Zum Inhalt springen

Header

Video
SRF-Frankreich-Korrespondentin Alexandra Gubser zum Wahlausgang
Aus Tagesschau vom 25.04.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 40 Sekunden.
Inhalt

Macron bleibt Präsident Die Logik des geringeren Übels

Am Ende war es doch weniger knapp als erwartet. Rund 58 Prozent für Emmanuel Macron, das ist ein komfortabler Sieg. Im Umkehrschluss gibt das 42 Prozent für Marine Le Pen, weil die «weissen», leer eingelegten Voten nicht separat ausgewiesen werden. Fast 10 Prozent mehr für die radikale Rechte als 2017, das ist enorm.

Dass offenbar viele Wählerinnen und Wähler von Jean-Luc Mélenchon und anderen unterlegenen Kandidatinnen und Kandidaten die «Kröte» geschluckt und Macron gewählt haben, um Le Pen zu verhindern, kann den Amtsinhaber nicht beruhigen. Zwar war die Aversion gegen Le Pen grösser als die Abneigung gegen Macron. Doch letzterer hat eigentlich zwei von drei Franzosen gegen sich.

Keine einfachere zweite Amtszeit

Daher dürfte Macrons zweite Amtszeit alles andere als ein Spaziergang und wohl noch turbulenter werden als sein von Krisen geprägtes erstes Mandat. Die politische Landschaft ist ein Schlachtfeld. Die traditionellen Parteien der Sozialisten wie der Republikaner liegen in Trümmern, Gewinner sind die Extreme am linken wie rechten Rand.

Macron verfolgt die Strategie «attrape-tout» und versucht, alle Strömungen in einer grossen Mitte-Mehrheitspartei zu vereinen. Das könnte ihm bei den Parlamentswahlen im Juni – sofern er denn nicht dasselbige auflöst und die Wahlen vorzieht – zwar eine komfortable Mehrheit verschaffen. Doch durch das Mehrheitswahlrecht werden derzeit jene Formationen, die Millionen Wähler hatten, mit ein paar wenigen Abgeordneten-Mandaten abgespeist. Da braucht man sich nicht zu wundern, warum sich die Französinnen und Franzosen immer weniger repräsentiert fühlen und zunehmend der Politik und ihren Exponenten den Rücken kehren.

Die extreme Rechte wittert Morgenluft

Vor 20 Jahren kam Jean-Marie Le Pen auf 18 Prozent der Stimmen. Seine Tochter heute auf 42. Das ist eine Entwicklung, die zu denken gibt, zumal ein Éric Zemmour nicht von der Bildfläche zu verschwinden gedenkt und in den Reihen des Rassemblement National die nächste Generation mit Marion Maréchal-Le Pen längst bereitsteht.

Antworten auf diese Radikalisierung zu finden, die auch auf linker Seite stattfindet, muss eine von Emmanuel Macrons Prioritäten sein. Sonst ist 2027 der Weg frei für eine radikale Zeitenwende in Frankreich – mit unabsehbaren Auswirkungen auf ganz Europa.

 

Alexandra Gubser

Alexandra Gubser

Frankreich-Korrespondentin, SRF

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Gubser ist seit Frühjahr 2017 Frankreich-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau» tätig. Davor arbeitete sie für Medien wie «TeleZüri» oder «Radio 24».

Video
Spezialsendung zur Wahl in Frankreich
Aus SRF News spezial vom 24.04.2022.
abspielen. Laufzeit 36 Minuten 16 Sekunden.

SRF Spezial, 19:55 Uhr, SRF 1

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

48 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle und wünschen Ihnen einen angenehmen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Es ist nicht nur ein Auftrag an die Politiks Frankreichs, die "einfachen", d.h. z.B. ArbeiterInnen der Strasse wieder besser ins Boot zu holen, den Aermeren viel mehr und direkter zu helfen, die Ban-Lieus immer obsoleter werden zu lassen durch bessere soziale Unterstützung, statt sich so an Reiche und Lobbyisten von Konzernen anzulehnen. Es ist eigentlich ein Gebot an alle Demokratien, sich der unteren Schichten viel besser anzunehmen. Dann verliert z.B. Le Pen, in CH SVP-Elite ihr Fundament.
  • Kommentar von Simon Mathys  (Simon Mathys)
    Ein Politologe in Frankreich hat etwas gesagt, dass ich völlig zutreffend finde: Er hat gesagt, dass die entscheidende Konfliktlinie in Frankreich heute nicht mehr links gegen rechts sei, sondern unten gegen oben. Alle, die unten seien, würden links- oder rechtsextrem wählen. Und anscheinend gibt es immer Menschen, die unten sind oder sich unten fühlen. Das sollte in einem wohlhabenden Land zu denken geben.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Simon Mathys: Das Problem verschärft sich in Ländern wie Frankreich, UK oder der USA nur früher, als in anderen Ländern. Selbst bei uns öffnet sich ein Bildungsgraben der dazu führt, dass etwa 20% der Bevölkerung einfach abgehängt werden und im sich im Tieflohnsegment, wo die Konkurrenz auch durch die Migranten enorm ist, über die Runden bringen muss mit der "tollen" Aussicht, später auch noch mit einer tiefen Rente abgespiesen zu werden.