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Offene Läden: Shoppen mit dem Virus
Aus Rundschau vom 22.04.2020.
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Lockerungen in Österreich Offene Läden, kaum Kunden

Ostschweizer Händler blicken neidisch auf das benachbarte Vorarlberg, wo Läden wieder öffnen. Doch deren Geschäft harzt. Ein Besuch.

Das Modehaus Sagmeister hat einen Tisch und zwei Stühle vor den Eingang gestellt. Dort sitzt der Geschäftsführer mit seiner Angestellten und langweilt sich. Die Sonne scheint, aber Kunden sind kaum in Dornbirn unterwegs. Die Stadt hat wenig Anziehungskraft. Der Wochenmarkt findet nicht statt, Cafés und Restaurants sind zu. Vor allem: Die Touristen aus der nahen Schweiz dürfen nicht ins Land.

Nur Masken werden gekauft

Clemens Sagmeister bittet in den Laden. Natürlich erst, nachdem beide den Mundschutz umgebunden haben. Die Polizei kontrolliert, es gibt hohe Strafen. Und nicht nur dafür. «Schon fünf Minuten nach der Geschäftsöffnung hat uns ein Mitbewerber angezeigt, weil er meinte, unser Laden sei grösser als die erlaubten 400 Quadratmeter», berichtet Sagmeister. «Das hat sich schnell als unwahr erwiesen. Die Polizei rückte wieder ab.»

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Clemens Sagmeister, Modehändler: «Was jetzt kommt, macht mir mehr Sorgen als der Lockdown»
Aus News-Clip vom 22.04.2020.
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Kleider verkauft Sagmeister derzeit wenig. Das einzige, was gut weggeht, sind Mundschutz-Masken. Die stellt Sagmeister selbst her. Es gibt sogar Modelle aus edlem Tuch.

Andere Länder in Zugzwang

Österreich prescht vor. Als erstes Land in Europa durften am Dienstag nach Ostern die Läden bis 400 Quadratmeter wieder öffnen. Dieser forsche Schritt von Bundeskanzler Kurz brachte die Nachbarländer unter Zugzwang. Deutschland öffnete seine Läden Anfang dieser Woche. Die Schweiz zieht Mitte Mai nach.

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Reto Friedauer, Gemeindepräsident St. Margrethen: «Mehr Mut wäre schön gewesen»
Aus News-Clip vom 22.04.2020.
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In der Ostschweiz beobachten Politiker und Geschäftsleute genau, was im benachbarten Vorarlberg passiert. Reto Friedauer, Gemeindepräsident des Grenzortes St. Margrethen, freute sich über die Lockerungen in Österreich. «Ich habe gehofft, dass der Bundesrat nachzieht. Es wäre schön gewesen, wenn unsere Regierung etwas mehr Mut zur Selbstverantwortung an den Tag gelegt hätte und den Detailhandel geöffnet hätte, wie das in Österreich der Fall war», zeigt er sich aber enttäuscht.

500 Meter von uns entfernt dürfen die Geschäfte öffnen, uns sind die Hände gebunden.
Autor: Erich WeberInhaber «Mode Weber»

Das Shoppingcenter «Rheinpark» ist leer. Nur die Lebensmittelgeschäfte sind offen, mehr nicht. Bei «Mode Weber» bleiben die Rollgitter unten. Inhaber Erich Weber versteht nicht, warum nächste Woche in der Schweiz zwar Baumärkte öffnen dürfen, aber keine Kleiderläden. Platz, um zwei Meter Abstand zu wahren, sei hier genug vorhanden, meint er. «Wir sind frustriert», sagt Weber. «500 Meter von uns entfernt dürfen die Geschäfte öffnen, uns sind die Hände gebunden.»

In Baumärkten gehts richtig ab

Auf der anderen Rheinseite, in der österreichischen Gemeinde Höchst, wartet die Verkäuferin in der Papeterie auf Kunden. Die Kinder gehen noch nicht zur Schule. Und auch die Bewohner des Altenheims um die Ecke sind als Kunden noch nicht wiedergekommen. Sie haben Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken und bleiben lieber auf ihren Zimmern.

In den Baumärkten und Gartencentern geht es dagegen richtig ab. So wie in Lauterach, direkt neben Höchst. Hinein kommt nur, wer einen der 350 Wagen erwischt. So sei der Mindestabstand von 1.5 Metern garantiert, sagt das Management. Für die Kunden, die keine Masken dabei haben, gibt der Baumarkt kostenlos welche ab – in einer einfachen Wegwerfversion.

Zurück im ruhigen Dornbirn: Modehändler Sagmeister zeigt sich beunruhigt: «Ich habe mehr Sorge vor der Zeit, die jetzt kommt, als vor dem Lockdown. Vier Wochen Lockdown kann ich verkraften. Aber ein halbes Jahr mit stark reduziertem Umsatz, das wird deutlich schwieriger.»

SRF 4 News, 20.04.2020; 07:16 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Die Älteren - eine kaufstarke Gruppe - sind vorsichtig und gehen noch nicht einkaufen. Als Covid19-Opfer würden sie auch als Konsumenten fehlen. Vielleicht schätzt man es wenigsten wegen ihres Geldes,,wenn sie überleben.
  • Kommentar von Hugo Kuhn  (Coco)
    Bitte bedenken. Die Corona-Geschichte ist eigentlich nur ein Beschleuniger des auf uns zukommenden wirtschaftlichen Kollapses. Wir steuern auch ohne Virus seit Jahren darauf zu. Ständiges Wachstum, Leben auf Pump, Zerstörung unserer Natur, usw. sind die eigentlichen Übel. Die Virus-Situation ist wahrscheinlich überzeichnet. Wir haben dieses Jahr nicht mehr Verstorbene zu verzeichnen als in den Vorjahren.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Toll wie sie das "wissen und schon in der Negativspirale denken"!
    Wir hatten die Spanische Grippe und auch die Finanzkriese überstanden und werden auch Corona überstehenden!
    Ein wenig den Gürtel enger schnallen und weg von der Masslosigkeit schadet gar nichts nach dem Motto "kaufe erst wenn du es auch bezahlen kannst"!