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Legende: Audio Das Weltall wird zur Militärzone abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 01.04.2019.
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Machtkampf im Weltall Science Fiction als bittere Realität

In Genf beriet die UNO-Abrüstungskonferenz darüber, wie das Wettrüsten der Grossmächte im Weltraum einzudämmen ist.

Das hatte gerade noch gefehlt: Während in Genf über einen Stopp oder zumindest eine Begrenzung der Militarisierung im All verhandelt wurde, schoss Indien vorigen Mittwoch mit einer Rakete einen Satelliten ab. Die klare Botschaft: Auch wir, die Inder, wollen – neben den USA, China und Russland – zum Kreis der Militärmächte im Universum gehören.

Das Weltall ist die neue Grenze, die grosse Herausforderung und damit das neue Schlachtfeld der Grossmächte.
Autor: Guilherme PatriotaBrasilianischer UNO-Botschafter

Noch vor nicht allzu langer Zeit gehörte die Militarisierung des Alls ins Reich der Fantasie und der Science-Fiction-Romane. Inzwischen, und das innerhalb weniger Jahre, sei sie zur Realität geworden, sagt der brasilianische Botschafter Guilherme Patriota. Er hat die Genfer Weltraum-Abrüstungsgespräche geleitet.

Patriota vor einem Mikrofon.
Legende: Guilherme Patriota sieht das Wettrüsten der Grossmächte als grosse Gefahr. Reuters

«Das Weltall ist die neue Grenze, die grosse Herausforderung und damit das neue Schlachtfeld der Grossmächte.» Entsprechend bedrohlich und reell sei die Aufrüstung im Weltraum, und zwar umso mehr, als die grossen Mächte auch am Boden auf Konfrontationskurs seien.

Trump hält Vertrag in die Höhe.
Legende: US-Präsident Donald Trump schafft gar eine sogenannte «Space Force», also eigentliche Weltraumtruppen. Reuters

Washington, Peking, Moskau und nun auch Delhi treiben ihre Weltraumprogramme, von denen die meisten auch eine militärische Dimension haben, geheimnistuerisch und völlig intransparent voran. Zudem herrscht zurzeit ein starkes Misstrauen zwischen diesen Hauptstädten. Dieser Mix macht die aktuelle Entwicklung brandgefährlich. Das Risiko von Fehlbeurteilungen ist gewaltig.

Doch um was genau geht es? Unter Aufrüstung im All lässt sich manches verstehen: Etwa die Stationierung von Raketen im All gegen Ziele auf der Erde. Oder der Abschuss von Satelliten von der Erde aus. Dann der Einsatz von Laserwaffen, mit denen Satelliten «blind» gemacht werden. Ausserdem die Platzierung von Explosivstoffen auf Satelliten oder gar der Einsatz eines ganzen Satelliten zur Zerstörung eines anderen. Und schliesslich, schon längst Alltag, die militärische Nutzung der GPS-Navigation.

Die vier grössten Mächte investieren zurzeit Milliarden in solche Programme. US-Präsident Donald Trump schafft gar eine sogenannte «Space Force», also eigentliche Weltraumtruppen. Und das macht Angst. Die UNO möchte deshalb diese Entwicklung stoppen oder zumindest bremsen.

Start einer Rakete.
Legende: Indien unterstreicht seine Ambitionen als Grossmacht und will beim Wettrüsten mithalten, hier beim Start eines Aufklärungssatelliten. Reuters

Auf dem Tisch lag ein 13-seitiger Vertragsentwurf, der von der Definition von Weltraumwaffen über humanitäre Aspekte der Militarisierung des Alls bis zu konkreten Einschränkungen und Transparenzpflichten reichte. Bloss: Erreicht wurde am Ende rein gar nichts, räumt der brasilianische Verhandlungsleiter Patriota mit grossem Bedauern ein.

Das Wettrüsten im Weltraum dürfte einstweilen ungehindert voranschreiten.
Autor: Fredy GsteigerSRF-Korrespondent

Gerade weil die Bedrohung so offenkundig ist, hatten indes viele nicht mit derart viel Widerstand der Grossmächte gerechnet. Doch die Optimisten haben sich getäuscht.

Veralteter Weltallvertrag

Zwar gilt grundsätzlich immer noch der Weltallvertrag aus den 1960er-Jahren. Nähme man ihn zum Nennwert, wäre das Weltall ausschliesslich friedlicher Nutzung vorbehalten. Doch der fünfzigjährige Vertrag basiert auf dem damaligen Wissen und den damaligen technischen Möglichkeiten. Er verbietet zwar ausdrücklich Atomwaffen im All. Doch anderes, was heute möglich ist, kommt in dem Abkommen gar nicht vor.

Was passiert also nun? Zunächst mal gar nichts, sagt der Abrüstungsdiplomat Guilherme Patriota. Ohne jeden Fortschritt gingen die Gespräche auch dieses Jahr zu Ende. Weitere Schritte, eine neue Verhandlungsrunde, ein Datum für neue Gespräche gibt es nicht. Das Wettrüsten im Weltraum dürfte einstweilen ungehindert voranschreiten.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Auf der Erde kaum etwas sinnvolles auf die Reihe bekommen, aber im Weltall einen auf dicke Hose machen. Traurig!
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  • Kommentar von Ursula Keller  (Note)
    Es ist beachtlich was man als System alles machen kann. Es ist fast unmöglich Bürger dazu zu bewegen zu einem eingeschlagenen Weg der Eilte auch mal nein zu sagen, wenn sie nicht unmittelbar benachteiligt sind. Dies gilt m.E. für alle Länder. Wir werden definitiv zuschauen, wie die nächsten 10 Jahre tausende von Militärsatelliten in die Umlaufbahn geschickt werden, um irgendwie die Patt-Situation der Nuklearwaffen umgehen zu können (die EU ist mit 700 Satelliten voll mit dabei). Das kostet!
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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    'Weltraumabrüstungsgepräche' ...dieser Wortbandwurm allein erklärt die bizarre Perfidität der Thematik. Wie weit sind wir doch schon degeneriert... DT wird dann wohl den ersten ausserirdischen präventiven Verteidigungsschlag in die Wege leiten...
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