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Machtwechsel in London Experte: Burnham zieht wohl kampflos in die Downing Street

Das Rennen um die Nachfolge des britischen Premierministers und Labour-Parteichefs Keir Starmer ist so gut wie entschieden: Andy Burnham hat sich bereits am ersten Tag des Nominationsverfahres die Unterstützung von 322 der 400 Labour-Abgeordneten gesichert. Damit fehlt ihm nur noch eine einzige Stimme. Wie es nun weitergeht, erklärt der Journalist und ausgewiesene Grossbritannien-Experte Peter Stäuber.

Peter Stäuber

Journalist

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Der Ostschweizer Journalist lebt seit Jahren in London und berichtet aus der britischen Hauptstadt unter anderem für die «Wochenzeitung WOZ» und für die «Zeit».

SRF: Wie läuft das Nominationsverfahren für das Amt des Labour-Chefs oder der Labour-Chefin ab?

Peter Stäuber: Die Kandidatinnen und Kandidaten haben noch bis am 16. Juli Zeit, um sich zu bewerben. Dazu brauchen sie 20 Prozent der Stimmen in der Fraktion, also 81 Abgeordnete. Allerdings sind die Chancen, dass das passiert, praktisch null. Alle Anwärter, die im Gespräch waren, haben sich zurückgezogen. Es ist darum mehr oder weniger sicher, dass Burnham Premierminister wird. Er muss zwar unter anderem noch von mindestens zwei Gewerkschaften nominiert werden, aber auch das ist eine Formalität. Man kann damit rechnen, dass Andy Burnham als einziger Kandidat ins Rennen geht – und damit wird er bereits am kommenden Freitag als nächster Labourchef und Premierminister feststehen.

Burnham ist Bürgermeister von Manchester und betont gerne, dass er nicht zum Establishment gehöre.

Dieses Image als Aussenseiter im politischen Establishment ist nur bedingt gerechtfertigt. Burnham wurde schon vor 25 Jahren erstmals zum Parlamentsabgeordneten gewählt und ist seither in der Politik aktiv. Er besetzte verschiedene Ämter in den Labour-Regierungen und war lange Zeit ein ziemlich typischer Westminster Karrierepolitiker.

In der Rolle als eine Art interne Opposition gegen London hat Burnham sich einen guten Ruf verschafft.

2017 wurde Burnham zum Bürgermeister von Manchester gewählt und war nun neun Jahre weg vom Politbetrieb in Westminster. Er machte sich stark für den vernachlässigten Norden Englands und sprach sich gegen die Zentralisierung im Land aus. In dieser Rolle als eine Art interne Opposition gegen London hat er sich einen guten Ruf verschafft. Daher kommt dieses Image als einer, der sich gegen den Konsens in Westminster stellt.

In Manchester gilt Andy Burnham als beliebt. Warum?

Die sichtbarste Errungenschaft ist das Nahverkehrssystem, das aus Bussen und Trams besteht. Mit diesem System hat Burnham den Nahverkehr unter staatliche Kontrolle gestellt. Dadurch sind die Kosten für die Passagiere gesunken, mehr Leute nutzen nun den öffentlichen Verkehr. Gleichzeitig ist auch die Wirtschaft von Manchester in den letzten Jahren sehr stark gewachsen, weit mehr als der Rest des Landes.

Es wird wohl nicht zu einem chaotischen und vom Führungskampf dominierten Sommer kommen (...), sondern es wird ziemlich schnell gehen.

Es ist zwar nicht ganz klar, wie viel davon tatsächlich Burnham persönlich zu verdanken ist, aber er war während seiner Zeit als Bürgermeister das öffentliche Gesicht einer boomenden Stadt. Burnham gibt sich zudem volksnah, ist umgänglich und kommt auch authentischer rüber als Keir Starmer.

Wie will Burnham die Probleme des Landes lösen ?

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Burnham habe seine Pläne noch nicht im Detail vorgelegt, gibt Stäuber zu bedenken. Aber er habe angedeutet, worauf er hinaus wolle. Ein zentrales Projekt ist demnach die Machtverteilung im Land, also ein stärkerer regionaler Ausgleich, sodass nicht alles in London entschieden wird. Ein symbolischer Schritt, der dies verdeutlichen soll, ist die Errichtung eines Regierungssitzes in Manchester, also einer Zweigstelle der Downing Street.

Eine weitere Priorität ist die stärkere Kontrolle über Wasser und Stromversorgung, die derzeit beide privatisiert sind. Burnham wolle sie vielleicht nicht direkt wieder verstaatlichen – aber immerhin einer stärkeren staatlichen Kontrolle unterwerfen, meint Stäuber. Das soll unter anderem auch dazu beitragen, dass sich die Kosten für die Verbraucher verringern und damit zu einem übergeordneten Ziel von Burnham führen: Er will ganz konkret die Lebensumstände der Briten verbessern, die für so viel Frust sorgen.

Burnham benötigt lediglich noch eine Stimme für die Nominierung. Wie geht es nun weiter?

Nach dem erwarteten Sieg im Führungskampf, der am Freitag abgeschlossen sein dürfte, wird Burnham voraussichtlich bereits am 20. Juli, also am folgenden Montag, als neuer Premierminister in die Downing Street 10 einziehen und die Regierungsgeschäfte direkt übernehmen. Es wird wohl nicht zu einem chaotischen vom Führungskampf dominierten Sommer kommen, wie man nach Starmers Rücktritt befürchtet hatte, sondern es wird ziemlich schnell gehen. Und das ist wohl auch im Sinne der Wählerinnen und Wähler. Denn wie gesagt, die Probleme im Land sind gross und es gibt genug davon. Man wartet darauf, dass jemand anfängt, sie zu lösen.

Schwarze Tür mit dekorativem Gitter.
Legende: Der Regierungssitz an der Downing Street sucht innerhalb von zehn Jahren zum siebten Mal einen Premierminister oder eine Premierministerin. Keystone/ANDY RAIN

Echo der Zeit, 11.7.2026, 18 Uhr ; 

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