nicht einem Publikum zeigen kannst.»

Fan Popo hat China inzwischen verlassen, er wohnt seit einigen Jahren in Berlin. Von der aktuellen Zensur der LGBT-Online-Gruppen in seinem Heimatland zeigt auch er sich schockiert.

Legende: Treffen der chinesischen PFLAG-Gemeinschaft (Eltern und Freunde von Lesben und Schwulen) auf einem Kreuzfahrtschiff 2017 mit Fahrt in Richtung Japan. Keystone

Dabei sah es eine Weile so aus, als würde sich China hier öffnen. Die Regierung schaffte Ende der 1990er-Jahre ein Gesetz ab, mit dem zuvor Homosexuelle verfolgt wurden. Und ab 2001 galt Homosexualität in China offiziell nicht mehr als psychische Erkrankung.

Shanghai-Pride abgesagt

Bis Mitte der 2010er Jahre gab es sogar Web-Serien mit schwulen und lesbischen Charakteren, die ein Millionenpublikum erreichten – heute undenkbar. Die jährliche Shanghai-Pride – bereits zuvor äusserst unauffällig durchgeführt – darf seit letztem Jahr nicht mehr stattfinden.

Weshalb dieser Trend zu mehr Repression? Aktivist Xiao Hai vermutet, dass die Behörden Angst hätten vor gesellschaftlichen Umwälzungen. «Sie wollen nicht, dass sich zum Beispiel Studierende organisieren, sich Gruppen bilden, die lautstark ihre Rechte einfordern.»

Feministische Organisationen unter Druck

Diese staatliche Repression bekommen auch feministische Organisationen zu spüren. Zum Beispiel die Gruppe von Xiao Huang, auch sie heisst in Wirklichkeit nicht so. Die eigene Wechat-Gruppe sei schon vor einiger Zeit gelöscht worden, sagt sie.

Womöglich gehe es den Behörden um die Stabilität der Gesellschaft. Auch machten sie sich um die tiefe Geburtenrate des Landes Sorgen. «Dazu kommt die nationalistische Grundstimmung in China derzeit», sagt Xiao Huang. Alles, was nicht zu den traditionellen Werten passe, werde als Bedrohung wahrgenommen.

Der Vorwurf an Gruppen wie jene von Xiao Huang lautet, sie könnten vom Westen beeinflusst sein, ja gar finanziert und beeinflusst werden.

Auch Xiao Hai musste sich diesen Vorwurf schon anhören. Er schüttelt den Kopf. Wie es für seine Gruppe weitergeht, kann er nicht sagen. Die Repression, sagt Xiao Hai, wird auf absehbare Zeit wohl eher zunehmen.

Echo der Zeit, 20.07.2021, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

42 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von kurt trionfini  (kt)
    Was finden manche Menschen an autokratischen Leadern wie Orban, Putin, Trump, Bolsonaro oder Jinping so toll? Die Politik dieser Herren? Die heile Welt dieser Herren?
    Diese heile Welt wo alles noch seine Ordnung hat; Diese Welt wo es wahre Liebe ausschliesslich zwischen Frau und Mann geben kann.
    1. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      Ja, genau, alle über eine kamm Schären. Nennen sie mir bitte nur eine Person die alle dieser von ihnen erwähnte Politiker toll finden!? Oder ist Ihre Meinung basierend auf Ihre Vorurteil, gegenüber jemande der eine andere Meinung hat? Ich z.B. halte nichts von Putin, bin aber begeistert von Urban, und glaube nicht alle die EU propaganda gegen im.
  • Kommentar von Mike Pünt  (Scientist)
    Hoffentlich können die Chinesen sich bald von diesem Regime befreien.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Das Problem ist, dass sich Bürger mit gleichen Problemen/Interessen über weite Strecken leicht organisieren können.
    Da würden selbst Kaninchen-Züchter unter die Räder kommen, wenn sie genug Mitgleider hätten, die sich regelmässig austauschen.
    Es geht darum, dass sich Chinas Bürger nicht Privat (ausserhalb Staatlicher Aufsicht und Bewerttung) treffen und miteinander reden.
    Den egal welches das Haupt Thema ist, irgendwann geht es auch um die Politik.